Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Positionen  und  Organe  der  liberalen  Schule

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Arbeitern  usw.  Doch  ist  dieselbe  eine  Jahre  hindurch  ständige, ­
  was  wesentlich  dazu  beiträgt,  daß  der  Unterricht  systematischer ­
  und  höher  sein  kann,  als  der  der  Volkshochschulen 1 ).
An  dieser  Anstalt  bestand  der  erste  Lehrstuhl  für  Nationalökonomie ­
  in  Frankreich.  J.  B.  Say,  Ad.  Blanqui,  L.  Wolowski
hatten  ihn  nacheinander  inne.  Heute  umfaßt  daselbst  der
volkswirtschaftliche  Unterricht:  1.  Nationalökonomie  und  Gewerbegesetzgebung ­
  (Levasseur,  mit  Prof.  Deschamps  von  der
juristischen  Fakultät  in  Paris  als  Supplent);  2.  Gewerbepolitik
und  Statistik  {A.  Liesse,  früher  A.  de  Foville)  ;  3.  Sozialpolitik
(Prof.  Paul  Beauregard  von  der  juristischen  Fakultät).  Diese  drei
Lehrstühle  gehören  der  liberalen  Schule.  Dazu  kommen  :
4.  Assurance  et  Prévoyance  Sociale  (der  Direktor  des  Musée
Social,  Mabilleau);  5.  Geschichte  der  Arbeit  (der  Sozialist,  Professor ­
  am  College  de  France,  Georges  Renard).
Am  Collège  de  France  bestehen  drei  Lehrstühle  für  Volkswirtschaftslehre. ­
  Der  erste,  für  J.  B.  Say  1830  gegründete,  gehörte ­
  ununterbrochen  der  liberalen  Schule.  Rossi,  M.  Chevalier,
Baudrillart  und  seit  1878  Paul  Leroy-Beaulieu  hatten  ihn  inne.
Der  zweite  wurde  1869  geschaffen  und  Levasseur  übertragen
mit  dem  Lehrauftrag  für  Wirtschaftsgeographie,  -geschichte
und  -Statistik.  Der  dritte,  1905  ins  Leben  gerufene,  wurde  mit
dem  aus  Lausanne  berufenen  Sozialisten  Georges  Renard  besetzt.
Der  Einfluß,  welchen  der  Unterricht  des  Collège  de  France  auf
das  Geistesleben  der  Nation  ausübt,  ist  ein  sehr  beschränkter,
die  Zuhörerschaft  eine  dilettantische  und  wechselnde.
In  Deutschland  ist  die  Meinung  verbreitet,  der  volkswirtschaftliche ­
  Unterricht  an  den  juristischen  Fakultäten  Frankreichs
liege  samt  und  sonders  in  Händen  von  Dozenten,  welche  sich
der  historisch-realistischen,  interventionistischen  deutschen  Schule
anschließen.  Es  ist  dies  ein  Irrtum,  auf  den  unten  ausführlicher ­
  einzugehen  sein  wird.  Hier  sei  nur  erwähnt,  daß  zunächst ­
  1875—78,  als  die  Volkswirtschaftslehre  als  obligatorisches
Lehrfach  in  den  Lehrplan  der  juristischen  Fakultäten  aufgenommen ­
  wurde,  mehrere  der  plötzlich  mit  volkswirtschaftlichen ­
  Lehraufträgen  betrauten  Rechtslehrer  sich  der  liberalen
x )  In  den  volkswirtschaftlichen  Vorlesungen  des  Conservatoire  des  Arts
et  Métiers  konnte  ich  eine  mittlere  Hörerzahl  von  60—60  Herren  und  Damen
jeglichen  Alters,  zumeist  Hand  eingestellte,  feststellen.
            
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