Full text: Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

Abschn. 59. Staatsnotariat, Privatnotariat, Banknotariat. 
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Gaue (vgl. S. 275), und seine Beurkundungen gelten nicht bloß für 
den Geschäftsbereich der städtischen Verwaltung, sondern haben 
eine unbeschränkte, staatsseitig anerkannte Geltung. Die Amtsbezirke 
der ptolemäischen dTopavogoi kennen wir nur aus der Thebais; dort 
ist bald der ganze Gau \ bald nur eine Toparchie^ ihr Amtsbezirk. 
Von Hause aus war es Aufgabe der dTopavopoi, das Markt- 
wesen3 zu überwachen, d. h, den Handverkauf polizeilich zu beauf 
sichtigen^, die Verkaufsstände des Marktes zu verpachten» und 
auf Wunsch über die auf dem Markte® vor sich gegangenen Ver 
käufe Schriftsätze für die Partner anzufertigen. In dieser letzteren 
Tätigkeit liegt der Ursprung des Notariates. 
Die früheste Erwähnung des dyopavopog (àTopavopeîov) ge 
schieht in P. Hib. I 29 (um 265 v. Chr.), demnächst in P. Magdol. 31 
(218 V. Chr.). In römischer Zeit wirken im dTopavojueiov gleich 
zeitig mehrere dyopavopoi, deren Zahl schwankt. So sind für 
Oxyrhynchos bald 2, bald 3, bald 5 dyopavópoi als KoUegial- 
behörde bezeugt (P. Oxy. I 99, 2; II 375; I 73, 6). 
Neben dem dyopavópoç erscheint als staatlich anerkannter 
Notar noch der pvppwvl Der pvnpiuv wirkt als solcher zweifellos 
schon in ptolemäischer Zeit, denn in P. Teb. I 166 (zwischen 107 
und 101 V. Chr.) wird ein dpxpov tujv pvnpoviuv, mithin ein Amts 
büro der pvppoveç, erwähnt. In zwei Papyrusstellen aus römischer 
Zeit wird der dïopavôpoç ausdrücklich zugleich als pviipiov be 
zeichnet, nämlich in BGU. 177, 6 (um 45 n. Chr.) : tOüi dycpavopuji, 
övTi òè Kttl pviipovi, sowie in P. Oxy. III 483, 19 (108 n. Chr.) : 
TOÏÇ xfiç priTpOTTÓXeujç dTopavópo[iç, oöai òè] Kai pvnpoffi. Der 
pvnpiuv wird ein aus älterer Zeit herrührender Privatnotar sein, 
‘ P. Par. 7, 2 (101 v. Chr.) ; P. Amh. II 45, 8 (Euergetes II.). 
* P. Grenf. II 23 a (107 v. Chr.) ; II 24, 3 (105 v. Chr.) usw. 
® Wilcken, Ostraka I S. 131; Goodspeed, Ostrakon Nr. 6 in Americ> 
Journ. of Phil. XXV S. 51. 
* Vielleicht hängt es hiermit zusammen, wenn ein Erlaß in P. Hib. I 
29 (um 265 v. Chr.) anordnet, daß der Steuerpächter, der die Sklavensteuer 
gepachtet hat, ein Verzeichnis der Sklaven aufstellen und täglich berichtigt 
vor dem dyopavopemv öffentlich aushängen soll, damit jedermann prüfen 
könne, ob die Angaben richtig sind. 
® P. Stud. Pal. V Nr. 102 (um 266 n. Chr.). 
® Daher die Wendung èv dyvii^ (P. Oxy. I 73; 99; 105 usw.). Wenger, 
Stellvertretung S. 239, erklärt das '¿v dyuiqi' unrichtig durch „ohne behörd 
liche Mitwirkung“. Vgl. Grenfell und Hunt, P. Oxy. I 73, 22 Anm. 
^ Literatur: Mitteis, Reichsrecht S. 171 ff.; Archiv I S. 190f.; Naber, 
Archiv II S. 32; Eger, Zum ägypt. Grundbuchwesen S. 113f. 
Preisigke, Girowesen im griech. Ägypten. 
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