Full text: Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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möglichst kleiner Wohnungspflegebezirke und ihre Besetzung mit 
zahlreichen ehrenamtlichen Wohnungspflegern bor. „Je kleiner die 
Bezirke sind," so schrieben wir in dieser Zeitschrift, „um so eher 
werden die in den Bezirken wohnhaften Pfleger mit den Wohnungs- 
ja mit den ganzen sozialen Verhältnissen der Bewohner ihrer Bezirke 
bekannt, und desto erfolgreicher können sie die sanitären und sitt 
lichen Mißstände der Prostituiertcnwohnungen beseitigen. Ohne 
es zu wollen, werden sie in die Lebensschicksale der Prostituierten 
eindringen, und sie werden auch dann erkennen, wie dem mannig 
fachen Weh und Ach zahlreicher Dirnen beizukommen ist. Wirksame 
soziale Hülfsaktionen können sich bicllcicht gerade an eine eingehende, 
die individuellen Verhältnisse der Prostituierten erfassende Woh 
nungspflege anschließen." 
In den französischen und belgischen Dispensaires spielt der 
„ouvrier enqueteur” — in der Regel ein intelligenter Arbeiter, der 
das Proletariat genau kennt und sein volles Vertrauen besitzt — 
eine Hauptrolle bei der Erforschung der individuellen Verhältnisse 
der daheim behandelten Tuberkulosen. Eine erfolgreiche Hülfe für 
die Schwindsüchtigen knüpft hier an eine Erforschung der indivi 
duellen Verhältnisse dieser an. Vielleicht kann der Wohnungspfleger 
oder besser die Wohnungspflegerin zu einer Art „ouvrier enqueteur" 
werden. Wir erhoffen von der weitsichtigen, sich auf dem Gebiete 
der Wohnungspflege betätigenden Frau eine tiefgreifende Hülfs- 
aktion zugunsten der unglücklichen Prostitutierten. Werden wir in 
dem Lande der öffentlich-rechtlich organisierten Krankenfürsorge noch 
Institute erhalten, die der Krankenversicherung nicht unterstellten 
Venerischen unserer Großstädte — denn die Venerie ist in Deutsch 
land fast nur eine Großstadtkrankheit — unentgeltliche Heil 
behandlung und ein Krankengeld zum notwendigen Unterhalt ihres 
Lebens gewähren, so werden durch umsichtige Wohnungspflegerinnen 
zahlreiche geschlechtskranke Prostituierte der Heilüng ihrer Leiden 
zugeführt werden. Eine entscheidende Schlacht wird damit den Ge 
schlechtskrankheiten überhaupt geschlagen werden. 
7. Kapitel. 
Die Zerrüttung der Familie und die Prostitution Jugendlicher. 
Die Mädchen und Frauen der rechtlosen, sozial mißachteten 
!und ökonomisch schlecht gestellten Klassen verschlingt vor allem die 
!Straße. 
Die Mädchen werden dann den Versuchungen der männlichen 
. Sprossen der sozial und ökonomisch bevorrechteten Klassen erliegen, 
wenn sie sich im Kampf um ihre wirtschaftliche Existenz nicht selbst
	        
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