Full text : Die Arbeiterfrage

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37  Metallarbeiter,  16  Textilarbeiter  und  zwei  Bergleute  gaben
an,  Friedrich  Nietzsche  gelesen  zu  haben,  eine  Angabe,  der
zuerst  eine  gehörige  Portion  Skeptizismus  entgegengebracht
wurde.  Eine  Nachprüfung  erfolgte  in  allen  diesen  Fällen,  und
die  Wahrheit  der  Angaben  fand  in  vollem  Maße  Bestätigung.
Ein  von  der  Natur  etwas  vernachlässigter  Metallarbeiter  offenbart ­
  auf  meine  Anfrage,  wie  er  zu  Nietzsche  gekommen,  auf
ca.  ioo  Seiten  seine  ganze  Weltanschauung.  Einige  Stellen
daraus:  „Das  erste  Philosophische,  was  ich  las,  stammte  aus
Schillers  Prosaschriften.  Ich  las  dann  hin  und  wieder  philosophische ­
  Aufsätze  in  Revuen  und  wurde  dadurch  auf  Schopenhauer ­
  und  Nietzsche  aufmerksam,  auf  ihre  Gegensätzlichkeit
wie  Willens-  und  Lebensvemeinung,  und  ihr  Gegensatz,  die
glühendste  Lebens-  und  Willensbejahung  usw.  Es  drängte  mich
nun,  die  Sache  näher  kennen  zu  lernen  und  versuchte  ein  Werk
Schopenhauers  aus  der  Volksbibliothek  zu  bekommen.  Da  es
nicht  vorhanden,  empfahl  man  mir  ein  anderes,  welches  alle
Lehren  Schopenhauers  in  sich  vereinige.  Ich  las  einen  Teil  von
Parerga  und  Paralipomena.  Es  ist  das  Einzigste  geblieben,  Was
ich  von  ihm  gelesen  habe.  Will  nicht  behaupten,  daß  ich  damals
alles  verstanden  habe.  Nur  einige  Hauptpunkte  sind  mir  noch
lebendig  wie:  Was  einer  ist,  was  einer  hat  und  was  einer  vorstellt. ­
  Willensbejahung  ist  gleichbedeutend  mit  Leidensbejahung. ­
  Darum  Askese  auf  allen  Gebieten.  Bald  nach  Obengenanntem ­
  las  ich  Nietzsches  Zarathustra,  und  ich  kann  getrost ­
  sagen,  er  ist  ein  neuer  Wendepunkt  meiner  geistigen  Entwicklung ­
  geworden.  Ich  will  nicht  behaupten,  ich  habe  Nietzsche ­
  in  alle  Abgründe  und  Tiefen  seiner  Philosophie  folgen
können.  Vorerst  reizte  mich  lediglich  der  lyrische  Schwung,
ein  rein  artistisches  Vergnügen.  Da  ich  ihn  mir  nicht  kaufen
konnte,  schrieb  ich  mir  Auszüge  daraus  ab.  Dann  wirkte  er
auf  meine  Willensrichtung.  Wieso,  werde  ich  kurz  darlegen.
Bis  jetzt  hatte  ich  alles  nur  betrieben  um  meiner  selbst  willen,
ohne  Ziel.  Das  Ganze  ging  in  meinem  Geist  vor,  in  meinem
Hirn,  während  meine  materiellen  und  körperlichen  Verhältnisse, ­
  in  denen  ich  leben  mußte,  elende  waren.  Ich  war  immer,
nicht  zu  vergessen,  Ausschußware,  Krüppel,  ausgeschlossen  von
den  außergeistigen  Lebensgenüssen.  Und  diese  waren,  da  ihnen
immerhin  elementare  Grundlagen  fehlten,  mehr  Raub  als  dau ­
            
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