Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

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schon  früh,  den  Hauptstrom  der  Auswanderer  über  Bremen  zu
lenken  (»Einige  Worte  über  Bremens  Handel.  Von  einem  Bremer
Kauf  manne«  [F.  A.  Delhis].  Bremen,  1841;  S.  5).  Dazu  kam,
daß  Bremen  schon  damals  für  die  beiden  derzeitigen  Haupterzeugnisse ­
  der  Union,  Tabak  und  Baumwolle,  einen  nennenswerten
Markt  hatte,  während  Hamburg  mehr  den  Handel  mit  »Kolonialwaren« ­
  aller  Art  pflegte  und  vornehmlich  Rohzucker  und  Kaffee
einführte.  Darum  war  es  natürlich,  daß  (Neubauer,  Der  Norddeutsche ­
  Lloyd;  50  Jahre  seiner  Entwicklung.  Leipzig,  1907,
S.  6/7)  »die  Schiffahrt  über  Bremen  nach  Amerika  in  jener  Zeit
einen  breiteren  Raum  für  sich  beanspruchte  als  die  Schiffahrt
über  Hamburg.  Bis  in  die  Mitte  der  50  er  Jahre  des  vorigen
Jahrhunderts  ist  dies  Übergewicht  sehr  erheblich  geblieben.  1854
beispielsweise  gingen  von  der  Weser  382  Schiffe  mit  174600
Registertonnen  nach  Nordamerika,  von  Hamburg  147  Schiffe  mit
50000  Registertonnen.«  Die  Auswanderertransportverhältnisse
Hamburgs  waren  damals  so  mangelhaft,  daß  verschiedene  deutsche
Regierungen  direkt  vor  ihnen  warnten  und  ihren  Untertanen  den
Weg  über  Bremen  empfahlen.  So  kam  eins  zum  andern:  an  den
Auswanderern  hatten  die  Schiffe  genügende  und  lohnende  Ausfracht, ­
  und  schon  dadurch  waren  sie  in  den  Stand  gesetzt,  auch
die  Rückfrachten  niedrig  zu  stellen  und  sich  die  wertvollen  Transporte ­
  zu  sichern.  Der  Aufschwung,  den  die  bremische  Tabakund
  Baumwolleneinfuhr  damals  nahm,  hat  bis  heute  angehalten.
Bremen  ist  der  größte  Weltmarkt  für  Tabak.  Wichtiger  aber
noch  ist  die  Stellung,  die  es  sich  als  Baumwollmarkt  errang,  obwohl ­
  es  als  solcher  hinter  Liverpool  zurückstehen  muß.
In  Tabelle  13  gebe  ich  eine  Übersicht  über  den  Verkehr
Hamburgs  und  Bremens  mit  der  Union  unter  besonderer  Berücksichtigung ­
  der  Baumwolle.
Die  ungeheure  Steigerung  der  Baumwolleinfuhr  Bremens
im  Gegensatz  zu  der  zwar  auch  gestiegenen,  sich  aber  doch  in
beschränkten  Grenzen  haltenden  Hamburgs  kommt  zu  vollem
Ausdruck.  Bremen  führt  jetzt  alljährlich  für  eine  halbe  Milliarde
dieses  wichtigsten  Rohstoffes  ein.  Das  sind  Zahlen,  auf  die  es
stolz  sein  kann.  Der  Baum  Wollhandel  ist  es  denn  auch,  auf  den
immer  verwiesen  wird,  wenn  man  Bremens  »glanzvolle  Entwicklung« ­
  preist.  Er  ist  in  der  Tat  das  Rückgrat  der  Stadt.  Betrug
der  Wertprozentanteil  der  Baumwolle  an  der  gesamten  außerdeutschen ­
  Einfuhr  Bremens  i.  J.  1888  schon  23  so  schnellte
er  1908  bis  fast  genau  zur  Hälfte  hinauf  1  Anders  ausgedrückt:
            
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