Eisen
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Eisen
der Gebläsewind angestellt. Durch ihn verbrennt
zunächst das zu unterst aufgeschichtete Brenn
material unter Bildung von Kohlendioxyd, das in
der darüber liegenden Schicht von glühendem
Koks zu Kohlenoxyd reduziert wird. Letzteres
reduziert seinerseits das ins Glühen geratene
Eisenerz zu schwammigem E., indem es selbst
wieder zu Kohlendioxyd wird, um dann durch die
nächste Schicht Kohlen von neuem regeneriert zu
werden. Dieser Prozeß setzt sich, so lange fort,
bis schließlich das Gas (Gichtgas), ein Ge
misch von Stickstoff, Kohlendioxyd und Kohlen
monoxyd, den Ofen verläßt. Es wird aufgefangen
und infolge seines Gehaltes an Monoxyd zum Vor
wärmen des Gebläsewindes in steinernen Wind
erhitzern, Cowper, benutzt. In dem Ofen kann
man verschiedene, allerdings nicht scharf von
einander getrennte Zonen beobachten. Die sog.
Reduktionszone, in der die Reduktion des Eisen
erzes zu E. stattfindet, liegt je nach der Natur des
Eisenerzes tiefer oder höher, die Temperatur in
ihr beträgt 600—900 0 . Je poröser die Erze, jo
höher die Temperatur und je reicher das auf das
Erz einwirkende Gasgemenge an Kohlenoxyd ist,
um so schneller geht die Reduktion vor sich. Da
das Material allmählich zusammensintert, so sinkt
das reduzierte E. mit der gebildeten Schlacke
tiefer in den Ofen hinab und kommt dabei in
Zonen immer höherer Temperatur. Bei etwa
1000 0 nimmt das schwammartig fein verteilte E.
Kohlenstoff auf, sättigt sich bei etwa 1400 0 damit,
schmilzt schließlich in der untersten Zone voll
ständig und sammelt sich als flüssige Masse auf
dem Herde an. Die obenauf schwimmende
Schlacke läßt man durch eine Spalte über die
sog. Schläckentrift abfließen, welche durch die
Schlackenleiste, eine gußeiserne Platte, gegen
die Stichöffnung abgeschlossen ist. Die letztere
dient dazu, in geeigneten Zeiträumen, drei- bis
viermal am Tage, E. abfließen zu lassen. Nur
selten wird das. E. deg Hochofens sogleich in die
Form gegossen, in der es Verwendung finden soll
(Hochofenguß). In der Regel fließt es zunächst
in flache eiserne oder aus Sand hergestellte
Formen. Die erstarrten Blöcke führen die Be
zeichnung Flossen oder Gänze, die ersteren
sind muldenförmig, die anderen 1—1,3 m lange,
armstarke Barren. Durch Öffnungen der Gicht
wird immer neues Erz, Brennmaterial und Zu
schlag in den Ofen gegeben und dadurch der
Betrieb des Ofens ununterbrochen im Gang er
halten, meist t—4 Jahre, aber auch weit länger,
bis irgendeine größere Reparatur oder politische
oder wirtschaftliche Verhältnisse ein ( ,Ausblasen“
nötig machen. Die Wirkungsweise der seit etwa
der Jahrhundertwende eingeführten elektrischen
Hochöfen beruht auf verwandten Grundlagen. -
Das Produkt des Hochofens ist infolge der bei
1000—1400° erfolgenden Kohlenstoffaufnahme
stets Roheisen, wovon man hauptsächlich zwei
Arten zu unterscheiden hat, das graue Roh
eisen, welches entweder zur Stahlbereitung (saurer
Bessemerprozeß, s. u.) oder zum Guß benutzt wird,
und das weiße Roheisen, das sich nicht zum
Guß eignet. Soweit die Herstellung des erst
genannten für den Guß angestrebt wird, führt
der Hochofenprozeß also direkt zum Ziele, wäh
rend das meist zur Fierstellung von Schmiede
