Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

brück,  selbt  im  westlichen  Westfalen  beziehen  ihren  Kaffee  trotz
der  weiteren  Entfernung  von  Hamburg.  Dabei  beträgt  die  Bahnfracht ­
  Bremen-Hamburg  für  Einzelgüter  —  nicht  jeder  kann  gleich
100  oder  200  Säcke  beziehen,  um  selbst  einen  halben  oder  gar
einen  ganzen  Waggon  damit  zu  befüllen  —  etwa  i x / 2  Pf.  per  kg.,
was  allerdings  dadurch  wieder  ausgeglichen  wird,  daß  die  Hamburger ­
  Spediteure  fast  täglich  Sammelladungen  selbst  nach
kleinen  Orten  abfertigen  können,  was  den  Bremern  nicht  möglich
ist.  Aber  der  Händler  kauft  besonders  deshalb  bis  jetzt  in  Hamburg ­
  lieber,  weil  er  dort  eine  größere  Auswahl  hat.  Kann  auch
Bremen  den  Kaffeefirmen  im  westlichen  und  mittleren  Deutschland,
so  weit  es  nicht  tarifarisch  hinter  seinen  Konkurrenten  an  der
Elbe  und  am  Rhein  zurücksteht,  solche  bieten,  dann  wird  es  sich
diese  Gebiete  zurück  erobern  können.  Freilich  muß  es  dann  auch
der  Einfuhr  zentralamerikanischer  Kaffees  erhöhtes  Interesse  zuwenden. ­
  Von  diesen  (einschließlich  kolumbischer  und  westindischer)
bezieht  es  nur  für  insgesamt  etwa  3 1 /,  Mill.  Mk.  —  eine  sehr  geringe ­
  Menge,  wenn  man  die  sehr  bedeutenden  finanziellen  Engagements ­
  bremischer  Häuser  beispielsweise  in  Guatemala  und  Salvador
in  Betracht  zieht.  Der  Kaffee,  den  Bremen  von  Hamburg  bezieht,
dort  also  einen  leicht  vermeidbaren  Zwischennutzen  zahlte,  weist
durchweg  einen  Wert  von  3%—4  Mill.  Mk.  auf,  von  mehr  also,
als  ihn  die  ganze  unmittelbare  Einfuhr  aus  den  Kaffeeländern  am
und  im  Golf  von  Mexiko  hat.
Tabak.
Geht  Brasilkaffee  in  der  Hauptsache  nach  Hamburg,  so
ist  Bremen  der  Hauptmarkt  für  Brasiltabak,  wie  es  überhaupt
noch  immer  der  wichtigste  Tabakmarkt  der  Welt  ist.  Ich  sage
»noch  immer«,  denn  tatsächlich  ist  auch  diese  Stellung  schon  gefährdet, ­
  und  zwar  ist  abermals  Hamburg  die  schärfste  Gegnerin.
Da  Brasilien  neben  Niederländisch-Indien  der  für  Deutschland  in
Frage  kommende  Hauptproduzent  von  Tabaken  ist,  sei  der  statistischen ­
  Entwicklung  des  Tabakhandels  an  dieser  Stelle  mit
einigen  Worten  Erwähnung  getan.  Zur  Aufklärung  über  die  Bezüge
der  beiden  Städte  aus  den  wichtigsten  Tabakländern  sei  auf  Tabelle  19
verwiesen.
Der  für  Bremer  Rechnung  gekaufte  Uniontabak  (Kentucky,
Maryland,  Seedleaf,  Virginy)  wird  bis  auf  einen  sehr  geringen
Rest  unmittelbar  nach  Bremen  verschifft.  Hamburg  tritt  in  nordamerikanischer ­
  Ware  erheblich  weniger  als  Käufer  auf.  Es  darf
            
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