Glas
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Glaubersalz
Wendung der letzteren ist besonders dann ge
boten, wenn die Gefäße eine andere als runde
Form haben, oder an der Oberfläche irgendwie
gemodelt oder wie geschliffen aussehen sollen.
Derartig durch Formen verzierte Hoh'g'äser pflegt
man gepreßte zu nennen, wiewohl diese Be
zeichnung eigentlich nur solchen Waren zu
kommt, welche wie Teller, Salzfässer usw. wirk
lich durch Einpressen von glühender Glasmasse
zwischen die zwei. Teile einer Metallform her-
gestellt sind. Zur Färbung der Gläser werden
dem Glasflüsse verschiedene Metalloxyde hinzu
gesetzt. Kupferoxyd färbt smaragdgrün, Mangan-
oxyd violett, Kobaltoxyd blau, Kupferoxyd und
Gold rot. Zinnoxyd macht die Glasmasse weiß
und undurchsichtig (Emailglas) und gibt, in
Verbindung mit Farben, matte farbige Gläser.
Die bunten Glasfenster sind meist durch Über
fangen erzeugt, ;d. h. man plattiert eine weiße
Glasschicht mit einer dünnen, farbigen, was
dieselbe Wirkung hervorruft, als sei die Masse
durch und durch gefärbt. Geschliffene Hohl
glaswaren werden durch Schleifen auf umlaufen
den Scheiben aus Eisen, Sandstein und Holz
hergestellt, wobei noch Sand und Schmirgel als
Schleifmittel Verwendung finden, vielfach auch
mit dem Sandgebläse oder der Sandblasmaschine
bearbeitet. Glasröhren erhält man durch
schnelles und gleichmäßiges Ausziehen einer
Glasblase nach zwei Richtungen hin, Glas
perlen entweder durch Zerschneiden von Glas
röhren und Abschleifen der Kanten, oder durch
direktes Blasen an der Lampe, facettierte
Perlen auch durch Pressen der Glasmasse in
zangenartigen Formen. Das englische Kri
stall- oder Flintglas, ein bleihaltiges G., das
aus sehr reinen Materialien besteht und zu op
tischen Gläsern und Linsen dient, wird in kleinen
Tiegeln dargestellt und nach dem Zerschlagen
der letzteren durch Schleifen weiter zugerichtet.
Straß ist ein sehr bleireiches G., aus welchem
künstliche Edelsteine und Similidiamanten her
gestellt werden; der künstliche Aventurin, ein
mit glänzenden Flittern durchsetztes Glas. Durch
gewisse Zusätze werden neuerdings Glassorten
von ganz besonderen Eigenschaften erzeugt. Mit
geringen Borsäuremengen hergestelltes, sog. Eu-
phosglas, ist für ultraviolette Strahlen undurch
lässig und daher für Brillen empfohlen worden.
