Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Girofle 
139 
Glas 
snasse für Papier oder zur Herstellung weißer 
Glanzpapiere verwandt. Den gebrannten G. be 
nutzt man zu Gipsgußarbeiten, namentlich: Gips 
figuren, Stukkaturarbeiten, Gipshoblformen, fer 
ner zu chirurgischen Zwecken {Gipsverband), zu 
Estrich, zum Stereotypieren usw.; den totgebrann 
ten zu gewissen Glasurmassen. 
Giroflö (Methylenviolett), ein Safraninfarb 
stoff, wird durch Einwirkung von salzsaurem 
Nitrosodimethylanilin auf ein Gemenge von salz- 
saurem Metaxylidin und Paraxylidin erhalten. 
Das braune, in Wasser mit roter Farbe lösliche 
Pulver wird im Kattundruck zum Tönen von 
Alizarinviolettdruckfarben benutzt und färbt ge 
beizte Baumwolle rotviolett. 
Glas (lat. Vitrum, frz. Verre, engl. Glass) ist ein 
amorphes Gemenge verschiedener Silikate, beson 
ders des Kalzium-, Kalium- und Natrium- sowie 
des Bleisilikats. Vom chemischen Standpunkte 
aus unterscheidet man zwischen Kalium Kalzium 
glas, Natrium-Kalziumglas. Kalium-Bleiglas und 
Aluminium-Kalzium-Alkaliglas. Das Kalium-Kal 
ziumglas liefert das böhmische Glas, das 
vollständig farblos ist und sich durch Schwer 
schmelzbarkeit sowie durch Härte und Wider 
standsfähigkeit auszeichnet. Das Natrium-Kal 
ziumglas ist bläulich, leichter schmelzbar, aber 
härter ;ils das vorige und wird als französi 
sches Glas bezeichnet. Aus ihm werden die 
gewöhnlichen Trinkgefäße, das Fensterglas, die 
chemischen Glasgeräte sowie das zu optischen 
Zwecken benutzte Crownglas bereitet. Das 
Kalium-Bleiglas, zu dem das Flintglas und der 
Strass gehören, zeichnet sich durch hohes spez, 
Gew. und starke Lichtbrechung aus. Das . Alu- 
ßv.nium-Kalzium-Alkaliglns endlichbezeichnetman, 
da es meistens zur Herstellung von Flaschen 
dient, als Bouteiüenglas. Es enthält fast stets 
Elsensilikate und ist deshalb gelblich oder grün 
lich gefärbt. — Als Rohmaterialien zur Glas- 
hereltung dienen hauptsächlich Kieselsäure, 
Kalk, Natron, Kali und Blei. Die Kieselsäure 
"drd in Form von Sand, Feuerstein oder Quarz 
stücken verwandt, der Kalk entweder als Kalk 
spat. Marmor und Kreide (weißes G.) oder von 
Mergel und Kalkaschen ^grünes G.), das Natron 
"i Gestalt von Glaubersalz oder Soda, das Kali 
als gereinigte oder robe Pottasche, und das Blei 
als Mennige oder Glätte. Die färbende Eigen 
schaft verschiedener Metalloxyde, wie Eisenoxyd, 
Kobaltoxyd, Kupferoxyd, wird bei der Erzeugung 
farbiger Gläser verwertet. Um aus gewöhn 
lichem G., das infolge seines Eisengehaltes fast 
'trimer grünlich oder gelblich erscheint, weißes 
G. zu gewinnen, entfärbt man es durch Mangan- 
Superoxyd oder durch Mennige, arsenige Säure, 
Selen und Salpeter. Ein wichtiges Material zur 
Glasbereitung bietet schließlich auch der aus 
Glasscherben der verschiedensten Herkunft be 
gehende Glasbruch. Zur Herstellung des G. 
