Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

—  120  —

Interessant  ist  die  Lage  des  Platzes  Münden.  Der  Werder
zwischen  den  Flüssen  ist  für  den  alten  Umschlag  vor  der  Eisenbahn
ideal  gelegen  und  würde,  wenn  die  Stadt  im  Westen  Amerikas  entstanden ­
  wäre,  wohl  kaum  der  Stadtplatz  geworden  sein.
Greisere  Veränderungen  sind  mit  dem  Wasserstrafsennetz  unserer
Gegenden  nicht  vorgenommen  worden.  Man  hoffte  mit  den  Kanälen,
die  zwischen  Hamme,  Oste  und  Schwinge  angelegt  worden  sind,
auch  Handelsgüter  befördern  zu  können,  innerhalb  des  damaligen
primitiven  Verkehrs;  sie  haben  aber  nur  landwirtschaftlichen  Zwecken
und  namentlich  dem  regen  Torfverkehr 1 )  gedient,  während  der  Handels-*)

  Zu  den  früheren  Verhältnissen,  die  ich  hier  nicht  zu  erörtern  brauche,
liegen  Akten  bei  denen  der  Eichenschiffer  unter  der  Bezeichnung  Moorfahrer
im  Staatsarchiv  und  im  Archiv  der  Handelskammer.  Es  gab  auch  eine  Brüderschaft ­
  der  nach  dem  Moor  fahrenden  Eichenschiffer  (Br.  Staatsarchiv).  Auch
die  kundige  Rolle  regelt  den  Handel  mit  Torf,  den  die  Schiffer  im  Moore  aufholen.
  Die  planmäfsige  Moorkultur  und  Besiedlung  hat  im  Bremischen  seit
Mitte  des  achtzehnten  Jahrhunderts  eingesetzt.  Älter  ist  eine  Randsiedlung
noch  ohne  Kanalsystem.  Der  Torfverkehr  nach  unserer  Seite  scheidet  sich
heute  in  den,  der  auf  Hamme  und  Lesum  teilweise  auf  besser  ausgestatteten
Boten  der  Moorbauern  und  z.  T.  auf  an  der  Hamme  (Holtstäe  bei  Osterholz)
beladenen  Böcken  und  Kähnen  auf  die  Weser  nach  verschiedenen  Orten  übergeht,
und  den  direkten  Verkehr  nach  Bremen  durch  die  Kanäle,  Der  grofse  Kanalverkehr
nach  Bremen,  heute  der  wichtigste,  ist  neuesten  Datums.  Der  Chausseeverkehr
aus  dem  Moore  ist  heute  gering.  Eine  Randausnutzung  durch  Landfuhren  ist
ebenfalls  alt.  1765  erreichten  die  Wörpeanbauer  die  Regelung  ihres  Verkehrs
durch  den  Kuhgraben,  der  1797  Hafen  und  Bollwerk  an  der  Sohleifmühle
erhielt.  Sie  versorgten  im  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  namentlich  denkleinen
Mann,  während  der  Hauptverkehr  nach  wie  vor  an  der  Schlachte  bezw.  an  der
kleinen  Weser,  am  Neustadtsdeich  vor  der  Häschenstrafse  sich  vollzog.
Durch  den  1817  ausgebauten  neuen  Torfkanal,  dessen  Endpunkt  bezw.  Hafen
1847  vom  Breitenweg  hinter  den  Bahnhof  und  die  Gasanstalt,  1873  an  die
Neukirchstrafse  hinter  die  Hamburger  Bahn  verlegt  wurde,  erhielten  die  nach
der  Hamme  zu  angesetzten  Mooranbauer  einen  speziell  für  sie  geschaffenen
Weg  nach  Bremen.  1869  wurde  an  Stelle  der  am  Ende  des  18.  Jahrhunderts
gelegten  alten  Semkenfahrt  nach  der  Hamme  die  neue  Semkenfahrt  nach  dem
Torfkanal  gebaut.  Der  Kuhgraben  oder  alte  Torfkanal  erhielt  1875  eine  Querverbindung ­
  nach  dem  neuen  Torfkanal,  seine  Fortsetzung  nach  der  Schleifmühle
wurde  damals  und  1891  zugeschüttet.  Aufserdem  hat  noch  das  alte  Waller
Fleet  dem  Torfverkehr  gedient,  bezw.  dient  ihm  auch  heute.  Der  Torfverkehr
nach  Bremen  ist  dadurch  ein  direkter  Verkehr  der  produzierenden  Mooranbauer
geworden.  Die  Bremer  Schiffer  und  der  alte  Zwischenhandel  wurden  mit  dem
Weg  über  Lesum  und  Weser  für  Bremen  ausgeschaltet.  Bei  der  Besiedlung
hat  auch  das  temporäre  Wandern  und  Hollandsgehen  der  Bevölkerung
mitgewirkt.  Fr.  Buchenau,  Diö  fr.  Hansestadt  Bremen,  1900,  S.  36,  37,
72  ff.,  371;  J.  Öltjen,  in  Bremen  und  s.  Bauten,  1900,  S.  611  ff.;  Sammlung
versch.  Verordn.,  welche  in  Hdlgs.-  etc.  Sachen  d.  fr.  Reichs-Stadt  Bremen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.