Full text : Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes

-  2

und  Macht,  und  mit  verhaltenem  Atem  erwarten  wir  weitere  Nachrichten  von  neuen
Fusionen,  von  grösseren  Gebilden,  von  übertrumpfenden  Schöpfungen.  Und  sehr  viele
kommen  gar  nicht  mehr  zur  Besinnung  auf  sich  selbst.  Die  grossen  Erwerbsmenschen, ­
  die  nur  noch  Erwerb  sind  und  ihren  Menschen  ausgezogen  haben,  haben  ihre
Vergangenheit  verloren.
Diese  Entwicklung,  in  welcher  Technik  und  Grosskapital  gewaltsam  zusammengenietet ­
  werden,  liegt  klar  vor  uns;  wir  sehen  tagtäglich,  wie  ein  Einzelbetrieb  nach  dem
andern  verschwindet,  wir  sehen  betäubt  zu  und  lassen  die  Cyclopen  walten.  Diese  Klugen
aber  rufen  uns  zu,  dreht  euch  nur  um,  ihr  steht  in  der  falschen  Richtung,  schaut
uns  nicht  an  sondern  die  rote  Masse!
Wir  müssen  denen,  die  vom  Staatsbetrieb  allein  Hilfe  doch  erwarten,  beweisen,  dass
es  auch  ohne  ihn  gehen  wird,  und  wir  uns  damit  die  unersetzliche  persönliche  Freiheit ­
  und  Freizügigkeit,  unser  Selbstbestimmungsrecht,  unsere  persönlichen  Lebenswerte,
einzig  und  allein  erhalten  können.  Aber  beweisen  müssen  wir  es,  um  auch  überzeugen ­
  zu  können,  denn  viele  Menschen  haben  den  Glauben  und  das  Vertrauen  auf
diesen  Weg  verloren  und  verlieren  müssen.
Die  Parole  muss  daher  heissen;  Erhaltung  der  wirtschaftlichen  Selbständigkeit
und  damit  der  freien  persönlichen  Entwicklung  und  unserer  persönlichen
Lebenswerte.
Die  Verbindung  von  Bürgertum  und  Proletariat  gegen  den  überspannten  Grosskapitalismus ­
  muss  kommen,  denn  die  proletarische  Bewegung  dürfte  in  Bezug  auf  den
Umfang  an  ihrer  Höhe  angelangt  sein,  während  das  Bürgertum  durch  die  Riesengewalt ­
  der  kapitalistischen  Wirtschaftsbewegung  und  seine  lockenden  Angebote  schon
nahezu  gelähmt  ist  und  nur  noch  die  Rolle  des  passiven  Zuschauers  oder  willigen
Objektes  spielt.
Hier  aber  gibt  es  nur  einen  Ausweg,  eine  Rettung,  und  das  ist  der  gemeinsame
Rampf  mit  zwei  Fahnen,  die  die  Aufschrift  tragen:  Nationaler  Kampf  zur  Erhaltung
der  wirtschaftlichen  Selbständigkeit  und  des  Selbstbestimmungsrechtes  und  nationaler
Kampf  gegen  das  Elend,  für  die  Kinderfürsorge,  gegen  die  Geissein  des  Proletariats,  für
ein  grosses  deutsches  freies  Bürgertum.  Aber  mein  lieber  Leser,  hören'  Sie  heute  vielleicht ­
  etwas  von  einem  solchen  grossen  nationalen  Kampf  um  die  Erhaltung  unserer
Freiheit?  Die  sozialen  Reformen  stehen  im  Ruhepunkt,  die  wirtschaftlich  Selbständigen
werden  überall  aufgesaugt,  der  Orosskapitalismus  ist  an  der  Arbeit  und  bescheert  uns
die  Milliarden  Lasten,  das  Grosskapital  reisst  immer  umfangreicher  Grund  und  Boden
rücksichtslos  zur  Spekulation  an  sich  und  macht  den  Bürger  und  Arbeiter  zu  seinem,
schwersten  Tributzahler.  Und  der  Bürger  hilft  mit.  Er  liefert  den  Grossbanken  durch
die  Depositenkassen  sein  Geld.  Und  diese  machen  es  in  Grossbetrieben  und  Qrundspekulationen
  nutzbar  die  dem  wirtschaftlich  Selbständigen  den  Garaus  machen.  Mit
Blindheit  geschlagen,  hülft  er  selbst  seinen  schlimmsten  Gegnern  am  Graben  seines
eignen  Grabes.  Ist  es  wirklich  zu  begreifen?
Diesem  Wüten  um  Besitz  von  Milliarden,  um  Macht  seitens  jener  Männer,  die
ihre  grossen  Kräfte  unter  einem  psychologischen  Druck  des  unbegrenzten  Gelderwerbs ­
  einseitig  nutzbar  machen  unter  Missachtung  des  unvergleichlichen  Wertes,
den  die  persönliche  Freiheit  für  ihre  Mitmenschen  bedeutet,  muss  Einhalt  getan  werden.
Wenn  diese  Feldmarschälle  auf  den  wirtschaftlichen  Schlachtfeldern  ihre  grossen  Begabungen ­
  und  Kräfte  unter  das  Zeichen  der  Menschheitsideale  stellen  wollten,  wie
einst  die  Ritter  auf  den  Kreuzzügen  unter  das  Kreuz,  wird  es  sicher  gelingen,  Organisationsformen ­
  zu  finden,  die  die  Erhaltung  der  wirtschaftlichen  Selbständigkeit  ermöglichen. ­
  Aber  solange  sich  die  Führer  einzig  von  dem  Satan  Mammon  leiten  lassen,  und
sie  dafür  noch  ausgezeichnet  werden,  sind  sie  Gegner  der  Menschheit,  werden  sie  zu
Feinden  des  Vaterlandes.  Darüber  täuschen  auch  die  glänzenden  technischen  Leistungen
nicht  hinweg,  die  wunderbaren  Riesenbauten  unserer  industriellen  Grossbetriebe,  denn
die  Menschen  in  ihnen  sind  unfrei,  sind  Hörige,  die  sich  nicht  auswirken  können.
Diese  Aufgabe  führt  zu  dem  Problem,  wie  erhalten  wir  die  Fortschrittsarbeit  unter  den
heutigen  Verhältnissen  des  hohen  Standes  der  wissenschaftlichen  Technik  auch  im
industriellen  Mittel-  und  Kleinbetriebe,  ein  Problem,  das  später  eingehend  behandelt ­
  wird.  Und  daran  schliesst  sich  das  weitere  Problem,  wie  erhalten  wir  die  Konkurrenzfähigkeit ­
  unserer  Mittelbetriebe  auf  dem  Weltmarkt.
Die  Führer  unseres  Wirtschaftslebens  lösen  heute  so  grosse  und  komplizierte  Probleme, ­
  dass  mit  Sicherheit  anzunehmen  ist,  dass  es  auch  gelingen  muss,  geeignete
Lösungen  zu  finden,  um  die  Aufsaugung  durch  das  Grosskapital  zum  Stillstand  zu
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.