eisen und Stahl dienende weiße Roheisen noch ver
schiedene, recht langwierige Prozesse durchmachen
muß. Neben dem Kohlenstoff sind nämlich noch
eine Reihe anderer, schädlicher Beimengungen
vorhanden. In der Reduktionszone ist das E. nur
geneigt, Schwefel aufzunehmen, in der Kohlungs
zone aber ward die etwa vorhandene Phosphor
säure reduziert und Phosphor vom E. aufgenom
men, und in der Schmelzzone schließlich gehen
Silizium, Mangan, Aluminium und andere Metalle
in das E. über. Diese Verunreinigungen spielen
bei dem grauen zum Guß benutzten Roheisen
keine so wesentliche Rolle wie bei dem zur Her
stellung von Schmiedeeisen und Stahl bestimmten
Roheisen, denn Schmiedeeisen und Stahl können
schon durch einen recht geringen Gehalt an
bestimmten Stoffen minderwertig oder gar un
brauchbar werden. Es ist daher hier nötig, kurz
auf die Wirkungen der wichtigsten dieser Ver
unreinigungen einzugehen. Phosphor macht das
Eisen dünnflüssiger und leichter schmelzbar. Ein
mäßiger Phosphorgehalt ist daher für graues
Roheisen direkt nützlich, Schmiedeeisen aber
wird durch einen recht geringen Gehalt an Phos
phor kaltbrüchig. Schwefe! (schon 0,04 °/o) und
Kupfer (o,s °/o) machen Schmiedeeisen rotbrüchig
(d. h. das Schmiedeeisen bricht leicht bei Rot
glut). Silizium befördert im Roheisen die Ab
scheidung von graphitartigem Kohlenstoff, so
daß siliziumreiches Eisen stets als graues Roh
eisen auftritt, und drückt ferner den Gesamt
kohlenstoffgehalt herab. — Schmiedeeisen wird
durch Siliziumgehalt „faulbrüchig“. Mangan wirkt
im Eisen fast umgekehrt wie Silizium und ver
hindert die graphitartigen Abscheidungen. Roh
eisen mit hohem Mangangehalt gehört daher stets
zum weißen Roheisen. Eingesprengte kohlenstoff
reichere Teile sowie eingesprengte Schlacke be
wirken „Rohbrüchigkeit“. Zinn macht schon in
wenigen Zehntelprozenten das Eisen gänzlich un
brauchbar. Die Art und die Menge der im Roh
eisen sich findenden Verunreinigungen ist natür
lich abhängig von dem Ausgangsmateria), d. h.
von dem Brennmaterial, dem Eisenerz und dem
Zuschlag. Das reinste Brennmaterial ist Holz
kohle, und diese wurde auch bis ins 18. Jahrhun
dert hinein allein benutzt. Später zwang der
wachsende Verbrauch, zu Koks überzugehen,
doch kann auch gereinigte Steinkohle in manchen
Fällen benutzt werden. Holzkohle findet nur
noch in waldreichen Gegenden, wie in Schweden
und Norwegen, Anwendung, oder an solchen
Orten, an denen ein besonders reines Eisenerz
zur Verfügung steht. Der Name Holzkohlen
eisen dient daher einer Ware als sehr gute Emp
fehlung. Alle Versuche, den in Deutschland so
reichlich vorhandenen Torf zu verwerten, haben
bisher einen sichtbaren Erfolg nicht gehabt. —
Bei den Eisenerzen kommt es hauptsächlich auf
den Gehalt an Phosphor an, der in das Roheisen
übergeht und das Schmiedeeisen oder den Stahl
unbrauchbar machen würde. Gerade in Deutsch
land liegen nun meist phosphorreiche Erze vor,
die es lange Zeit erschwerten, den englischen
Bessemerbirnenprozeß (s, u.) bei uns einzuführen.
Trotz aller Bemühungen ist es auch jetzt noch
nicht gelungen, Roheisen mit einem Phosphor
gehalt zwischen 0,1 und 1,5 °/o im Birnenprozeß
zu verwerten. Von Bedeutung für die Erzeugung
eines für den basischen Bessemerprozeß (s. u.) ge-