Full text : Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes

24

fest  die  Hand  zum  gemeinsamen  Kampf  um
ihre  selbständige  Existenz  gegen  Machtausbeutung ­
  des  Ueberkapitalismus.
Wenn  heute  aber  der  christliche  Mittelstand
deutlich  erkennt,  dass  die  kapitalistische  Konzentrationsbewegung ­
  gar  nicht  eine  Auswirkung
jüdischer  Intelligenz  ist,  sondern  die  überwiegende
Mehrheit  jüdischer  Kaufleute  sich  treu  in  Reih
und  Glied  stellt,  um  für  die  Erhaltung  der  wirtschaftlichen ­
  Selbständigkeit  mit  ganzer  Kraft
zu  kämpfen,  dann  wird  sich  der  Boden
des  Antisemitismus  naturgemüss  von  selbst
auflösen.
Die  entschiedene  Kampfstellung  des  jüdischen
Mittelstandes,  die  Entwicklung  der  notwendigen
Energie  fehlt.  Wenn  das  Judentum  den  Antisemitismus ­
  ehrlich  beklagt,  in  ihm  eine  ungerechtfertigte ­
  Erscheinung  erblickt,  dann  hat  es

doch  unbedingt  die  Pflicht,  die  Ursachen  zu
suchen,  und  sich  in  den  Dienst  einer  kraftvollen,
mit  Intelligenz  geleiteten  Bewegung  zu  stellen
neben,  und  mit  dem  christlichen  Kaufmann  und
Handwerker  die  Pflicht,  gegen  die  Ueberspannung
des  Kapitalismus  den  Kampf  aufzunehmen.  Man
fürchtet  sich  aber  fast  vor  einer  grundsätzlichen
Prüfung  des  Problems.  Solange  der  nackte  Gelderwerb ­
  im  Vordergrund  steht,  fliegen  Ehrlichkeit
und  sittliche  Treue  über  Bord,  und  ist  für  einen
Idealismus,  der  die  Wahrheit  und  wirkliches
Menschentum,  Ehrlichkeit  und  Nächstenliebe
sucht,  kein  Raum  da.  Eine  Untersuchung  des
Mittelstandsproblems,  die  sich  scheut,  auf  die
Erscheinung  der  konfessionellen  Zerrissenheit,
auf  das  Problem  des  Antisemitismus  einzugehen,
ist  jedenfalls  schon  wegen  dieser  Unterlassung
anfechtbar.

Das  Mittelstandsproblem

A uf  wirtschaftspolitischem  Gebiet  bildet  die  sogenannte ­
  «Mittelstandspolitik"  das  traurigste
Kapitel.  Die  Ursachen  liegen  in  der  mangelnden ­
  Gründlichkeit,  die  Lebensfaktoren  des
Mittelstandes  zu  erkennen,  wie  sie  innerhalb  der
grosskapitalistischen  und  staatssozialistischen  Entwickelung ­
  der  Gegenwart  bestehen,  auch  in  dem
Mangel  an  gutem  Willen,  ln  der  Mittelstandspolitik ­
  spielen  heute  noch  die  gleichen  Fragen
die  ausschlaggebende  Rolle,  die  man  herausgegriffen ­
  hat,  seitdem  die  Mittelstandsfrage  überhaupt ­
  ein  wirtschaftspolitisches  Problem  geworden ­
  ist.  Alle  diese  Fragen  und  Aufgaben,
Submissionen,  Borgunwesen,  Buchführung,
Handwerkskammer  usw.  treffen  aber  im  wesentlichen ­
  nur  Teilaufgaben  und  lassen  die  Quellen
unberührt,  aus  denen  die  den  Mittelstand  zerstörenden ­
  Kräfte  fliessen.
Das  Miltelstandsproblem  wird  von  zwei  Haupttragsäulen ­
  getragen,  einer  ehtischen  und  einer
finanziellen.  Alle  anderen  Fragen  und  Auf-’
gaben,  die  man  bis  jetzt  behandelt,  sind  nur
Untermauerungen  dieser  Hauptstützen  des
Problems.  Die  ethische  Säule  zeigt  den  psychologischen ­
  Druck,  der  zum  Qelderwerbswahnsinn
  führt  und  ausläuft  in  den  geltenden
Prinzipien  der  Auszeichnungen  der  Träger  des
Kapitalismus  und  Ueberkapitalismus  durch
Titel  und  Orden.  Die  finanzielle  Säule  ist  das
Problem  der  Kapitalskonzentration  in  den  Banken,
vor  allem  das  Depositensystem  und  die  Entziehung ­
  der  Geldmittel  des  Mittelstandes  für
Mittelstandszwecke  und  ihre  Zuführung  zur

Speisung  der  Qrossbetriebe,  d.  h.  von  Konkurrenten ­
  und  Vernichtern  des  wirtschaftlich
selbständigen  Mittelstandes.
Beide  Probleme,  beide  Säulen  finden  sich  in
den  Programmen  der  Mittelstandpolitik  nicht.
Der  Standpunkt  der  kapitalistischen  Kreise  ist
heute  vorwiegend  folgender:  Der  Mittelstand  ist
dem  Untergang  unabwendbar  geweiht.  Er  ist
nicht  mehr  zeitgemäss.  Technische  und  wirtschaftliche ­
  Gründe  bedingen  den  Grossbetrieb.
Auf  der  anderen  Seite  haben  die  dem  Staatssozialismus ­
  zustrebenden  Kräfte,  das  organisierte
Proletariat,  an  der  Mittelstandserhaltung  gar  kein
Interesse.  Sie  haben  das  grösste  Interesse  an  der
grosskapitalistischen  Entwicklung,  an  der
ständigen  und  beschleunigt  fortschreitenden
Aufsaugung,  an  der  ungesunden  Ueberspannung ­
  des  kapitalistischen  Prinzips,  da  dieser
rapid  die  Grossbetriebe  vermehrt  und  die  vorhandenen ­
  Qrossbetriebe  in  Riesenbetriebe  überführt. ­
  Diese  sind  aber  unerlässlich,  um  den
sozialistischen  Schritt  zu  tun,  die  Riesenbetriebe
in  Staatsbetriebe  überführen  zu  können  durch
einen  einfachen  Verwaltungsakt.
Die  ethische  Säule  umfasst  das  Problem  der
Persönlichkeit,  das  Problem  der  Auswirkung ­
  der  wertvollsten  persönlichen  Eigenschaften ­
  und  Kräfte  in  der  wirtschaftlichen
Selbständigkeit.
An  Stelle  des  wirtschaftlich  selbständigen
Mittelstandes  ist  bereits  teilweise  ein  neuer
Mittelstand  der  Privatangestellten  getreten  in
Bezug  auf  die  Einkommenverhältnisse.  An
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.