Alantwurzel
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Alaun
Alantwurzel (Oland, Ottwurz, Glocken
wurzel, lat. Radix Enulae seu Helenii, frz. Ra-
zine d’aunöe, engl. Elecampane-root), stammt
von einer in Mitteleuropa, namentlich in Un
garn wild wachsenden Komposite, Inula He-
lenium, welche inThüringen und in der Gegend
von Nürnberg auch angebaut wird. Die ge
trocknete Wurzel ist graubräunlich, innen heller
gefärbt, hart und schwer zu zerbrechen. Auf
dem Bruche unter der Rinde zeigt sich ein
bräunlicher Ring, und im Holzkörper erkennt
man zahlreiche gelbe Ölbehälter. Geruch und
Geschmack sind aromatisch. Die charakteristi
schen Bestandteile der A. sind: ein ätherisches
Öl, Harz, Inulin, Alantolakton (Helenin,
Alantkampfer) und Alan toi. Die Aus
beute an ätherischem Öl, dem Alantöl, beträgt
i—3%. Die Alantwurzel kommt im rohen
und geschälten Zustande in den Handel als Ra
dix Enulae cruda, Radix Enulae mundata und
findet in der Medizin, hauptsächlich aber in der
Likörfabrikation, Verwendung.
Alaun (lat. Alumen, frz. Alun, engl. Alum)
wurde früher nur das kristallisierte wasserhal
tige schwefelsaure Doppelsalz von Kalium und
Aluminium (Kaliumaluminiumsulfat) genannt.
Neuerdings bezeichnet man so bisweilen auch
das entsprechende Ammoniumäluminiumsalz,
während der Name: Alaune für alle schwefel
sauren Doppelverbindungen gleichartiger chemi
scher Konstitution gilt, wobei dann das für Ka
lium bzw. Aluminium eintretende Metall der Be
zeichnung vorgesetzt wird, z. B. Chromalaun
für das schwefelsaure Doppelsalz von Kalium
und Chrom. Sämtliche Alaune kristallisieren im
regulären System, meist in der Oktaederform
mit 24 Molekülen Wasser. — Zur Gewinnung
des gewöhnlichen Kalialauns wird schwach
gebrannter, möglichst eisenfreier Ton mit 50 ob
iger Schwefelsäure in der Wärme behandelt,
wobei sich unter Abscheidung von Kieselsäure
der eine Bestandteil des Alauns, die schwefel
saure Tonerde, bildet, IJ'fach dem Verdünnen
mit Wasser und Entfernen des unlöslichen Rück
standes, der Kieselsäure, wird Kaliumsulfat oder
auch Chlorkalium hinzugesetzt, und das sich
dabei als feines Pulver abscheidende „Alaun
mehl“ durch Umkristallisieren aus heißem
Wasser gereinigt und in große Kristalle ver
wandelt. In gleicher Weise kann man Beauxit
oder Kryolith (s. d.) verarbeiten. — In einigen
Gegenden fabriziert man Alaun auch aus.Maun-
schiefer, einem mit Schwefeleisen und Kohle
durchsetzten Tonschiefer, der geröstet und dann
ausgelaugt wird. Hierbei liefert das Schwefel
eisen die zur Bildung von Aluminiumsulfat
nötige Schwefelsäure. Die Entfernung des Eisens
wird durch geeignete Wahl der Konzentration
der Lösung bewirkt und dann wie bei obigem
Verfahren das „Alaunmehl“ erzeugt. — Bei
Tolfa in Italien und bei Munkacs in Ungarn
kommt schließlichein „ A1 a u n s t e i n“ oder „ A1 u -
nit“ genanntes Mineral vor, welches ein basi
sches Kaliumaluminiumsulfat ist. Dieses Ma
terial wird geröstet und mit heißem Wasser aus
gelaugt, wobei unlösliche Tonerde zurückbleibt,
während sämtliche Bestandteile des Alauns in
Lösung gehen und sich beim Erkalten in ge
wöhnlich durch fein verteiltes Eisenoxyd schwach
rötlich gefärbten Kristallen abscheiden. — Der
