Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die verschiedenen Gruppen innerhalb der liberalen Schule 71 
wohl die Mehrheiten in den gesetzgebenden Versammlungen 
Frankreichs im Laufe des XIX. Jahrhunderts nie gewesen. Für 
staatliches Eingreifen auf sozialpolitischem Gebiete haben sich 
aber bekanntlich die französischen Parlamente später und zögern 
der bereit gefunden, als die der anderen, führenden Kultur 
länder. 
B. Die verschiedenen Gruppen innerhalb der 
liberalen Schule. 
Wer heute beobachtend an die liberale Schule der National 
ökonomie in Frankreich herantritt, wird bald erkannt haben, 
daß sich in ihrem Schoße mehrere Gruppen deutlich sichtbar 
voneinander abheben. Allen gemeinsam sind geblieben: das 
unbedingte Festhalten an der Existenz universeller und perma 
nenter Naturgesetze des Wirtschaftslebens, das Dogma von der 
individuellen Selbsthilfe und der freien Konkurrenz, die opti 
mistische Grundstimmung und die grundsätzliche Abneigung 
gegen jegliche Einmischung des Staates ins Wirtschaftsleben. 
Dagegen haben sich, hauptsächlich unter dem Einfluß äußerer 
Verhältnisse, verschiedene Richtungen herausgebildet. Als 
gruppenbildende Faktoren kommen in Betracht: Verschieden 
heiten der persönlichen Anlagen und des Bildungsganges, be 
rufliche und gesellschaftliche Zugehörigkeit der einzelnen Volks 
wirte, auch politische Momente. Materiell gipfeln die wichtig 
sten Unterscheidungsmerkmale in der verschiedenen Stellung 
nahme zu den in der Wissenschaft anzuwendenden Methoden 
und zu der Frage, in welchem Maße eine Staatsintervention 
als zulässig erachtet werden könne. 
Man wird zu unterscheiden haben : 
1. Die Gruppe der Intransigenten, Unentwegten, Orthodoxen, 
zu welcher G. de Molinari, F. Passy, Yves Guyot usw. zu rech 
nen sind. 
2. Die Gruppe der Geschäftsmänner. Hierher gehören : Paul 
Leroy-Beaulieu und die regelmäßigen Mitarbeiter des Econo 
miste Français: A. Raffalovich, d'Eichthal, Ch. Gomel, R. G. 
Le'vy usw.
	        
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