Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs. 53
nennt, — eine Sachlage, die durch Bankerotte charakterisiert wird, und
zwar von Bankerotten infolge eines Mangels an Bargeld zu einer Zeit, wenn
es am nötigsten gebraucht wird.
Es wird allgemein anerkannt, daß der durch Vertrauensverlust herbei
geführte Zusammenbruch des Bankkredits, ganz abgesehen von der Ursache
des Vertrauensverlustes, das Hauptmoment jeder Krisis ist. Was nicht
allgemein anerkannt wird, und was dieses Kapitel nachdrücklich hervorheben
will, ist, daß dieser Vertrauens Verlust (in der hier geschilderten typischen
Handelskrisis) die Folge einer Verzögerung in der Anpassung des Zins
fußes ist.
Auf andere Ursachen von Krisen, nämlich auf solche, die in keinerlei
Beziehung zum Gelde stehen, beabsichtigen wir nicht einzugehen. Statt
dessen erklären wir, daß die mit dem Geld zusammenhängenden Ursachen,
wenn sie mit der mangelhaften Anpassung des Zinsfußes in Ver
bindung gebracht werden, die wichtigsten sind. Die anderen Faktoren
nämlich, auf welche oft Nachdruck gelegt worden ist, sind bloße Wirkungen
dieser mangelhaften Anpassung. »Überkonsumtion“ (overconsump-
tion) und „zu große Kapitalanlage“ (overinvestment) sind hierhergehörige
Fälle. Der Grund, weshalb viele Leute mehr ausgeben, als sie sich gestatten
können, ist, daß sie sich auf den Dollar als stabile Einheit noch dann ver
lassen, wenn seine Kaufkraft tatsächlich schon in raschem Fallen begriffen
ist. Der Inhaber von Obligationen z. B. läßt sich verlocken, sein Kapital
anzugreifen. Er denkt nicht daran, daß er einen Schuldentilgungsfond bei
seite legen sollte, weil die Abnahme der Kaufkraft des Geldes den tatsächlichen
Wert seines Hauptkapitals herabsetzt. Aktieninhaber und Unternehmer
werden gewöhnlich durch gedankenlosen Verlaß auf die Stabilität des Zins
fußes in gleicher Weise getäuscht, und so legen sie zuviel an. Allerdings
verdienen sie eine Zeitlang, was der Inhaber von Wertpapieren verliert;
sie sind daher berechtigt mehr auszugeben und anzulegen, als wenn die Preise
nicht steigen würden, und anfangs fahren sie gut dabei. Aber früher oder
später steigt der Zinsfuß über die Ziffer hinaus, mit welcher sie gerechnet
hatten, und sie werden sich der Tatsache bewußt, daß sie sich auf Unter
nehmungen eingelassen haben, die sich bei diesen hohen Zinssätzen nicht be
zahlt machen.
Dann ereignet sich etwas Seltsames: die Entlehner, welche außerstande
sind, leichte Anleihen zu erhalten, machen den hohen Zinsfuß für Zustände
einigten Staaten betreffenden Teiles von De Courcey W. Thom, A Brief Eistory of Panies
in the United States, New York (Putnam), 1893, S. 7—10.