Durch Verwendung von Barium an Stelle des
Bleies und von Borsäure an Stelle der Kiesel
säure erhält man die sehr widerstandsfähigen
Baryt- und Boratgläser. Erhebliche Zusätze
von Magnesia (9%) und Zinkoxyd (6 °/o) zu ge
wöhnlichem Bleiglas erhöhen die Elastizität und
liefern das besonders für Bergmannslampen be
nutzte unzerbrechliche Glas, das plötzliche
Abkühlung von 100 auf 15 0 durch Eintauchen in
Wasser verträgt. Noch überlegen ist ihm das
Schottsche Borosilikat-Verbundglas für
Wasserstandsrühren an Dampfkesseln, das bei
2,s mm Stärke einen Druck von 300 Atm. aushält
und bei 230 0 mit kaltem Wasser abgeschreckt
werden kann. Die Eigenschaften des G. sind je
nach der Zusammensetzung verschiedene. Das
spez. Gew. beträgt bei Alkalikalkgläsern 2,400
bis 2,600, bei Alkalibleigläsern 3—4. Die Härte
steigt mit zunehmendem Kieselsäuregehalt, Gegen
Säuren besitzt Glas eine große Widerstandsfähig
keit, während Alkalien es mehr oder weniger
angreifen. Beachtenswert ist das Verhalten des
G. gegen verschiedene Temperaturen, Bei der
Herstellung schnell abgekühltes G. zerspringt
sehr leicht, während bei zu langsamer Abkühlung
eine Entglasung stattfindet und die Masse por
zellanartig wird. Werden bis fast zum Erweichen
erhitzte Glasgegenstände in ein warmes Fett
oder Paraffinbad eingetaucht, erhält man das
sich durch große Härte und Dehnbarkeit aus
zeichnende PI artglas. Das Lichtbrechungsver
mögen ist bei rasch gekühltem G. doppelt so
groß als bei langsam gekühltem, Glas ist ein
schlechter Leiter der Wärme und Elektrizität und
zeigt ein eigentümliches Verhalten gegen direk
tes Sonnenlicht, indem fast alle Glasarten durch
dieses verschiedenartig gefärbt werden. Fabri
ken für grünes und ordinäres weißes Hohl- und
Fensterglas sind jetzt überall verbreitet, da sie
nicht mehr ausschließlich auf Waldgegenden
angewiesen sind, sondern allgemein mit Stein-
und Braunkohlen arbeiten. Am meisten findet
die Holzfeuerung noch in Böhmen statt, das
nächst Venedig der älteste Sitz der Glasmacherei
ist und dessen Industrie lange Zeit die erste war.
Zurzeit haben wir auch in Deutschland zahlreiche
hervorragende Glasfabriken, insbesondere die
Thüringer (Jena) Gläser sind in der ganzen Welt
berühmt. ..
Glaspapier nennt man das beka'nnte, durch
Ankleben von Flintstein- oder Glaspulver unter
Anwendung von Leim auf Papier hergestellte
Schleifpapier, das zum Abschleifen von Holz,
Leder u. a. benutzt wird. Zum Abschleifen von
Metall nimmt man an Stelle von Glas und Flint
stein Schmirgel in Form von Schmirgelpapier
und -leinen. Alle vorstehenden Sorten werden,
je nach der Körnung des Grundstoffes, in ver
schiedenen Feinheitsgraden hergcstellt.
Glaswolle. Unter diesem Namen kommt ein
außerordentlich lockeres und leichtes, im Äu
ßeren der gereinigten Baumwolle ähnliches Mate
rial in den Handel, das aus äußerst feinen
Glasfäden besteht und zum Filtrieren von starken
Säuren, Laugen, Silberbädern usw. benutzt wird,
G. wird in verschiedenen Feinheitsnummern,
von Nr. o bis Nr. 3, im Preise von 150—160 M-
für 1 kg in der Weise hergestellt, daß man von
einem fortwährend im Glühen erhaltenen Glas
stabe das dünn ausgezogene Ende auf die Peri
pherie eines sich schnell umdrehenden großen
Rades wirft. Der aufgehaspelte Faden zerbricht
beim Abnehmen vom Rade in einzelne Stücke,
die sich lockenartig zusammenrollen.
Glaubersalz (Natriumsulfat, schwefeL
saures Natrium, lat. Natrium sulfuricum, frz.
Sulfate de soude, engl. Sulphate of sodium,
Sodium sulphate). Das Salz hat seinen Namen
von dem Arzt und Alchimisten Glauber, der es
1658 als ein besonderes Salz erkannte und als
Glaubersches Wundersalz (Sal mirabile Glauberi)
in die Chemie einführte. Der Stoff kommt in
zweierlei Zuständen vor, als kristallisiertes
Salz, die gewöhnliche käufliche Form, das eigent-
liehe G., in großen farblosen, schief rhombi
schen, längsgestreiften Säulen, und als wasser
freies Salz. Das erstere, Na 2 S0 4 -f-ioH 2 0, ent
hält in 100 Teilen 19,36 Natron, 24,8t Schwefel
säure und 25,83 Kristallisationswasser, das li;tz-