423 a Die bedeutenderen Gewerbezweige Persiens. 124
Die Pfeifen-Industrie. sagt, im allgemeinen nur ein minderwertiges Erzeug-
Weit verbreitet ist auch die Herstellung von nis liefern können. Nur noch zwei bis drei Arbeiter
Pfeifen und Pfeifenzubehörteilen. Ist doch ein Perser rbeiten mit besonderer Liebe und grossem Fleiss an
ohne seinen Kalian (Wasserpfeife) kaum denkbar. Diese dem Kopieren alter, schöner Muster. Bir
Kalian werden aus verschiedenem Materiale hergestellt. ‚Die europäischen Imitationen, die namentlich in den
Bei den Prinzen und der hohen Geistlichkeit sind sie vielbegehrten Perser Federkästen aufkommen und aus
aus Gold und Silber, häufig mit feiner emaillierter Ar- ganz gewöhnlichem Material, das mit Abziehbildern
beit und Edelsteinen verziert. In den Wohnungen der beklebt und dann lackiert wird, bestehen, tragen noch
besseren Perser sind sie aus Porzellan, Kristall usw., Weiter zu dem Rückgange dieses Gewerbes bei.
während der einfache Mann sich mit einem aus ge- Matten- und Korbflechterei. Im Süden
wöhnlichem Ton hergestellten Gefäss begnügt. und Südwesten Persiens und namentlich in Bender
Auch die Köpfe dieser Kaliane, die bestimmt sind, Abbas und Mohammerah werden bedeutende Mengen
die Holzkohle und den Tabak zu tragen, werden ähn- Matten, teils zum Fussbodenbelag, teils zu Zeltwänden
lich wie die Wasserkörper aus verschiedenen Stoffen Und Türjalousien gefertigt. Bender Abbas versieht da-
hergestellt. Um einen Tonkern ist eine Hülle von mit einen grossen Teil des persischen Golfs, aber auch
Messing, Stahl, Silber, Kupfer usw., häufig mit mehr 1 den anderen Landesteilen fertigt und benutzt man
oder minder feiner Emaillearbeit versehen, gelegt. Ein derartige Matten. In Mohammerah fertigt man ausser
Vergleich älterer Stücke mit denen in den letzten Jahr- den Matten ganz bedeutende Mengen von Körben zur
zehnten gefertigten fällt aber ebenfalls zu ungunsten der Verpackung der zum Versande gelangenden Datteln.
ES Erzeugnisse dieses weit verbreiteten Gewerbes Die Konfitüren-Industrie.
Grosse Sorgfalt wird auf die Herstellung der durch- Zuckerbäcker. Wie alle Orientalen lieben
schnittlich 25 cm langen, dicken, walzenförmigen, meist uch die Perser die Süssigkeiten in ganz hervorragen-
aus Buxbaum oder ähnlichen Hölzern hergestellten “dem Masse, Aus dem Auslande kommen nur „BETSE
Pfeifenrohre verwendet, die kleine, meist gewöhnliche Mengen und dann auch nur nach den grösseren,
Porzellanpfeifenköpfe tragen, die zu der Stärke des hauptsächlich den nord- und nordwestlichen sowie
Rohres, welches meist kein eigentliches Mundstück be- Cinigen Golfplätzen. 3
sitzt, in keinem Verhältnisse stehen. Ausser Bonbons und verschiedenen Arten von
> z Zuckerguss werden mit Vorliebe viel süsse Kuchen und
Verschiedene Kunstgewerbe. Törtchen verspeist. Der Verbrauch von Zucker ist in-
Zwei in früherer Zeit in hoher. Blüte befindliche /Ge- folgedessen ein ganz erheblicher, so dass er, ein Volks-
werbe, die heut ebenfalls einen auffälligen Verfall zeigen, nahrungsmittel im weitesten Sinne des Wortes ist, zu-
sind noch die Emaille- und Lackmalereien. mal, wenn man bedenkt, wieviel Zucker der Perser
Erstere wurden in früheren Zeiten in einer herrlichen, zum Versüssen seines Nationalgetränks, des Tees, be-
völlig durchgeflärbten, häufig noch durch Edelsteine unter- nötigt. Wie gross der Zuckerverbrauch von den Per-
brochenen Manier gefertigt. Isfahan war die Heimat _sern selbst geschätzt wird, geht aus einer Angabe ver-
dieser schönen Kunst. In grellem Gegensatze zu den schiedener Kaufleute in Mesched hervor, die den täg-
tiefen und reinen Farben der prächtigen, fehlerlosen lichen Zuckerverbrauch dieser Stadt, die allerdings einen
Glasur und der schönen, wenn auch oft naiven Malerei enormen Pilgerverkehr aufweist, auf 16 Tonnen Zucker
stehen die Machwerke der heutigen Fabrikation. Un- angibt.
reine, höckerige Glasur, schmutzige, ausgelaufene . e a.
Farben und flüchtige Kleckserei sind die Signatur der Die Herstellung von Wein u, Spirituosen.
neuzeitlichen Produkte. Weinkelterei und Destillationsge-
Ganz abgesehen von dem Verfalle der Malerei werbe. Obwohl der Koran den Muselmanen den
selbst, ergeht es in ähnlicher Weise der Lackmalerei. (Genuss von Wein verbietet und der Perser in der Aus-
Diese auf Papiermache, nach alten Historien gemalten, übung seiner Religion ziemlich fanatisch ist, huldigen
mit einem feinen geblichen Lack überzogenen Gegen- doch weite Kreise dem Genusse des Alkohols. In
stände, meist Buchdeckel, Schmuckkästen und Federbe- grösseren Städten ist der Absatz zumal an Kognak ein
hälter, werden zwar heute noch in grossem Umfange her- ganz bedeutender. In zweiter Reihe in geringem Um-
stellt, aber weder das Papiermache noch der Lack und fange liebt der vermögende Perser auch den Sekt, der
vor allen Dingen die Malerei können auch nur einen ebenso wie der Kognak zu zum Teil sehr hohen Preisen
annähernden Vergleich mit den alten Arbeiten, die mit abgesetzt wird. Im Lande selbst wird ein mehr oder
grosser Liebe und Sorgfalt hergestellt waren, aushalten. minder guter Landwein in den verschiedenen Gegenden
In Isfahan und Hamadan beschäftigen sich eine gekeltert. Am berühmtesten ist der Wein von Schiras,
Anzahl Meister mit diesen Malereien, die aber, wie ge- an zweiter Reihe kommt der von Chorassan, dann Ha-