fachlich mit Heimarbeiten befchäftigte, konnten die Frauen ihren mütterlichen
und häuslichen Pflichten nachkommen. Die Sachlage änderte (ich aber mit
der zunehmenden Munitionsarbeit der Frauen. Um das Hindenburg-
programm durchzuführen, war die Notwendigkeit gegeben, alle eben ent
behrlichen Frauenkräfte unmittelbar in den Dien |t des Vaterlandes zu (teilen
und die Tätigkeit des Mannes planmäßig zu erfeßen. Nicht nur in
induftriellen Betrieben, fondern auch im Bahn- und Poftdienft, bei den
Straßenbahnen und der Müllabfuhr, als Straßenkehrerinnen, Erd- und
Streckenarbeiterinnen ufw. mußten die Frauen eintreten. Der hoch fte
Grundfaß aller Kinder fürforge, die Mütter möglich ft zu den Arbeiten heran
zuziehen, die fie nidit von ihren Kindern trennen, mußte durchbrodien
und im Gegenfaß zu fonftiger Gewohnheit, die Arbeitsfähigkeit und Arbeits
willigkeit geftärkt werden, indem man ihren Kindern die beftmögliche Ver-
forgung durch andere gewährlei ftete.
Um eine fo weitgehende Fürforge üben zu können, gründete die
Wohlfahrtzentrale einen
Kinderfürsorge-Ausschuss,
welchem folgender Aufgabenbereich zugewiefen wurde:
I. Die örtlich beftehenden Kinderfürforgevereine, Einrichtungen ufw.
find in organifchen Zufammenhang zu bringen, um
a) unter Vermeidung einer Zerfplitterung der Kräfte und Mittel, alle
Einrichtungen zweckmäßig ausnußen und einheitlidi weiter aus
bauen zu können;
b) jedem Kinde, audi wenn es bei fortfehreitendem Alter die Wohl-
fahrtsftelle wechfelt,die Fürforge zu erhalten, fo lange es ihrer bedarf.
II. Dem jeweiligen Bedürfnis entfprediend, find neue geeignete Räume
bereitzuftellen, Helferinnen zu gewinnen und vorzubilden, nötigen
falls auch für Speifung und Nachtunterkommen von Kindern Vor
kehrungen zu treffen.
III. Die Tätigkeit des Kinderfürforge-Ausfchuffes er ft reckt (ich auf alle
der Lebenserhaltung und der Lebensförderung der Kinder dienenden
Einrichtungen und umfchließt die Kinder vom Säuglingsalter bis
zur Schulentlaffung.
Um alle Fäden einer o.rganifch durdigebildeten Fürforge in einem
Mittelpunkte zu vereinigen und mit allen zuftändigen Anftalten, Vereinen
und Behörden einerfeits und der Bevölkerung andererfeits ftändige Fühlung
zu gewinnen, wurde von dem Ausfchuß am 1. Dezember 1916 im alten
Rathaufe, Wertherftr. 9, unter Leitung einer fozial gefchulten Beamtin eine
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