Grenada
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Grünspan
scheuert wird, daß es bald seine Spitzen und
Schalen verliert. Das Mahlgut gelangt durch ein
Loch in der Zarge auf Siebe, durch welche es
in Graupen, Mehl und Kleie geschieden wird.
Für die kleineren Nummern (Gräupchen oder
Perlgraupen) wird das Getreide vorher ge
brochen, und zwar jetzt meistens zwischen scharf
geriffelten Metallwalzen. Die hier sich ergeben
den, zum Teil schon enthülsten Stückchen
werden dann auf entsprechend ferneren Grau
pengängen gerundet und geschliffen, und die
verschiedenen Größen auf Siebwerken sortiert.
Das Schwefeln und Talkumieren, wodurch der.
unansehnlichen G. aus bläulicher russischer.
Gerste das Aussehen deutscher Ware verliehen
wird, ist als unzulässig anzusehen.
Grenade (Grenadine), ein rotbrauner Farb
stoff aus den unreinen Rückständen der Anilin
rotherstellung, wird als billiges Farbmaterial für
gemischte Farben auf Wolle, Baumwolle, Seide
und Leder benutzt, ist aber zuweilen arsenhaltig.
G. und Grenat scheinen identisch zu sein.
Grenadillholz, ein rotes Tischlerholz unbe
stimmter Abstammung aus Westindien, wird auch
rotes Ebenholz genannt.
Grenadine, ein meist künstlich gefärbter, mit
Hilfe von Granatäpfelsaft und der gleichen
Menge Zucker sowie unter Zusatz von etwa 2 °/o
Zitronensäure hergestellter Sirup, welcher in Ita
lien und anderen südlichen Ländern zur Be
reitung von Limonaden Verwendung findet, wird
aus Frankreich eingeführt.
Grenadine. Mit diesem Namen, bezeichnet man
eine feste Seide, die zu Spitzen, Posamentier
artikeln und ähnlichen Waren verwendet wird,
und außerdem gewisse halbseidene, gazeartige
Stoffe.
Grieß (frz. Gruau, engl. Grit), ein Mittelding
zwischen den feinsten Graupen und Mehl, besteht
aus kleinen Bruchstückchen des Getreidekorns,
die beim weiteren Vermahlen Mehl liefern wür
den. Weizengrieß, die häufigste, in Küche und
feiner Bäckerei viel verbrauchte Ware, entsteht
bei der heutigen Art des Mahlens immer, auch-
wenn es auf Mehl abgesehen ist, beim ersten
Durchgänge des Getreides durch die Steine, weil
man hiermit zunächst nur die Körner zu ent-
schälen beabsichtigt. Erst später wird das Mahl
gut in Schalen, Mehl und Grieß gesondert, und
letzterer allein zu feinem Mehl (Grießmehl) wei
ter vermahlen. Soll der Grieß als Haupterzeugnis
dargestellt werden, so ist nur der Mahlgang so
zu stellen, daß davon möglichst viel, neben wenig
Mehl, entsteht. Nach der Entfernung von Mehl
und Hülsen wird der G. auf Siebwerken in ver
schiedene F einheitsnummern sortiert. M a i s g r i e ß,
der in den Mais bauenden Ländern massenhaft
erzeugt und verbraucht sowie in andere Länder
ausgeführt wird, ist von schöner gelber Farbe
und bildet in Italien den Stoff zu der volkstüm
lichen Polenta. 'Reisgrieß wird aus fein ge-
schrotenem Reis hergestellt.
Grindelia robusta, eine bis 9 dm hoch wer
dende kalifornische Komposite, einer kleinen
Sonnenblume ähnlich, aber mit einem klebrigen,
harzigen Überzüge bed'eckt, soll gegen Haut
krankheiten, Asthma und Fieber benutzt werden.
Man verwendet hierzu das Kraut im blühenden
Zustande (lat. Herba grindeliae, frz. Herbe de
grindelie, engl. Grindelia).
Grude, der bei der Braunkohlenschwelerei
zurückbleifaende Koks, brennt langsam und ruhig,
gibt aber eine intensive Hitze. Er ist eines der
billigsten Heizmaterialien und wird in besonders
konstruierten Öfen (Grudeöfen) gebrannt. Man
bezieht ihn aus der Gegend von Halle und
Weißenfels.
Grünkern ist rheinischer, im Zustande der be
endigten Milchreife geernteter Spelz oder Din
kel, der als Material zu vorzüglichen Kraft
suppen in den Handel kommt. Die Ähren werden
im Backofen künstlich getrocknet, die Körner
auf besonderen Mühlen geschält.
Grünspan (Spanischgrün, Spangrün, lat.
Aerugo, frz. Verdet, engl. Verdigris). Diesen
Namen führen zwei Verbindungen des Kupfers
mit Essigsäure, nämlich das neutrale Kupfer-
azetat (s. d.), das als kristallisierter oder de
stillierter G. bezeichnet wird, und das basische
Kupferazetat, der gewöhnliche oder gemeine
G. Die Erzeugung des letzteren ist seit lange in
den Weinbaugegenden Südfrankreichs heimisch
und wird als Nebenbeschäftigung der Winzer,
vön denen fast jeder seinen eigenen Grünspan-
kellef hat, betrieben. Die meist in den Händen
der Frauen liegende Arbeit bestellt darin, daß
Streifen von Kupferblech mit gärenden, Essig
säure entwickelnden Weintrestern in Berührung
gebracht werden, und ähnelt somit der alten
Methode der Bleiweißherstellung. Der entste
hende G„ der je nach dem Feuchtigkeitsgehalte
in steinharten, gewöhnlichen halbharten und
feuchten (bis zu so °/o Wasser) unterschieden
wird, kommt in viereckigen Broten von 4—S kg
Gewicht oder in etwas kleineren Kugeln oder
auch pulverisiert in den Handel und wird als
Kugelgrünspan (Aerugo in globulis) bezeich
net, Die meist hellblaue, wenig grünliche Masse,
die wie mit fremden weißen Teilchen 1 durch
knetet erscheint und oft durch Treber ver
unreinigt, bisweilen auch durch Gips, Kreide,
Schwerspat verfälscht ist, besteht in der
Hauptsache aus dem basischen Kupferazetat;
Cu(C 2 H;)0 2 )2 . CuO -j- 6H 2 0, neben geringen Men
gen eines noch basischeren Salzes. Sie führt
auch den Namen blauer oder französischer
G. — Eine mehr fabrikmäßige und rationellere
Methode besteht darin, daß man abwechselnd
Kupferplatten und mit Essig getränkte Flanell
stücke aufeinanderschichtet. Die so erhaltene
rein grüne Ware (grüner oder schwedischer
G.) besteht aus reinem basischen Kupferazetat.
— Der G. bildet eine zähe, schwer pulverisier-
bare Masse, die sich sowohl in Essig und Mi
neralsäuren wie in Ammoniak ohne erheblichen.
Rückstand lösen muß. Er findet beschränkte
medizinische Anwendung in Form von Salben
sowie in der Tierheilkunde als Ätzmittel. Auch
dient er als geringwertige, wenig deckende An
strichfarbe und als Ausgangsmaterial zur Her
stellung anderer Kupferverbindungen. — Die
Handelsverhältnisse haben sich zurzeit so ge
staltet, daß die billigere und völlig gleichwertige
deutsche Erzeugung die Einfuhr aus Frankreich
entbehrlich gemacht hat. —- Zu Unrecht wird
bisweilen auch der auf Kupfergegenständen an
der Luft entstehende grüne Überzug (Patina),