Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

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größeren  Raum  in  der  Wirtschaftsgeschichte  und  in  der  neu  als
eigene  Disziplin  sich  bildenden  Verkehrswissenschaft  einräumen
müssen,  was  man  früher  schon  deshalb  nicht  konnte,  weil  sie  noch
zu  unvollkommen  war.
Bemerkt  sei  noch,  daß  der  Gesamtumfang  des  Warenhandels
für  bremische  Rechnung  statistisch  überhaupt  nicht  erfaßt  werden
kann.  Einerseits  stellen  die  Bremer  Ein-  und  Ausfuhrzahlen  nicht
den  Eigenhandel  Bremens  dar;  vielfach  fungiert  Bremen  —  wie
übrigens  jede  Handelsstadt  und  ganz  besonders  jede  Seestadt  —
nur  als  Spediteur,  und  die  Wareneigner,  die  eigentlichen  Akteure,
können  weit  im  Binnenlande  wohnen.  Andererseits  aber  kann  die
bremische  Statistik  nicht  die  Warenmengen  verzeichnen,  die  für
Bremens  Rechnung  über  andere  Häfen  zur  Ein-  oder  Ausfuhr  gelangen. ­
  So  ging  z.  B.  etwa  die  Hälfte  der  1908“  Domingotabakernte ­
  in  Bremer  Hände  über  —  eingeführt  aber  wurde  sie  über
Hamburg  und  auch  dort  verkauft.  Die  Untersuchung  muß  sich
deshalb  im  allgemeinen  auf  die  von  der  bremischen  Statistik  gegebenen ­
  Zahlen  beschränken.
Die  Ergebnisse,  zu  denen  ich  gekommen  bin,  sind  vielfach
keine  erfreulichen.  Sie  ergaben  sich  erst  im  Laufe  der  näheren
Untersuchung,  denn,  oberflächlich  betrachtet,  hat  unser  kleiner
Freistaat  eine  wirklich  glänzende  Entwicklung  hinter  sich.  Man
läßt  sich  eben  leider  zu  leicht  durch  das  glatte  Gesicht  der  Dame
Statistik  täuschen.

2.  Geschichtliche  Einleitung.
Bremen  hat  als  Handelsstadt  einen  alten  Ruf.  Schon  zu
Zeiten  der  Karolinger  wird  es  rühmend  erwähnt.  Schlecht  und
recht  schlug  es  sich  in  den  nächsten  Jahrhunderten  im  Kampf  um
die  Behauptung  seiner  Stellung  durch  und  erreichte  im  13.  und
14.  Jahrhundert  eine  erste  Blüte  als  eins  der  einflußreichsten  Mitglieder ­
  des  Städtebundes  der  Hansa.  Seine  Handelsbeziehungen
erstreckten  sich  damals  von  Brügge  in  Flandern  und  von  England
bis  weit  nach  Skandinavien  hinein  im  Norden  und  über  die  jetzigen
russischen  Ostseeprovinzen,  in  denen  es  eine  reiche  Kolonisationstätigkeit ­
  entfaltete,  im  Osten  bis  Nischni-Nowgorod  hin.  Es  war
also  das  Gebiet  der  Nordsee  und  des  Baltischen  Meeres.
Dann  kam  der  politische  Zerfall  des  Reiches,  die  Ohnmacht
der  Zentralgewalt,  die  den  Städten  in  ihrem  heldenhaften  Kampf
gegen  die  erstarkenden  nordischen  Nachbarn  nicht  zu  Hilfe  kommen
konnte.  Es  kam  jene  durch  die  großen  Entdeckungen  bedingte
            
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