"drd der Satz, die je nach der Glassorte zu 
sammengestellte Mischung, gemahlen und in 
feuerfesten Tiegeln (Glasbäfen) in Schmelzöfen 
fGlasöfen) geschmolzen. Die sich dabei auf der 
Dberfläche ansammclnde Glasgalle, die aus 
dünnflüssigen, durch die Kieselsäure nicht ge 
Mtcdenen Salzen besteht und nebst den Blasen, 
Knoten, Steinen und Streifen die sog. Fehler 
“ es G. bildet, muß entfernt werden. Infolge 
ihrer Zähigkeit eignet sich die flüssige Masse 
nicht zum eigentlichen Gießen in Formen, viel 
mehr ist alles sog. gegossene G. in Formen 
gepreßt, und selbst die Spiegeltafeln verdanken 
hre Flächen nicht ausschließlich dem Guß, son 
dern nebenbei der Preßwalze. Die meisten Glas 
waren werden daher geblasen, und zwar nicht 
nur die eigentlichen Hohlglaswären, sondern 
auch das Fensterglas und die Gläser zu den billi 
geren Spiegeln. Durch geschicktes Hantieren mit 
der aufgeblasenen Masse, Schwenken, Drehen, 
Rollen. Stauchen und mit Anwendung sehr ein 
facher Werkzeuge, wie Blaserohr (Pfeife), Stä 
ben, Scheren und Stangen formt der Glasarbeiter, 
indem er, so oft als nötig, die erstarrende Masse 
am Feuer.wieder erweicht, aus einem Klumpen 
Glasmasse die verschiedensten Gegenstände. 
Durch mechanische, mit Preßluft arbeitende Vor 
richtungen nach Sie wert u. a. ist die Handarbeit 
vielfach erleichtert und zum Teil verdrängt wor 
den. Flaschenblaseinaschinen nach Owens u. a. 
stellen Gegenstände aus Hohlglas in ungeheurer 
Menge völlig automatisch her. Das Fenster 
oder Tafelglas wird entweder als Mondglas 
oder als Walzenglas hergestellt. Ersteres er 
hält man durch Blasen einer großen, hohlen Ku 
gel, die durch Abziehen von der Pfeife geöffnet 
und nun so lange in Drehung versetzt wird, bis 
sie sicli in eine Scheibe von 1,5 m Durchmesser 
umgewandelt hat. Nach dem Erkalten wird sie 
in mondförmige Stücke zerschnitten, während 
das , Mittelstück (Ochsenauge) zu Butzenscheiben 
Verwendung findet. Zur Gewinnung des Walzen 
glases wird vor der Pfeife ein größerer Zylinder 
geblasen und dieser nach dem Durchschneiden 
auf einer im Streckofen befindlichen Platte mit 
tels besonderer Polierhölzer geglättet. Das 
Spiegelglas entsteht meist durch Gießen und 
Walzen sowie durch nachheriges Schleifen und 
Polieren. Die gewölbten oder parabolischen 
Fensterscheiben erhält man aus ebenen Tafeln 
dadurch, daß man sie auf gewölbten gußeisernen 
Platten im Glühofen erweichen läßt, bis sie sich 
auf der Unterlage überall angelegt haben. In 
ähnlicher Weise werden die Uhrgläser aus dem 
Rohen gebildet. Das sog. Musselin- oder Ja 
lousieglas, das durch weiße Verzierung teil 
weise undurchsichtig gemacht ist, wird entweder 
durch Ätzen mit Flußsäure oder durch Einbrennen 
eines aus Knochenasche und leicht flüssigem G. 
bestehenden Musters hergestellt. Gegossenes, 
Voh gelassenes Tafelglas wird gegenwärtig viel 
fach zu Bedachungszwecken für Lichthöfe, Eisen- 
bahnhallen und Gewächshäuser, starkes Tafel 
glas, meistens das sog. rheinische Doppelglas, 
zu photographischen Platten benutzt. Die ge 
staltenreichste Gruppe der Glaswaren bildet das 
Hohlglas, das alle gefäßartigen Glaskörper, 
Zylinder, Flaschen usw. umfaßt und in Grün 
hohlglas, ordinäres Weißglas und Kri 
stallglas unterschieden wird. Das Haupt 
erzeugnis bilden Flaschen, von den rein weißen 
Medizinflaschen bis zu den dunkelgrünen Bier- 
und Champagnerflaschen und den mächtigen, 
zur Aufnahme von Säuren, Petroleum, Ölen usw. 
bestimmten Ballonen. , Alle diese Hohlkörper 
werden geblasen, sei es aus freier Hand oder 
mit Benutzung von Hohlformen, in deren Innern 
das Auf blasen der Glasmasse erfolgt. Die An-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.