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Wohnung noch: mit Nahrung versehen werden ohne einige vorher-
gegangene Arbeit. Und deshalb muß wenigstens ein Teil der Ge-
sellschaft unermüdet arbeiten. ... Andere, die nicht „säen und
nicht spinnen“, haben dennoch die Produkte des Fleißes zu ihrer
Verfügung. Diese Befreiung von der Arbeit verdanken sie aber
nur der Zivilisation und Ordnung; sie sind reine Geschöpfe der
bürgerlichen Einrichtungen.’* Denn diese haben es anerkannt; daß
man die Früchte der Arbeit auch anders als durch Arbeit sich an-
eignen kann. Die Leute von unabhängigem Vermögen verdanken
iar Vermögen fast ganz der Arbeit anderer, nicht ihrer eigene
Fähigkeit, die durchaus nicht besser ist als die der andern; es is!
nicht, der Besitz von Land und Geld, sondern das Kommando über
Arbeit („the command of labour“), das die Reichen von dem arbeiten-
den Teil des Gemeinwesens unterscheidet. .... Dieser [von Eden
zutgeheißene] Plan würde den Besitzenden genügend viel, aber
keineswegs zuviel Einfluß und Macht über jene verleihen . . . die
für sie arbeiten, und er würde solche Arbeiter nicht in eine elend®
oder knechtische Lage versetzen, sondern in einen Zustand behag-
licher und loser Abhängigkeit. ... Ein solches Abhängigkeits-
verhältnis ist, wie jeder Kenner der menschlichen Natur und ihrer
Geschichte weiß, notwendig für das Wohlbefinden der Arbeiter
selbst.“® Sir F. M. Eden, beiläufig bemerkt, ist der einzige Schüle!
Adam Smiths, der während des 18. Jahrhunderts etwas Bedeutende®
geleistet hat.7*
7% Eden hätte fragen sollen, wessen Geschöpfe sind denn „die bürger
lichen Einrichtungen“? Vom Standpunkt der juristischen Illusion betrachte!
er nicht das Gesetz als Produkt der materiellen Produktionsverhältniss®:
sondern umgekehrt die Produktionsverhältnisse als Produkt des Geseize®
Linguet warf Montesquieus auf Hirngespinsten aufgebauten „Esprit des
Lois“ [Geist der Gesetze] mit dem einen Wort über den Haufen: „Der Geis!
äder Gesetze ist das Eigentum.“ .
15 Eden: „The State of the Poor, or an History of the Labouring Classe®
in England“, vol. I, b. 1, ch. 1, p. 1, 2, XX. ö
76 Sollte der Leser an Malthus erinnern, dessen „Essay on Population
1798 erschien, so erinnere ich, daß diese Schrift in ihrer ersten Form nichts
ist als ein schülerhaft oberflächliches und pfäffisch vordeklamiertes Plagiah
[Diebstahl] aus De Foe, Sir James Steuart, Townsend, Franklin, Wallace usw
und nicht einen einzigen selbstgedachten Satz enthält. Das große Aufsehbe®
das diese Schrift erregte, entsprang lediglich Parteiinteressen. Die fra”
zösische Revolution hatte im britischen Königreich leidenschaftliche ven
teidiger gefunden; das „Bevölkerungsprinzip“, langsam im 18. Jahrhund®
herausgearbeitet, dann mitten in einer großen sozialen Krisis mit Pauk®
und Trompeten verkündet als das unfehlbare Gegengift gegen die Lehre
von Condorcet und andern, wurde jubelnd begrüßt von der englisch rt
Oligarchie als der große Austilger aller Gelüste nach menschlicher F°
entwicklung. Malthus, über seinen Erfolg hocherstaunt, gab sich danz darö
oberflächlich zusammengetragenes Material in den alten Rahmen zu stopf®®
und neues, aber nicht von Malthus entdecktes, sondern nur angeeignetes, b-
zufügen. — Nebenbei bemerkt. Obgleich Malthus Pfaffe der englischen Hoc