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in früherer. In unserer Zeit, da die moderne Technik —
die ich für einen wesentlichen Faktor im gesellschaft
lichen Entwicklungsprozeß halte — einen so lawinenartigen
Aufschwung durchgemacht hat. Sie ist es, die mit ihren
Errungenschaften immer neue Existenzbedingungen schafft. Be
dingungen, die die Klassenlage immer deutlicher hervortreten
lassen, was dazu beiträgt, die Kampflinien scharf abzugrenzen.
Hier Bedrücker — da Bedrückte. Und mit dieser Erkenntnis
wird das Bestreben umi sich greifen, eine bessere Gesellschaft
zu schaffen. Und jeder Kopf, der sich dem erschließt, ist ein
Stück vorwärts. Das Licht läßt sich nicht mehr in Fesseln
schlagen, so wenig wie der Frühlingswind nach langer düsterer
Winternacht. Und der Menschenfrühling, der Zukunftsstaat,
früher oder später, er muß kommen.“ Ein Bergarbeiter: „Ich
glaube, und schon der Glaube ist ein Stück Zukunftsstaat. Die
Hoffnung stärkt und reißt uns in die Höhe, wenn wir im un
genügenden und unbefriedigendenLeben verzweifelt nieder sinken. “
Aber auch der Pessimismus bricht öfters gewaltsam durch,
und gerade unter den feinsten Köpfen der befragten Arbeiter
kategorien. „Seitdem ich mein letztes Ideal zu Grabe tragen
mußte, die Staatsumwälzung, bin ich hoffnungslos. Was nützt
mir ein Leben, wenn ich nicht sichtbarlich kämpfen kann. Die
Zukunft ist ein Nichts, nur das Jetzt ist die Stelle des Lebens.
Nur auf dem Jetzt, aus dem Stoff kann das Leben bestehen.“
Ein Weber: „Schön klingt es freilich, wenn man mit großen
Zahlen prunken kann. Sehen wir uns doch die Menschen an.
Eingeengt in Organisationen, wo soviel Mitglieder, soviel Ketzer-^
richter auch vorhanden sind. Wer zu radikal schreibt oder
spricht, wer revisionistisch schreibt oder spricht, wer eine
andere als zentralistische Laufbahn für richtig hält, wer an-.
ders denkt als die Zentral-Gesangvereine, der wird verfehmt.
(Siehe Boykott des Volkschors.) Der Schwerpunkt aller die
ser Erscheinungen liegt im Ausspruch Müllers von der See
mannsorganisation: ,Wir müssen dumme Kerle sein, wenn wir
nicht eine Abstimmung herbeiführen könnten, wie wir sie
wollen.“ Dieser Gedanke beleuchtet mit Blitzlicht meine Hoff
nungslosigkeit.“
Welchen Reflex läßt nun die politische und Gewerkschafts-,
bewegung in der Arbeiterseele zurück? Sie lehrte ihn, sich