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II. Der Markt von Lübeck
sind seitdem hier und da in freiwerdenden Marktbuden anzutreffen. Von den
Schachtschneidern, deren Hauptmarktartikel Holzschüsseln waren, setzt
sich einer in 1232 A fest; neben ihm 2 berufsverwandte Drechsler. In
dem Aufkommen des Namens Schüsselbuden hat dieser kleine Zug aus
einer allgemeinen Bewegung seinen bleibenden Niederschlag gefunden.
Etwas später, in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, haben die Grapen-
gießer und die ihnen berufsverwandten Kannengießer das Abwandern der
Kleinschmiede aus den Buden des Blocks XXI benutzt, um sich in.ihnen
niederzulassen; noch 1352 umschreibt ihre Rolle ihren Verkaufsplatz auf
dem Markte?®?) genauer mit den Worten: „by der wage unde anders nergene‘‘.
Die Wage lag aber unmittelbar vor dem Block XXI. 1371 begegnet zum
erstenmal für die Bude 267 B als Lagebezeichnung „inter ollarum bodas‘‘;
1374 wird 268 B als „boda ollarum‘ bezeichnet und 1414 begegnet „inter
oallarum bodas‘“ auch bei 264 B, die 1363 ein kannengeter erworben hatte.
Es handelt sich also um eine ganz allgemeine Bewegung, wenn die an-
sässigen Handwerker, soweit sie früher einmal auf offenem Markte ihre
Erzeugnisse feilboten, den Markt verlassen und in die festen Marktbuden
eindringen. Zunächst ist eins ganz offensichtlich: daß es sich hier um eine
ganz dem freien Ermessen der einzelnen Handwerker selbst und ihren eigenen
wirtschaftlichen Erwägungen überlassene Bewegung handelt. Sodann geht
dieser Vorgang unmerklich über in das Abwandern vom Markt schlechthin:
denn einmal ist es — vielleicht mit Ausnahme der Riemenschneider — nur
einer kleinen Zahl von Vertretern der anderen, ehemals auf freiem Markte
vertretenen Handwerker geglückt, in die festen Marktbuden hineinzuge-
langen; die übrigen Berufsgenossen werden in die Straßen der Stadt sich
verzogen und Arbeits-, Wohn- und Verkaufsstätte dort miteinander. ver-
einigt haben. Sodann aber wurden eben die festen Marktbuden durch Um-
batı zu Wohn- und Geschäftsräumen so sehr ihrer alten Eigenart entkleidet,
daß etwa Schüsselbuden und Düsterer Krambuden eigentlich nur noch
Straßen waren wie andere auch, enger, aber ohne prinzipiellen .Gegensatz
mehr zu den eigentlichen Straßen. Der offene Marktplatz selbst aber sank
immer mehr auf die Stufe eines Spezialmarktes für Lebensmittel herunter!**),
Den Wünschen der Handwerker und Händler ist also im allgemeinen doch
ein größerer Spielraum gelassen, als es zunächst den Anschein:hat; jedenfalls
bereits für die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts, wenn auch eine zwingende
Entscheidung für die Zeit der Errichtung des Markts nicht gefällt werden
kann. Das eigene Interesse führt sie auf den Markt, die Gewohnheit des Zu-
sammenseins mit den Berufsgenossen zu gemeinsamen Verkaufsständen.Die-
selbe Freiheit gab ihnen aber auch die Möglichkeit, sich eines
Tagesvom Marktezurückzuziehen, Nur als Ausnahme hat es zu gelten,
wenn damals noch für Fleischer und Bäcker Marktzwang bestand. Was sonst
noch in Lübeck an strengem Marktzwang festzustellen ist, ist jüngeren