Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Fischleim

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Flachs

dings  mehr  durch  Glaspapier,  Flintpapier,
Schmirgelpapier  und  S  c  h  m  i  r  ge  11  e  i  n  e  n
verdrängt  worden.  Außerdem  dienen  d  e  Häute
dazu,  durch  Aufpressen  englisches  Sattellcder
zu  sog.  Fisch.hautchagrin  umzuwandeln,  das
zum  Überziehen  von  Koffern,  Futteralen,  Kästchen ­
  u.  dgl.  benutzt  wird.
Fischleim,  Syndetikon,  nennt  man  dickflüssige, ­
  gelbe  bis  gelbbraune  Klebstoffe,  die  in
Norwegen,  Rußland  und  anderen  Ländern  aus
Fischabfällen,  z.  B.  Eingeweiden  und  Schwimmblasen ­
  durch  Auskochen  gewonnen  werden.  F.
stellt  einen  guten,  zähen,  flüssigen  Leim  dar,
der  vielfach  auch  künstlich,  z.  B.  aus  Zuckerkalklösung, ­
  nachgeahmt  wird.
Fisetholz  (Fustikholz,  ungarisches  Gelbholz, ­
  Zantegelbholz,  junger  Fustik,  lat.
Lignum  fusticum,  frz.  Fustet,  engl.  Fustic).  Der
bei  uns  in  Anlagen  häufige  Perückenbaum,
eine  im  südlichen  Europa  heimische  und  auch
hier  und  da  kultivierte  Sumachart  (Rhus  cotinus),
  enthält  in  seinem  Holz  einen  gelben
Farbstoff,  der  durch  Alkalien  rot  gefärbt  wird.
Das  grau-  odür  grüngelbliche  Holz,  von  dem
der  weiße  Splint  abgelöst  ist,  kommt  teils  in
Form  dicker  Knüppel,  te  1s  schon  in  Späne  geschnitten ­
  aus  Ungarn,  lüyrien,  Tirol  und  Italien
in  den  Handel,  wird  jedoch,  weil  die  Farbe  nicht
sehr  echt  ist,  nur  noch  selten  zum  Gelbfärben,
häufiger  aber  zur  Herstellung  gemischter  Farben ­
  verwendet.
Fixa'.ive,  Lösungen  von  farblosen  Harzen  wie
Schellack,  Dammar  oder  von  Kautschuk  in  verschiedenen ­
  Lösungsmitte’n  (Äther-Alkohol,  Benzin, ­
  Chloroform),  bisweilen  auch  unter  Zusatz
von  etwas  Wasserglas,  werden  auf  Kohle-,
Blei-  und  Kreidezeichnungen  zerstäubt,  um
diese  gegen  Verwischen  zu  schützen.
Flachs  (Lein,  frz.  Lin,  engl.  Flax),  eine  der
geschätztesten  Gewebefase  n,  wird  aus  den  Stengeln ­
  der  Leinpflanze  (Linum  usitatissimum)
gewonnen,  die,  ursprünglich  in  wärmeren  Gegenden ­
  heimisch  und  dort  bisweilen  noch  wildwachsend ­
  gefunden,  seit  uralten  Zeiten  auf  der
ganzen  Erde  angebaut  wird  und  sich  auch  an
kältere  Klimate  gewöhnt  hat.  Neben  den  Hauptanbaugebieten ­
  in  Europa  (Flandern,  russische
Ostseeprovinzen,  Irland,  Deutschland)  liefern
auch  Ägypten,  Algier,  Ostindien,  Nordamerika,
Brasilien  und  Aus.ralien  ziemlich  erhebliche  Erträge. ­
  Von  den  zahlreichen  Kulturformen  sind
besonders  folgende  namhaft  zu  machen:  a)  Der
Schließ-  oder  Drieschlein  (L.  usit.  var.  vulgare, ­
  auch  L.  sativum  genannt)  mit  kleinen,  gesch'ossen
  bleibenden  Kapseln,  deren  dunklere
Samen  nur  durch  Ausdreschen  zu  gewinnen
sind,  höherem  Stengel  und  m  nder  weicher  und
weißer,  aber  sehr  haltbarer  Faser,  die  sich  besonders ­
  zu  groben  Geweben  eignet;  b)  der
Kl  ang-  oder  Springlein  (L.  usit.  var.  crepitans,
  auch  L.  humile),  dessen  niedrigere  und
ästigere  Stengel  den  feinsten  F.  liefern,  mit
größeren,  elastisch  aufspringenden  Kapseln,  aus
denen  die  helleren  Samen,  beim  Ausbreiten  auf
Planen  an  der  Sonne  von  selbst  herausspringen.
Beide  Arten  kommen  als  Früh-  und  Spätlein
* or ;  c)  Zweijähriger  oder  Winterflachs  (L.
bienne  und  L.  africanum),  seltener  angebaut;
u)  Weißblühender  oder  sizilianischer

