Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

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in  diesem  zweiten  Hauptstapelartikel  Bremens  im  direkten  Verkehr
mit  dem  zweitwichtigsten  Produktionslande  der  Erde  ein  Zurückbleiben! ­
  Die  Höchsteinfuhr  Bremens  fällt  schon  ins  Jahr  igoo,
diejenige  Hamburgs  erst  in  1908.  Auch  die  Einfuhr  anderer
Artikel  ist  bei  Hamburg  absolut  und  relativ  mehr  gestiegen  als
bei  Bremen;  bei  Bremen  um  das  Zehnfache  (19  Millionen  aber
Rückschlag  von  1909!),  bei  Hamburg  um  das  i4Y 2 fache  (179  Milk
Mark).  Die  Steigerung  bei  Hamburg  setzt  1898  besonders  scharf
ein;  ob  aus  einem  besonderen  Grunde,  entzieht  sich  meiner  Kenntnis.
—  Ein  ersichtlicher  Grund,  warum  die  Hauptprodukte  Argentiniens
außer  der  Schafwolle,  nämlich  Leinsaat,  Weizen,  Kleie,  Rindshäute
und  Mais,  nicht  eben  so  gut  nach  Bremen  wie  nach  Hamburg
verfrachtet  werden  könnten,  liegt  nicht  vor.  Hamburg  führte  von
diesen  fünf  Artikeln  Werte  in  Höhe  von  46Y2  bezw.  40  bezw.  17
bezw.  24  bezw.  10  Millionen  Mark  ein.
Den  Ausfuhrzahlen  der  Tabelle  ist  wenig  hinzuzufügen.  Insbesondere ­
  wurdenTextilwaren,  Papier  und  Papier  waren,  Telegraphenkabel, ­
  Zucker  und  Automobile  ausgeführt.  Die  Ausfuhr  von  Draht
hat  unter  der  nordamerikanischen  Konkurrenz  (vergl.  den  Handelskammerbericht ­
  für  1898)  gegen  früher  nachgelassen.  Hinderlich
für  die  deutsche  Ausfuhr  nach  Argentinien  ist  der  Umstand,  daß
die  zahlreich  dort  eingewanderten  Italiener  die  Fabrikate  ihrer
Heimat  bevorzugen.  In  den  Handelskammerberichten  wird  verschiedentlich ­
  darüber  geklagt.  Eiher  lebhaften  Steigerung  der
deutschen  Ausfuhr  trotz  dieser  Bevorzugung  außerdeutscher  Industrieerzeugnisse ­
  seitens  eines  Teils  der  argentinischen  Bevölkerung ­
  steht  vorläufig  leider  auch  die  Tatsache  entgegen,  daß  in
jenem  Lande  Ein-  und  Ausfuhrhandel  durchweg  nicht  in  den
Händen  der  gleichen  Firmen  liegen,  daß  also  ein  direkter  Warenaustausch ­
  durch  ein  Zwischenglied,  Landesprodukte  gegen  Fertigfabrikate, ­
  in  der  Regel  nicht  eintreten  kann.  Anderswo,  in
Mittelamerika  z.  B.,  auch  in  Südostasien,  ist  dies  anders.  Die
dort  ansässigen  Firmen  sind  meist  gleichzeitig  Importeure  und
Exporteure  und  bezahlen  die  eingeführten  Fabrikate  mit  Naturprodukten, ­
  die  sie  im  eigenen  Lande  aufkaufen.  Immerhin  wird
sich  dieser  Modus  bei  zielbewußtem,  solidarischem  Vorgehen  zum
Vorteil  unseres  Exporthandels  auch  in  Südamerika  in  größerem
Maße  einführen  lassen.  Die  Verhältnisse  liegen  übrigens  zur  Zeit
in  Hamburg  günstiger  als  in  Bremen,  weil  in  ersterer  Stadt  das
ganze  Exportgeschäft  durchweg  besser  organisiert  ist,  wie  man
wohl  behaupten  darf.
            
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