Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

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fest, daß der Mensch in den letzten Perioden der Steinzeit viel 
Arbeit, nicht bloß auf unmittelbare Nahrungsgewinnung, sondern 
auch auf die Produktion von Werkzeugen und Gewerbegegenstän 
den verwendete. Dennoch wurde die Arbeitsorganisation 
ausschließlich durch die Art der Nahrungsgewinnung bestimmt. 
Auch der weitere technische Fortschritt, der Übergang zu 
Bronze- und Eisenstoffen, bringt keine Änderung im Wirtschafts 
system. Erst mit der Zunahme der Bevölkerung steigt die Be 
deutung der Viehzucht oder des Ackerbaues, findet eine Änderung 
der Arbeitsform statt. Die Viehzuchtwirtschaft unterscheidet sich 
schon sehr bedeutend von der Jagdwirtschaft, während die Jagd 
wirtschaft der Steinzeit und die der Bronzezeit, ja sogar die mit 
Feuerwaffen, nach ihrer Arbeitsorganisation und Verteilung der 
Produktivkräfte einen und denselben Typus darstellen. 
II. 
Wollen wir die Wirtschaft eines Jägers oder Fischers, ganz 
gleich ob es sich um die eines ürJägers mit primitiven Werk 
zeugen oder um die eines modernen Jägers mit vervollkommneten 
Waffen handelt, mit der Wirtschaft eines Hirten der Steppen 
gebiete (eines Kirgisen oder Yankes des fernen Westens) ver 
gleichen, so werden wir einen bedeutenden Unterschied finden. 
— Die wirtschaftlichen Aufwände des Jägers oder 
Fischers bestehen bloß in der Herstellung von Werkzeugen, die 
die Jagd oder Fischerei erfordert. Alles übrige wird sofort ver 
braucht.*) Der Arbeitsaufwand, der zur Herstellung von Werk 
zeugen notwendig ist, bleibt ganz unbedeutend im Vergleich mit 
dem, den die Gewinnung von Nahrungsmitteln fordert. In einer 
Viehzuchtwirtschaft findet schon eine andere Verteilung der Pro 
duktivkräfte statt: ein bedeutender Teil der Arbeit wird nunmehr 
*) In der wilden Jagdwirtschaft „schafft und besitzt man nicht 
mehr als das Unentbehrliche; alles andere würde für diese ruhelosen 
Wanderer ja auch nur eine Last sein. Ein jeder von ihnen kann mit 
jenem alten Philosophen sagen: ,Omnia mea mecum porto'; und er 
trägt wahrlich nicht schwer daran.“ (E. Grosse, Die Formen der Familie 
und die Formen der Wirtschaft, Freiburg und Leipzig 1896, S. 38.) 
Mas slow, Die Theorie d. Volkswirtsch. 5
	        
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