PLAKAT UND MODERNE KUNST
In England und Deutschland reichen die Anfänge des
modernen, künstlerischen Plakates auf ca. 1890 zurück, sie ent-
wickelten sich .in diesen Ländern aus den künstlerisch ausge-
statteten Buchumschlägen, welche bereits die Elemente
des modernen Plakates aufweisen. Als früheste Künstler wären
in diesen Ländern Fred Walker und Fritz Aug. Kaulbach zu
nennen. Ähnlich ging auch die Entwicklung in Nordamerika,
wo die Umschläge der Zeitschriften für Harpers Magazine und
The Century Magazine bahnbrechend wurden; bald war es
dort üblich, für jede Nummer einen eigenen Umschlag zu
zeichnen, der vielfach gleichzeitig in vergrößerter Form als
Plakat Verwendung fand. Von den einheimischen, amerikani-
schen Künstlern war L. Rhead richtunggebend.
Der Kubismus hat ebenso wie in.der Kunst auch im
Plakatwesen keine maßgebende Stellung erobert (s. Abb. 55).
Vom Ausstellungswesen her drang auch die graphische
Darstellung in das Plakatwesen ein. Den Anlaß hierzu gab
die Abstumpfung des Publikums gegen das gedruckte Wort,
das schnelle Tempo des täglichen Lebens, das für das Lesen von
Plakaten keine Zeit läßt und die Notwendigkeit, gegen diese
Erscheinungen anzukämpfen. Die graphische Darstellung
‘s, Abb. 56 u. 163) ist selbstverständlich nur dort anwendbar,
wo dem Publikum die Größe eines Betriebes, das Wachstum
seines Umsatzes, sein Erfolg usw. dargetan werden soll.
Unter das Gebiet der graphischen Darstellung gehört auch
die sogenannte Landkartenreklame. Mit Hilfe der Karte,
in welche die Niederlagen oder das, Verbreitungsgebiet einer
Firma eingezeichnet sind, soll dem Publikum die territoriale
Entwicklung eines Unternehmens vor Augen geführt werden,
Dieses Werbemittel hat den Vorzug, daß bei einer Reihe von
Gelegenheiten, insbesondere auf Bahnhöfen und Postanstalten,
das Publikum oft geographische Fragen gelöst wissen will
und mit einer Reklamekarte, mangels einer anderen, ge-
zwungenermaßen gerne vorlieb nimmt. Hierbei muß es selbst-
verständlich auch von dem Reklametext Kenntnis nehmen.
Abzieh- und Glasplakate.
Ungefähr um 1890 kamen einige findige Köpfe auf den
Gedanken. Schaufenster und Ladentüren mit Anpreisungen