Kalialaun, K 2 A1 2 (S0 4 ) 4 -f- 24H 2 0, enthält 45,50/0
Kristallwasser, bildet farblose, durchsichtige, bis
weilen sehr große Kristalle,, die sich erst bei
längerem Lagern an der Luft mit einem feinen,
weißen, undurchsichtigen Häutchen von ver
witterter Substanz überziehen, schmeckt herbe
und zugleich süßlich und kann in größeren Do
sen schädlich wirken. Das spez. Gew. wird von
Kopp zu 1,924 angegeben. Beim Erwärmen
schmilzt der A. zunächst in seinem Kristall
wasser und hinterläßt schließlich eine lockere,
weiße, undurchsichtige Masse, die man ge-
branntenA, (Alumen ustum) nennt. Seine Lös
lichkeit ist in heißem Wasser sehr groß, in kal
tem sehr gering, so daß die Reindarstellung
verhältnismäßig leicht gelingt; die Lösung rea
giert sauer. Als häufigste Kristallform zeigt sich
das Oktaeder, an welchem zuweilen die Würfel
flächen abstumpfend auftreten. Besonders ist
dies bei dem früher seiner Reinheit wegen hoch-
geschätzten römischen A. der Fall, welcher
deshalb auch kubischer oder Würfelalaun ge
nannt wurde. Die Würfelform läßt sich da
durch erzielen, daß man zu der heißen konzen
trierten Lösung Pottasche, Soda oder Ammoniak
hinzusetzt, bis ein bleibender Niederschlag ent
steht, und dann erst erkalten läßt. Solche Kri
stalle heißen neutraler oder abgestumpfter Alaun
und sind, chemisch betrachtet, basische Salze.
— Der A..findet vielfache Verwendung, wobei
fast stets nur das Aluminiumsulfat in Wirksam
keit tritt. In der Papierfabrikation dient er zum
„Leimen“, in der Gerberei zum Weißgar
machen der Häute, in der Kattundruckerei und
in der Zeugfärberei zum Beizen. Ferner wird
er benutzt zum Wasserdichtmachen von Zeug
stoffen, die nachher durch Ölsäure gezogen wer
den, zum Klären von Flüssigkeiten usf. In vie
len Fällen muß der A. vollkommen frei von
Eisen sein, dessen Gegenwart mittels Blut
laugensalz (Blaufärbung) nachgewiesen wird.
In der Färberei und Weißgerberei benutzt man
jetzt vielfach statt des A. die schwefelsaure Ton
erde selbst (siehe Schwefelsäure), welche daher
auch oft als „konzentrierter Alaun“ bezeichnet
wird. — Ammoniakalaun (Alumen amonia-
cale), (NH 4 ) 2 A1 2 (S0 4 ) 4 24H 2 0, wird entsprechend
dem Kalialaun hergest'ellt, indem man Alumini
umsulfat statt mit Kaliumsulfat mit Ammonium
sulfat versetzt. Er enthält 49,62 0/0 Kristallwasser,
ist leichter in kaltem Wasser löslich als der ge
wöhnliche Alaun und wird wie dieser verwen
det, Der Gehalt an wasserfreiem Aluminium
sulfat beträgt beim Kalialaun 10,80/0, beim Am-'
moniakalaun 11,9 o/ 0 und beim sog. konzentrier
ten Alaun (s. o.) 15,40/0. Ammoniakalaun, wel
cher übrigens häufig ein Gemisch mit Kalialaun
ist, gibt beim Behandeln mit Ätzkali den stechen
den Geruch nach Ammoniak (Salmiakgeist). —
Natronalaun wird nur selten benutzt, da er
schnell verwittert, trübe wird und schließlich zu
einem weißen Pulver zerfällt. — Der Chrom
alaun, K 2 Cr 2 (Sö 4 ) 4 -)- 24 H 2 0 (Alumen chromi-
cum), in welchem das Aluminium durch Chrom
ersetzt ist, wird vielfach als Abfallprodukt der
Teerfarbenfabriken, welche die Chromsäure als
Oxydationsmittel benutzen, erhalten und in der
Färberei und Gerberei verwandt. Er besteht aus