Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Galläpfel

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Galloflavin

fortwächst  und  im  Innern  saftig  bleibt,  bis  sich
schließlich  das  Tier  als  vollkommenes  Insekt
oder  als  Made  heraus  frißt.  Die  Gallen  müssen
möglichst  vor  dem  Zeitpunkte  des  Auskriechens,
solange  sie  noch  schwer,  grün  oder  schwarzblau
erscheinen,  gesammelt  werden,  weil  sie  dann  am
reichsten  an  Gerbsäure  sind,  während  die  vom
Tiere  verlassenen,  also  angelöcherten  G.,  die
heller,  schwammig  und  leichter  erscheinen,  geringen ­
  Wert  haben.  Der  Gerbstoffgehalt,  der
den  Wert  der  Gallen  ausmacht,  unterliegt  außerordentlichen ­
  Schwankungen,  welche  vom  Klima,
Von  der  Art  der  Eichen  und  der  Tierart  abhängen.
  Die  besten  orientalischen  Gallen,
können  60—65%  Gerbsäure  enthalten,  und  aus
diesem  Grunde  wurden  in  Europa  früher  immer
G.  aus  dem  Orient  (Kleinasien,  Syrien)  verbraucht. ­
  Weniger  Bedeutung  haben  die  G.  des
südlichen  .Europas,  —  diejenigen  der  nördlichen
Gegenden  kommen  höchstens  für  örtlichen  Gebrauch ­
  in  Betracht.  Seit  Mitte  des  vorigen
Jahrhunderts  sind  die  Preise  durch  Einführung
billigerer  chinesischer  und  japanischer  G.
wesentlich  erniedrigt  worden.  Im  allgemeinen
unterscheidet  man  drei  natürliche  Gruppen  von
Gallen:  levantische  (türkische,  orientalische),
europäische  und  chinesisch  -  japanische.
1.  Die  ersteren,  die  wieder  mehrere  Sorten  bilden
und  von  der  Gallwespe,  Cynips  tinctoria,
auf  der  stets  strauchförmig  bleibenden  Galleiche, ­
  Quercus  infectoria,  hervorgerufen
werden,  kommen  von  Kleinasien,  Syrien,  Mesopotamien ­
  über  Smyrna  und  Konstantinopel  in
den  Handel.  Sie  haben  stets  eine  rundliche
Form,  die  Größe  einer  Erbse  bis  zu  2  V2  cm
Durchmesser  und  unterscheiden  sich  von  den
übrigen  Arten  leicht  durch  die  höckerige,  stachlige ­
  Beschaffenheit  der  Oberfläche.  Wie  bei  allen
Sorten  unterscheidet  man  dunkel-  und  hellfarbige, ­
  die  entweder  noch  in  Mischung,  wie  sie  die
Natur  liefert  (in  sortis),  oder  durch  Auslesen
gesondert  (elegiert)  versandt  werden.  Von  den
jährlich  zweimal  gesammelten  G.  gelten  die
Jerli  genannten  der  ersten  Ernte  als  die  besten.
Die  gangbarste  Sorte  ist  die  mittelgroße,  sehr
höckerige  von  Aleppo  (Gallae  Halepenses).
Noch  größer,  sehr  reich  an  Tannin  und  durch
eine  feine  Bestäubung  kenntlich,  sind  die  G.  von
Mossul  am  Tigris,  die  in  Mesopotamien  gesammelt ­
  und  gewöhnlich  über  Bombay  nach  London
gebracht  werden,  während  die.  schwammigen  Tripolitaner
  und  die  syrischen  oder  Smyrnaer
G.  weniger  geschätzt  werden.  2.  Europäische
Gallen  sind  sämtlich  von  geringerer  Güte  als  die
vorigen,  leichter,  hellfarbiger  und  öfter  gefleckt,
verschieden  und  unregelmäßig  gestaltet,  glatt
oder  runzlig,  hingegen  nie  stachlig  oder  höckerig.
Unter  den  Eichbäumen,  denen  sie  entstammen,
spielt  die  Cerris-  oder  Burgundereiche  die  Hauptrolle. ­
  Als  verschiedene  Sorten  werden  gewöhnlich ­
  aufgeführt:  Morea-G.,  zyprische,  istrianer,
  ungarische,  italienische  und  französische ­
  G..  doch  geht  ihre  an  sich  geringe
Bedeutimg  um  so  mehr  zurück,  als  gute  Ware
jetzt  reichlich  aus  Asien  an  den  Markt  gebracht
wird.  3.  Die  chinesischen  und  japanischen
Gallen  werden  nicht  von  Gallwespen  auf  Eichen,
sondern  von  Blattläusen  (Aphis  Chinensis)
auf  den  Blättern  einer  Sumachart  (Rhus)  hervorgebracht. ­

