Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

HO

aus  Amerika  jährlich  mehr  als  100000  Tonnen  Schweineschmalz!
—  so  läge  für  den  Lloyd  um  so  mehr  Veranlassung  vor,  sich  an
der  mandschurischen  Fleischbearbeitungsindustrie  zu  interessieren.
Von  allem  andern  abgesehen  würde  es  auch  eine  nationale  Tat
sein,  die  Fesseln,  in  die  uns  der  »Fleischtrust«  geworfen  hat,  zu
zerbrechen.
Auch  Fischöl  könnte  in  großen  Mengen  über  Dalny  nach
Deutschland  gebracht  werden.  Anderswo,  in  England  z.  B.,  ist
seine  Verwendung  zu  allen  möglichen  Zwecken  neuerdings  stark
gestiegen.  Auch  in  Deutschland  würde  dies  der  Fall  sein,  wenn
man  das  Öl  erst  kennt  und  es  regelmäßig  beziehen  kann.  Daß
gleichzeitig  auch  die  Fabrikatenausfuhr  nach  dort  gepflegt
werden  müßte,  ist  klar.  Besonders  Maschinen  und  Baumwollwaren
würden  dort  guten  Absatz  finden.  Jedenfalls  liegt  dort  die  Möglichkeit ­
  einer  großartigen  Entfaltung  offen.  Wegen  der  Frachtengleichheit ­
  ist  Bremen  gegen  England  nicht  im  Nachteil.  Die
räumliche  Entfernung  von  Nordamerika  (Seattle)  aus  ist  ungefähr ­
  die  gleiche.  Rußlands  Konkurrenz  ist  wegen  der  teuren
für  dieses  Reich  in  Frage  kommenden  Eisenbahnfrachten  wenig
zu  fürchten.  Japan  hat  mit  Korea  genug  zutun,  seinen  Gelüsten,
Port  Arthur  und  Dalny  an  sich  zu  reißen  und  damit  den  ganzen
Handel  an  seine  Flagge  zu  fesseln,  haben  die  Mächte  einen  wirksamen ­
  Damm  entgegengesetzt.  Dort  ist  »Freiland«.
Südasien.  Eine  hier  arbeitende  Gesellschaft  müßte  die  Ausfuhr ­
  von  Baumwolle  und  Jute  mit  besonderem  Eifer  pflegen,  daneben ­
  die  anderer  Rohprodukte,  wie  Schellack  (hierfür  war  Bremen
früher  der  Hauptmarkt,  jetzt  verschwindet  es  gegen  Hamburg),
Häute  usw.  Bietet  der  Bremer  Händler  in  solchen  Artikeln  —
Schellack,  Kopra  usw.  usw.  —  größere  Auswahl  und  genügende
Effektivvorräte,  dann  wird  der  Absatz  nicht  ausbleiben.  Für  den
Inlandsverbraucher  ist  es  einerlei,  ob  er  von  Hamburg  oder  von
Bremen  kauft.  Hatte  Bremen  früher  einen  großen  Markt  für
solche  Waren,  so  ist  nicht  einzusehen,  warum  es  sich  ihn  nicht
jetzt  sollte  wieder  schaffen  können!  Beim  Jutehandel  könnte
vielleicht  darauf  hingearbeitet  werden,  eine  größere  Juteverarbeitungsindustrie ­
  im  speziellen  Hinterlande  Bremens  (vergl.  S.  63)
anzusiedeln.  —  Die  Hansa  als  in  Bremen  beheimatete  Gesellschaft
hat  an  der  Hebung  des  ostindischen  Warenverkehrs  nach  hier  ein
lebhaftes  Interesse  und  würde  sich  jedenfalls  zur  Beteiligung  und
zu  Zugeständnissen  betreffs  des  Dampferdienstes  bereit  finden  lassen.
Nordamerika.  Eine  aus  dem  Geiste  dieser  Untersuchung
            
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