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Städten, sondern auch in relativer Verminderung der länd
lichen Bevölkerung.
Die Verteilung der Produktivkräfte war keineswegs ein Re
sultat des technischen Fortschritts in der Landwirtschaft. Selbst
verständlich konnte dieser Austausch von landwirtschaftlichen
und Gewerbeerzeugnissen nur auf einer gewissen Stufe der tech
nischen und wirtschaftlichen Entwicklung stattfinden, wo die
ländliche Wirtschaft mehr zu produzieren begann, als sie zur
Unterhaltung der Familienmitglieder brauchte. Aber die Zu
nahme der nichtländlichen Bevölkerung, die Entstehung der
Städte, war eine Folge der Steigerung der Produktivkräfte dank
der Verdichtung der Bevölkerung. Die Zunahme der Bevölke
rungsdichte ermöglichte den Grundbesitzern, einen Teil der Pro
dukte den Bauern abzunehmen. Die Bauern waren somit ge
zwungen, mehr zu produzieren, als sie zum eigenen Unterhalt
haben mußten. Die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeug
nissen wurde gesteigert nicht infolge des technischen Fortschrittes,
sondern infolge erhöhter Arbeitsauf wände der ländlichen Bevöl
kerung. So produzierten die freien Bauern der Grenzgebiete
Russlands nur soviel, wie sie für den eigenen Unterhalt notwendig
brauchten, während die Leibeignen des Zentralrayons drei Tage
in der Woche für den Herrn arbeiten mußten und folglich auch
für sich bloß drei Tage arbeiten konnten. Der freie Bauer strengte
sich somit nicht so an, arbeitete nicht so lange, während der Leib
eigne mehr produzieren mußte, obgleich die landwirtschaftliche
Technik bei beiden gleich war. Folglich ist die Verteilung der
Produktivkräfte zwischen Industrie und Landwirtschaft nicht in
folge der Entwicklung der Technik, sondern der der Produktiv
kräfte vor sich gegangen, die durch die Verdichtung der Be
völkerung hervorgerufen wurde.
Als Resultat der schon entstandenen Gewerbe erschien der
technische Fortschritt, weil die Spezialisierung der Arbeit der
Handwerker zur Vervollkommnung der Arbeitsmethoden, der
Produktionsmittel, sowie zur weiteren Arbeitsteilung führte, die
schließlich auf die Stufe gelangen konnte, wie in der Manufaktur,
wo die Erfindung von Maschinen möglich wurde. Die Bildung