Full text : Logik des Geldes

§  2.  Die  beiden  in  der  Literatur  herrschend.  Grundauffass.  d.  Papiergeldes.  Q]
damit  noch  keineswegs  gelöst,  welcher  von  beiden  Auffassungen ­
  die  Zukunft  gehören  wird.  Setzt  der  Tatbestand,
den  der  Nominalismus  postuliert,  eine  gewisse  Höhe  der
Kulturentwicklung  voraus,  so  ist  noch  keineswegs  erwiesen,
daß  er  das  wirkliche  Ziel  bestimmt,  dem  die  geschichtliche
Entwicklung  zustrebt.  —
Es  ist  ferner  eine  alte,  aber  halb  vergessene  Wahrheit,
daß  das  Papiergeld  seinem  Wesen  nach  Landesgeld,  das
Metallgeld  aber  Weltgeld  oder  doch  international  verwendbar ­
  ist.  Daher  wird  der  Nominalismus  seine  Berechtigung
behalten  innerhalb  der  Staatsgrenzen  und  solange  der  konkrete ­
  Staat  besteht  —  und  das  kann  sehr  lange  sein  —,
aber  unter  der  Herrschaft  des  internationalen  Verkehrs  und
im  Laufe  der  Geschichte  von  Jahrhunderten  wird  doch  der
Kern  des  Metallismus  immer  wieder  zum  Vorschein  kommen. ­
  Der  Nominalismus  mag  am  meisten  einer  wahrhaft
patriotischen,  im  idealen  Sinne  soziologischen,  organischen
Staatsauffassung  entsprechen;  der  Metallismus  dagegen  der
individualistischen,  atomistischen.  Das  darf  uns  aber  nicht
darüber  hinwegtäuschen,  daß  beim  Nominalismus  oftmals
mehr  der  Wunsch  der  Vater  des  Gedankens  ist,  während
der  Metallismus  der  rauhen  und  nüchternen  Wirklichkeit
gerecht  wird.  —
Es  wird  nun  die  Aufgabe  unserer  Geldtheorie  sein,  bei
Bestimmung  des  Verhältnisses  beider  Grundauffassungen
zueinander  zu  zeigen,  daß  die  rational  erfaßbare  Differenz ­
  zwischen  ihnen  keineswegs  so  groß  ist,  wie  es  auf
den  ersten  Blick  scheint  und  wie  man  allgemein  annimmt.
In  jeder  der  beiden  Auffassungen  ist  viel  Gefühlsmäßiges
•enthalten,  und  wir  werden  hier  an  das  erinnert,  was  bei
Betrachtung  des  modernen  Methodenstreites  in  der  Volkswirtschaftslehre ­
  immer  wieder  zur  Geltung  kommt:  Daß
überall  ein  gefühlsmäßiger,  subjektiver  Rest  zurückbleibt,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.