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tionistischen Charakter zu setzen. So bewirkt die Wilson’sche
Zollermäßigung von 1894 schon im nächsten Jahre ein Aufschnellen
der Ausfuhr über den bis dahin erreichten Höchststand. So wirft
1897/98 der Dingley-Tarif mit seiner erneuten Zollerhöhung, be
sonders für Woll- und Baumwollwaren, die Ausfuhr wieder um
33°/ 0 zurück! — Wenn man aber die bremischen Zahlen mit den
hamburgischen und gesamtdeutschen vergleicht, so zeigt sich doch,
daß Bremen hier zurückgeblieben ist, daß sein Ausfuhrhandel
nach der Union mit dem hamburgischen nicht Schritt zu halten
vermochte (vergl. S. 39 und Tabelle 13).
Betreffs Mittelamerikas ist wenig zu sagen. Hamburg
sitzt dort zu fest im Sattel als daß Bremen noch viel Aussicht
hätte neben ihm mehr Fuß zu fassen, Wohl hat es in den letzten
Jahren an Bestrebungen in dieser Richtung nicht gefehlt, wie
denn auch z. B. der Norddeutsche Lloyd 1901 eine westindische
Linie einrichtete, aber leider sind sie bislang nicht von besonderem
Erfolge gekrönt worden.
Anders in Südamerika. Dort ist ein Erfolg unverkennbar.
Er setzte mit der Einrichtung der Lloyd- und Hansafahrten in den
70er Jahren ein. Bis 1890 zwar steigen die Zahlen nur langsarm
doch hat sich die Ausfuhr seitdem verfünffacht und arbeitet
weiter unter günstigen Bedingungen.
Auch der bremische Handel nach Asien hat gute Fort
schritte gemacht. Bemerkenswert ist, daß er sich von 1869 bis
1885 in minimalen Grenzen hielt und trotzdem einen tatsächlichen
Rückgang erlitt. 1886 setzt dann eine kräftige Aufwärtsbewegung
ein, bedingt durch die Aufnahme regelmäßiger Fahrten nach dem
fernen Osten durch den Norddeutschen Lloyd: am 30. Juni 1886
verließ der erste Reichspostdampfer, die „Oder“, Bremerhaven zur
ersten Fahrt nach Ostasien, 14 Tage später der „Salier“ zur ersten
Reise nach Australien. Bereits nach zwei Jahren trat eine Ver-
zwölffachung der Ausfuhr ein, und die Steigerung hat seitdem
angehalten.
Auch in der Ausfuhr nach Australien bedeutet die Auf
nahme der Reichspostdampferfahrten eine entscheidende Wendung
zum Besseren. Wenn sie sich nicht in dem Maße gehoben hat
wie die nach Asien, so ist das darauf zurückzuführen, daß Australien
sich inbezug auf Volkszahl und Kaufkraft nicht entfernt mit Süd
ostasien, dem bedeutendsten Bevölkerungsverdichtungsgebiet der
ganzen Erde, messen kann.
Daß es Bremen gelang, vor nunmehr gut zwanzig Jahren