  Die  dünnwandigen  Blasen  mit  geräumiger ­
  innerer  Höhlung,  die  im  Handel  teils
zerbrochen,  teils  noch  vollständig  erscheinen,
zeigen  keulenförmige  Gestalt,  hier  und  da  vorspringende ­
  stumpfeckige  Ausbuchtungen  und
eine  Länge  von  2—10  cm.  Die  sehr  leichten
Hülsen  sind  knorplig,  spröde,  auf  dem  Bruche,
harzglänzend  und  enthalten  bis  zu  70%  Gerbstoff.
—  Bei  uns  seltener  vorkommende  Sorten  sind
Guli-i-pista,  welche  aus  Persien  auf  den  in
dischen  Markt  gelangt,  sowie  Kakdasinghi  und
Padwus.  —  Die  G.  finden  ihre  hauptsächlichste
Verwendung  in  der  Färberei,  zum  Schwarz-,
Braun-  und  Graufärben  von  Wolle,  Leder,
Rauchwaren  usw.,  ferner  zur  Tintenbereitung  und
zur  Herstellung  der  Gerb-,  Gallus-  und  Pyrogallussäuren.
  Wie  bei  der  Tinte  beruht  auch  bei
der  Färberei  die  Wirkung  der  G.  darauf,  daß  ihr
Gerbstoff  mit  Eisensalzen  schwarze  Niederschläge
von,  gerbsaurem  Eisen  bildet,  während  bei  vielen
anderen  Gerbstoffen  abweichend,  z.  B.  schmutzig
grünbraun  gefärbte  Niederschläge  entstehen.
Zum  Gerben  benutzt  man  die  G.  nur  bei  gewissen
dünnen  feineren  Ledern,  Saffian  u.  dgl.,  mit  Ausnahme ­
  der  chinesischen  Gallen,  welche  hierfür
untauglich  erklärt  werden,
Gallein  (Anthrazen-  oder  Alizarinvioleti;,
ein  violetter  Phthaleinfarbstoff  (s.  d.),  wird  durch
Erhitzen  von  Phthalsäureanhydrid  mit  Gallus
säure  oder  Pyrogallol  erhalten  und  ist  demnach
ein  Pyrogallolphthalein.  Man  erhält  es  entweder
als  violetten  Teig  (en  päte),  oder  als  dunkelgrünes
metaliglänzendes  Kristallpulver,  das  in  kaltem
Wasser  wenig,  in  heißem  leichter  mit  Scharlach
roter  Farbe  löslich  ist  und  gebeizte  Wolle  violett
färbt.  Vor  allem  findet  es  als  Chromlack  in  der
Färberei  von  Wolle,  Seide  oder  Baumwolle  aus
gedehnte  Anwendung.  Die  Sulfosäure  des  G.
bildet  das  Zoerulein  (s.  d.).
Gallozyanin  (Solidviolett,  Violet  solide),
ein  blauer  Oxazinfarbstoff,  wird  durch  Einwirkung
von  salzsaurem  Nitrosodimethylanilin  auf  Gal
lussäure  oder  auf  Tannin  erhalten  und  kommt
gewöhnlich  als  grünlichgrauer  Teig  in  den  Han
del,  der  beim  Austrocknen  ein  bronzefarbenes
Pulver  bildet.  In  Wasser  ist  es  unlöslich,  in
Alkohol  mit  blauvioletter  Farbe,  in  konzentrierter
Schwefelsäure  mit  kornblumenblauer  Farbe  lös
lieh,  die  beim  Verdünnen  mit  Wasser  in  Rot
übergeht.  Der  Farbstoff  wird  in  Verbindung  mit
Chrombeize  in  der  Zeugdruckerei  zur  Herstellung ­
  von  Blau  violett  auf  Wolle  und  Baumwolle ­
  benutzt.  Prune  ist  der  Methylester  des
G.;  Delphinblau  nennt  man  die  Sulfosäure  der
Verbindung,  welche  bei  Behandlung  des  G.  mit
Anilin  entsteht;  Gallaminblau  und  Gallusblau ­
  (Tanninindigo)  sind  Analoge  des  G.,  wel
che  aus  Gallaminsäure  bzw.  Gallanilid  hergestelh
werden.
Gallollavin,  ein  in  Wasser  unlöslicher,  in
Alkohol  nur  sehr  wenig  löslicher.Farbstoff,  der
durch  vorsichtige  Oxydation  von  Gallussäure  in
wäßriger  oder  alkoholischer,  alkalischer  Lösung
erhalten  wird  und  als  grünlichgelber  Teig  in
den  Handel  kommt,  gibt  mit  Chrombeizen  auf
Baumwolle  gedruckt  einen  grünlichgelben  Lack
und  färbt  Wolle,  mit  Chromsalzen  gebeizt,  seifenecht ­
  hellgelb.
            
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