Full text: Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

mäßig, vorausgesetzt, daß die künstlich herangezogenen Fabriken 
sich halten. 
Man wird mir ferner entgegenhalten, in Bremen sei kein 
»Markt« beispielsweise für »Kolonialwaren«. Das ist in gewissem 
Sinne richtig, denn dieser hat sich nach Hamburg gezogen. Für 
Bremen muß er erst wieder neu geschaffen werden. Das ist 
natürlich mit Schwierigkeiten verknüpft. Aber so ziemlich jeder An 
fang ist schwer. Bei ernsthaften Anstrengungen wird das Ziel erreicht 
werden, ist doch auch Rom nicht in einem Tage erbaut worden. 
Auch einem eventuellen anderen Einwand möchte ich gleich 
hier mit einigen Worten entgegentreten, nämlich der Frage, ob 
denn überhaupt die nötigen großen Kapitalien — denn mit zu 
kleinen Mitteln zu arbeiten wäre eher hinderlich als förderlich — 
zusammengebracht werden können. Das ist eine Sache, die nicht 
das System, sondern mehr die Organisation angeht. Wie bei 
Aktiengesellschaften, wie auch beim Norddeutschen Lloyd, die 
Gelder zum größten Teil nicht aus der eigenen Stadt stammen, 
so braucht für die neuen Gesellschaften nicht Bremen allein finan 
ziell interessiert zu werden. Im Gegenteil wird es nicht selten 
sogar sehr zweckmäßig sein, Binnenländer heranzuziehen. Auf die 
Art, wie, und die Gegend, wo die Kapitalien aufgebracht werden, 
kommt es nicht an. Es genügt, wenn der Sitz in Bremen ist 
und wenn bremische Initiative, Tatkraft und Intelligenz an ihrer 
Spitze stehen. 
Selbstredend darf man auch nicht den Himmel stürmen 
wollen. Die Gesellschaften dürfen erst nach und nach, nach ge 
nauester Prüfung der Verhältnisse, errichtet werden. Dabei wird 
man Organisationsfehler, die im Anfang vielleicht unterlaufen 
werden, bei den später gegründeten Gesellschaften gleich ver 
meiden können. Auch durch gelegentliche Fehlschläge darf man 
.sich nicht abschrecken lassen. Im Vergleich zu der Größe des 
Erfolges, der erreicht werden kann, ist der Einsatz nur gering. 
Andererseits würde weitere Tatenlosigkeit der Anfang vom Ende sein. 
Ich gehe sogar noch weiter! Sollte es wider Erwarten nicht 
gelingen, solche Gesellschaften mit rein privaten Mitteln zu gründen, 
so muß der bremische Staat in irgend einer Form selbst ein- 
springen, sei es durch Kapitaleinschuß, sei es durch Übernahme 
der Bürgschaft für eine mäßige Verzinsung während der Ein 
richtungsjahre — selbstredend nur gegen Erhalt des Aufsichtsrechts. 
Bekanntlich wurde in der Bürgerschaftssitzung vom 30. März 
1910 beschlossen, daß der bremische Staat die selbstschuldnerische
	        
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