Lein  mit  sehr  schweren  Samen  und  e)  Königs-,
lein  (L.  usit.  var.  regale)  mit  sehr  festem  Bast
und  kleinen  blassen  Samen.  Der  Anbau  des
Leins  erfordert  auch  unter  günstigen  klimatischen ­
  Verhältnissen  schon  von  der  Ackerbestellung ­
  an  die  sorgfältigste  Pflege.  Die  Menge  des
Saatgutes,  dessen  Keimfähigkeit  durch  gelindes
Erwärmen  auf  30°  erhöht  werden  kann,  beträgt
in  den  Ostseeprovinzen  von  1,34  hl  an,  in  Deutschland ­
  durchschnittlich  2,0  hl  auf  den  Hektar  für
Samengewinnung  und  3—4  hl  für  die  Fasergewinnung. ­
  Für  letzteren  Zweck  ist  zur  Erzielung ­
  feiner  Fasern  möglichst  dichtes  Säen  erforderlich, ­
  und  man  legt  daher  in  Holland  und
Belgien  vielfach  ein  aus  Schnüren  gebildetes
Gitter,  in  anderen  Gegenden  sperriges  Reisig
über  die  Felder,  damit  die  hindurchwachsenden
Pflanzen  eine  Stütze  zur  Geradehaltung  und
gegen  das  Lagern  finden.  Öfterer  Samenwechsel ­
  ist  zweckmäßig  und  zur  Erzielung  besseren
Flachses  sogar  notwendig.  Auch  müssen  die
Felder  vom  Unkraut  sorgfältig  gereinigt  werden. ­
  Das  Ziehen  oder  Raufen  des  zur  Samenzucht ­
  angebauten  F.  erfolgt,  sobald  die  Kapseln
sich  zu  bräunen  beginnen,  bei  den  zur  Fasergewinnung ­
  bestimmten  Pflanzen  aber  noch  im
grünen  Zustande,  wenn  die  unteren  Blättchen
abfallen.  Die  Wahl  des  richtigen  Zeitpunktes  ist
wichtig,  da  zu  frühes  Ziehen  zwar  feine,  aber
haltlose  Fasern  gibt,  während  die  überreife  Faser
starr  und  brüchig  geworden  ist.  Die  gerauften
Stengel  werden  gewöhnlich  in  mäßige  Bündel
gebunden  und  auf  dem  Felde  aufgestellt,  bis  sie
völlig  lufttrocken  sind,  und  dann  durch  Riffeln,
d.  h.  Durchziehen  durch  eine  Reihe  aufrecht
stehender  eiserner  Zinken,  von  den  Samenkapseln
befreit.  Zur  Trennung  der  nutzbaren  Bastfasern
von  der  äußeren  Rinde  und  dein  inneren  holzigen ­
  Kern,  mit  denen  sie  durch  einen  Pflanzenleim ­
  fest  verbunden  sind,  wird  das  Stroh  entweder ­
  sogleich  oder  im  nächsten  Jahre  einem
Fäulnis-  oder  Verwesungsprozeß,  der  sog.  Röste,
unterworfen.  Die  gewöhnlichste  Art  des  Röstens
oder  Rottens  ist  die  Wasserröste,  wozu  am
besten  fließendes,  jedenfalls  weiches  Wasser  benutzt ­
  wird.  Im  gewöhnlichen  ländlichen  Betriebe ­
  legt  man  die  Flachsbündel  in  seichte  Gewässer, ­
  Flüsse,  Bäche,  Teiche  und  hält  sie  durch
Steine  unter  der  Oberfläche.  Große  Anlagen,
namentlich  in  Belgien  und  Holland,  bedienen
sich  gemauerter  Gruben,  in  welche  die  Bündel
eingestellt  und  unter  Wasser  gesetzt  werden,
das  nach  Erfordern  gewechselt  wird.  Die  Röste,
in  deren  Verlaufe  bei  gleichzeitiger  Braunfärbung ­
  des  Wassers  und  der  Stengel  reichliche
Mengen  stinkender  Gase  entstehen,  muß  sorgfältig ­
  überwacht  werden,  da  sonst  leicht  Überröstung ­
  eintritt.  Sie  wird  (nach  8—12  Tagen)
beendet  und  die  Stengelmasse  getrocknet,  sobald ­
  die  Faser  sich  leicht  ablöst  und  der  holzige
Teil  beim  Biegen  wie  Glas  springt.  Bei  der
gleichfalls  noch  viel  geübten  Tauröste  werden
die  Halme  einfach  auf  einem  Stoppelfelde,  damit ­
  sie  nicht  unmittelbar  den  Erdboden  berühren, ­
  ausgebreitet  und  unter  öfterem  Wenden
den  Einflüssen  der  Witterung  ausgesetzt,  wenn
die  Witterung  zu  trocken  ist,  auch  mehrmals
begossen.  Hier  unterliegt  die  Pflanzenmassc
einer  mehr  trockenen,  geruchloseren  Verwesung;
            
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