Full text : Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes

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steigen  will,  der  sollte  zeigen  müssen,  dass  eiserne ­
  Intelligenz  und  seine  Arbeit  in  den  Dienst
der  Allgemeinheit  gestellt  hat.  Was  könnte  den
Menschen  wohl  der  skrupellose  und  rücksichtslose ­
  Gelderwerb  nützen,  wenn  sie  dadurch  die
Anerkennung  und  Wertschätzung  ihrer  Mitmenschen ­
  verlieren  würden.  Heute  ist  das
nicht  der  Fall,  und  dass  dem  so  ist,  ist  in  erster
Linie  Schuld  des  Staates  und  der  Regierung  selbst,
die  jene  auszeichnet,  die  in  der  Lage  sind,
den  mit  Gold  gefüllten  Beutel  auf  den  Regierungstisch ­
  zur  Verfügung  der  Regierenden
stellen  zu  können.
Auf  den  ersten  Blick  erweckt  sicher  eine  solche
idealistische  Auffassung,  ein  solcher  Glauben  an
dieUeberwindung  des  menschlichen  Gelderwerbswütens
  die  grössten  Zweifel;  auch  ist  es  durchaus
verständlich  und  natürlich,  wenn  man  einer
solchen  optimistischen  Auffassung  mit  einem
Lächeln  und  mit  Ungläubigkeit  gegenübertritt.
Aber  das  Gemeinschaftsleben,  auf  das  die  Menschen ­
  doch  einmal  angewiesen  sind,  kommt  uns
hier  zu  Hilfe.  Eitelkeit  und  Ehrgeiz  laufen  darauf ­
  hinaus,  die  Anerkennung  der  Mitmenschen
und  der  Gesellschaft,  sowie  Belohnungen  seitens
der  Regierung  zu  finden.  Wenn  diese  nun
aber  versagt  würden!  Wir  wissen,  dass  es
selbst  Millionäre  gibt,  die  wegen  dieser  oder  jener
Verfehlungen  ihrem  Vaterland  den  Rücken  haben
kehren  müssen,  weil  man  ihnen  die  gesellschaftliche ­
  Anerkennung  versagte.  Gewiss, ­
  wer  Geld  hat,  und  wenn  er  ein  Wucherer
ist,  wird  immer  Gesellschaft  finden,  weil  sie  von
ihmVorteile  haben  kann.  Geldbedürftige  Freunde
gibt  es  genug,  und  umfassende  gesellschaftliche,
ethische  Organisationen  fehlen.
Die  Anklage,  die  zu  stellen  ist,  richtet  sich  also
gegen  die  Auffassung  des  Staates,  die  er  in  der
Auszeichnung  der  einzelnen  Staatsbürger  bislang
zur  Geltung  bringt.  Würden  wir  einen  Mangel
an  Intelligenzen  zu  verzeichnen  haben,  so  wäre
allerdings  wenig  Hoffnung  vorhanden,  mit  diesem
überaus  schwierigen  Problem  fertig  zu  werden.
Das  ist  ja  aber  nicht  der  Fall,  wir  haben  heute
Männer  in  den  Führern  unseres  Wirtschaftslebens,
die  gewöhnt  sind,  die  schwierigsten  Probleme
des  praktischen  Erwerbslebens  zu  bewältigen.
Nur  geschieht  das  bislang  vorwiegend  und  fast
ausschliesslich  in  persönlichen  und  egoistischen ­
  Interessen,  da  der  ethische  und
moralische  Zwang  fehlt,  sich  in  den  Dienst  der  Allgemeinheit ­
  stellen  zu  müssen,  und  die  einzelnen
Handlungen  wirtschaftlicher  Natur  unter  den
Gesichtspunkten  anzugreifen  und  zu  behandeln,
welchen  Nutzen  oder  Schaden  sie  für  die  Gesamtheit, ­
  sie  für  die  eigene  Nation  haben  können.
Und  diese  Erscheinung  des  Höhersteilens  des
eigenen  Ichs  über  die  grossen  nationalen  Interessen, ­
  deren  Bedeutung  in  dem  Grade  steigt  als
die  Persönlichkeiten  in  ihrem  Einfluss  und  ihrer
Macht  sich  von  Stufe  zu  Stufe  höher  rangieren,

