Full text: Wohlfahrtzentrale der Stadt Barmen

Ein der Abfallfammlung verwandtes Unternehmen lft die 
Sammlung von ßrennesse/n, Obstkernen und Wildfrüchten, 
handelt es fleh doch auch hier um fyftematifche Erfafjung von Werten, die 
in Friedenszeiten gering geachtet wurden, welche aber jet^t hödffte Be 
deutung erlangt haben. Auch hier haben (ich, nachdem im Jahre 1915 die 
Sammlung von einzelnen Städten und Verbänden in die Wege geleitet 
und Verwertungsmöglichkeiten gejucht waren, mit Monopolrecht ausge- 
ftattete KriegsausfchülJe ') gebildet, die jefft über die Verwertung des 
Sammelgutes beftimmen, bezw. die Firmen nachweifen, welchen das Sammel 
gut zu liefern lft. 
Es handelt (ich in er|ter Linie um die Gewinnung von Oel aus Stein- 
obftkernen aller Art, ferner aus Oelfrüchten, wie Bucheckern, Lindenfrüchten, 
Sonnenblumenkernen, endlich um die Verarbeitung von Eidieln und Ro[?- 
kaftanien zu Viehfutter; Hagebutten werden teils frifch zu wohljchmecken- 
dem Mus verarbeitet, teils getrocknet als Tee verwandt. Mit den Fafern 
der Brenneffel wurden, indem man auf die Tradition des Märchens zurück 
griff, Verfuche zur Herftellung von Spinn- und Webmaterial angeftellt, die 
zu befriedigenden Ergebniffen und ziemlich umfangreicher Verwertung 
führten; fchliejffich kam noch getrockneter Kajfeegrund hinzu, der teils als 
Düngemittel dient, teils zu Viehfutter verarbeitet wird. Letzteres gilt be- 
fonders für die Rückftände von Gerftenkaffee, deren Nährgehalt beim Auf 
guß von Kaffee nur zum dritten Teil verwertet werden Joll. 
Mit einem KoftenvorfdiuJ? der Wohlfahrtzentrale wurde 1915 die 
Sammelftelle des Nationalen Frauendienftes erft fpät — am 8. Oktober - 
eingerichtet, weil Zweifel gehegt waren, ob der Wert der Sammlung der 
aufgewandten Mühe und den Koften entfprechen würde. Das Ergebnis 
war jedoch über Erwarten gut. Es gingen ein: 5500 kg Eicheln, 800 kg 
Kaftanien, 100 kg Hagebutten, 30 kg Bucheckern, 45 kg Pflaumenfteine, 325 
kg Brennneffeln, geringe Mengen Sonnenblumenkerne. 
Im Jahre 1916 wandte die Regierung rechtzeitig ihr Intere|fe den 
Sammlungen zu. Es erging an die Städte die Aufforderung, Sammlungen 
zu veranlagen und VertrauensperJonen zu beftimmen. So wurde durch 
den Herrn Ober bür germeifter die Sammlung nunmehr offiziell dem zu dem 
Zweck mit Mitteln der Wohlfahrtzentrale ausgerüfteten Nationalen Frauen- 
dienfte übertragen und als Vertreter der Stadt Herr Dr. Lipp, als Sachver- 
ftändiger Herr Röpling, hinzugezogen. 
') Kriegsaustchufj für Fette und Oele, Nerfelfarer-Verwertungsgerellfchart, Bezugsvereinigung 
der Landwirte
	        
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