Demnach müßte eine beispielsweise zur Hebung des Argen
tin ageschäfts gegründete Gesellschaft ihr Hauptaugenmerk auf
die Ausfuhr nach dort richten, was ihr möglich wäre, wenn sie
in den binnenländischen Sammelpunkten der Naturerzeugnisse
geeignete Verbindungen anknüpfte und möglichst mit solchen
Firmen arbeitete, die Ein- und Ausfuhr gleichzeitig pflegen. —
Betreffs Brasiliens ist vielleicht nicht so sehr der Hebung der
Kaffeeinfuhr als dem Handel mit den anderen Kolonialwaren
der verschiedensten Art (Kakaobohnen!), mit Gummi elasticum,
Hölzern usw. und natürlich Tabak Beachtung zu schenken. In
Südbrasilien gewinnt der Getreideanbau erhöhte Bedeutung, und es
ist anzunehmen, daß die Republik bald als gleichwertiger Expor
teur neben die andern bekannten »Kornkammern« der Welt
treten wird. Auch in der Ausfuhr nach Brasilien hat Deutsch
land, also bei entsprechender Regsamkeit auch Bremen, gute
Aussichten. Nach einer brasilianischen Quelle betrug in Prozenten
der Gesamtwerte im Jahre 1908
Brasiliens
Ausfuhr nach: Einfuhr von:
Vereinigte Staaten 41,60 °/ 0
Großbritannien
26,30 °/ 0
Großbritanni en
18,30 %
Deutschland
13,25 °/ 0
Deutschland
•5.30 %
Argentinien
11.75 7o
Frankreich
7,30 %
Vereinigte Staaten
10,25 %
Österreich-Ungarn
3,30 %
Frankreich
9,25 %
Argentinien
3,30 %
Portugal
7.35 %
Belgien
2,30 %
Uruguay
5,35 %
Uruguay
1,60 %
Belgien
3,50 %
Italien
3.25 %
Der hohe Anteil Argentiniens an
der Ausfuhr nach
Brasilien ist
durch Getreidebezüge (Weizen) zu erklären. Von Europa bezieht
Brasilien hauptsächlich Seiden- und Textilwaren, chemische und
pharmazeutische Erzeugnisse und Parfümerien. Der Umstand, daß
Hamburg weit mehr als zehn Mal so viel nach Brasilien ausführt
als Bremen, läßt erstens erkennen, daß Deutschland der Konkurrenz
Englands auch hier gewachsen ist (sein prozentualer Anteil ver
größert sich stetig), und zweitens die Hoffnung als berechtigt er
scheinen, daß Bremens Anstrengungen gerade bei der Ausfuhr
der oben genannten Warengruppen der Erfolg nicht versagt sein
würde.
Allerdings wäre es schon bei Fortbestand der jetzigen Ver
hältnisse dringend wünschenswert, daß die Bremer Linien in den
Gehrke, Bremens Warenhandel. 8