bildet  ja  auf  wirtschaftlichem  und  politischem
Gebiet  eine  ständige  Klage.  Aber  was  geschieht, ­
  um  dem  abzuhelfen,  welche  Massnahmen
trifft  die  Regierung,  um  hier  Wandel  zu  schaffen?
Nicht  das  Allergeringste  ist  erkennbar,  im  Gegenteil, ­
  man  belohnt  und  fördert  diejenigen,  die  nur
ihren  eigenen  egoistischen  Zielen  zustreben.
Stelle  die  Regierung  jenen  führenden  Bankmännern, ­
  Finanz-  und  Organisationstalenten  für
Mittelstandsleistungen  Auszeichnungen  und
Denkmäler  in  Aussicht,  sie  werden  kommen!
Ein  Dernburg  hat  seinen  Posten  als  Bankleiter
aufgegeben,  um  sich  in  den  Dienst  des  nationalen
Kolonialwerkes  zu  stellen.  Es  werden  genügend
andere  kommen,  um  in  den  Dienst  des  Mittelstandes ­
  zu  treten,  wenn  sie  nationale  Ehrungen
dafür  erhalten  können.
Sicher  würden  die  sozialistischen  Konsumvereine ­
  eine  ganz  andere  Bedeutung  noch  erlangt
haben,  wenn  an  Stelle  einfacher  Arbeiter,  talentierte ­
  und  erfahrene  Grosskauf  leute  in  den  Führerstellen ­
  sich  befänden.  Warum  aber  fehlen
sie?  Weil  sie  den  gesellschaftlichen  Boykott  zu
fürchten  hätten  und  Männer,  die  diesen  Boykott
nicht  fürchten,  nicht  da  sind.  Das  zeigt  am
besten  die  ungeheure  Kraft  eines  ethischen
Zwangsmittels!
Aus  diesem  grossen  Problem  ist  eine  erhebliche ­
  Anzahl  von  Einzelaufgaben,  die  ihre
besondere  Behandlung  erwarten,  deutlich  erkennbar. ­
  Und  in  der  vorliegenden  Schrift  sind
einige  dieser  Teilprobleme  untersucht  worden,
die  sich  vor  allem  dem  Aufdrängen,  der  selbst
im  praktischen  Erwerbsleben  steht  und  mit  den
Erscheinungen  sich  abzufinden  und  zu  kämpfen
hat,  die  hier  von  Einfluss  und  von  ausschlaggebender ­
  Bedeutung  sind.  Wenn  wir  aber  das
Ganze  überschauen,  so  zeigt  sich,  dass  vor  uns
ein  Problem  liegt,  an  dem  Millionen,  ja  das
ganze  Volk,  in  allerhöchstem  Masse  interessiert
sind.  Es  handelt  sich  aber  nicht  einmal  um  eine
nationale  Frage,  es  handelt  sich  um  ein  internationales ­
  Problem,  das  für  alle  Völker,  die  sich
auf  der  Kulturstufe  des  modernen  Industriestaates
befinden,  zur  Lösung  drängt.
Und  wenn  wir  die  Tatsache  beobachten,  in  wie
hohem  Masse  das  proletarische  Problem  geeignet
war,  bei  den  Trägern  dieses  Problems  einen
gewaltigen  und  wunderbaren  Idealismus  auszulösen, ­
  der  uns  erst  zur  Erkenntnis  gebracht  hat,
was  eigentlich  das  Erwachen  des  Menschheitsbewusstseins ­
  bedeutet,  so  können  wir  andererseits ­
  feststellen,  dass  der  Boden  wohl  da  ist,
auf  dem  sich  ein  ebenso  bedeutender  Idealismus
entwickeln  kann,  wenn  es  gelänge,  das  bürgerliche ­
  Problem,  dasProblemderErhallungderwirtschaftlichen
  Selbständigkeit,  in  Angriff  zu  nehmen.
In  diesem  Buch  befindet  sich  ein  besonderes
Kapitel:  „Die  Dringlichkeit  sozialer  Aufgaben"
in  dem  gezeigt  wird,  wie  die  Not  es  ist,  die  die
treibende  Kraft  war  und  ist  für  die  proletarische
            
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