Full text : Wohlfahrtzentrale der Stadt Barmen

Selbftverftändlich  liegt  es  der  Wohlfahrtzentrale  fern,  den  Barmer  Schuhmachern
  das  Brot  wegzunehmen,  weshalb  die  Benutzung  der  Flickfdiufterei
lediglich  folchen  Volksfchulkindern  Vorbehalten  i|t,  welche  über  ihre  Bedürftigkeit ­
  einen  entfprechenden  Ausweis  ihres  Lehrers  beibringen.
Wie  aber  die  Erfahrung  fchon  in  den  erften  Monaten  gelehrt  hat,  ift
die  Zahl  eine  außerordentlich  große.  Ganze  Regimenter  von  fchwerverwundeten
  Stiefeln  und  Schuhen  füllen  die  Borte  und  zum  Teil  noch  den
Fußboden  der  in  der  Berlinerftraße  10  b  eingerichteten  Annahmeßelle,  um
nach  3  bis  4  Tagen  gefund,  das  heißt,  fein  ausgebeßert  zur  Abholung
wieder  bereit  zu  fein.  Selb|t  Schuhe  mit  großen  Löchern  im  Oberleder
werden  fauber  und  folide  repariert,  fodaß  die  Mütter  ihrer  Lieblinge
Sdiuhe,  welche  vordem  aus  Rand  und  Band  waren,  kaum  wiedererkennen.
Die  Flickfchufterei  bedeutet  für  viele  Einwohner  die  Befreiung  von  erheblichen ­
  Sorgen,  und,  da  das  Schuhzeug  zu  längerem  Gebrauch  erhalten
bleibt,  wird  an  dem  teuren,  fo  fehr  fehlenden  Leder  erheblich  gefpart.
Welch  hohe  Bedeutung  auch  die  Militärverwaltung  der  Einrichtung
beimißt,  beweift  die  auf  Antrag  der  W.-Z.  erfolgte  Ueberweifung  bezw.
Beurlaubung  zahlreicher  Fadiarbeiter,  ohne  deren  Anleitung  und  Mitwirkung
die  oft  recht  fchwierigen  Reparaturen  nicht  möglich  fein  würden.
Bisher  wurden  über  mehr  als  5000  Paar  Schuhe  ausgebeßert.
Die  Annahme  erfolgt  werktäglich  vormittags  von  10  bis  1,  Mittwoch
und  Sonnabend  von  2 l A  bis  4  Uhr.  Die  Ausgabe  dagegen  nachmittags
von  4  bis  6  Uhr.  Jedes  eingelieferte  Paar  Schuhe  wird  mit  einer  Nummer
verfehen  und  entfprechend  gebucht.  Dem  Eigentümer  wird  eine  Befcheinigung
  unter  Angabe  der  vorausßchtlich  für  die  Inftandfehung  benötigten
Zeit  (3  bis  5  Tage)  ausgehändigt.

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