Guarana
150
Gummiarabikum
Peru-G. ist eine lehmgelbe oder bräunliche, teils
erdig-krümliche, teils klumpige Masse, die wegen
ihres durchdringenden Ammoniakgeruches fast
nur von Chinesen abgegraben und verarbeitet
wird. Die Anglo-kontinentalen (vorm. Ohlendorffschen)
Guanowerke in Hamburg, London,
Antwerpen, Emmerich und M, H. Salomonsohn
in Rotterdam und Düsseldorf bringen ihn in
gemahlenem Zustande in den Handel. An wertbestimmenden
Stoffen enthält er 4 bzw. 7 °/o
Stickstoff und 20 bzw. 14% Phosphorsäure. Zur
Erleichterung der Assimilierbarkeit wird der
Peru-G. jetzt meist mit Schwefelsäure behandelt
und als aufgeschlossener Peru-G. verkauft.
Von anderen stickstoffhaltigen, aber geringwertigeren
Sorten sind noch der Ischaboe-G. von
Südwestafrika sowie der ägyptische und patagonische
G. zu erwähnen. Unter den stickstoffarmen,
dafür aber phosphorsäurereicheren Sorten
spielt der Baker-G. von der Bakerinsel im
Stillen Ozean, eine erdige, lehmfarbige, geruchlose
Masse, die Hauptrolle. Daneben wird der
Saldanhabay-, Jarvis-, Bolivia- und Sombrero-G.
gehandelt. Alle diese bis 40% Phosphofsäure
enthaltenden Guanos werden meist in
aufgeschlossenem Zustande, als Superphosphate,
verbraucht. Zum Schutz gegen die häufigen
Verfälschungen empfiehlt es sich, die Garantie an
Stickstoff und Phosphorsäure durch eine Analyse
kontrollieren zu lassen. Zum Schutz gegen
Wasseranziehung muß der Peruguano trocken
gelagert werden. Fischguano, Walfisch-G.,
Granat-G. führen ihren Namen zu Unrecht,
da sie nicht aus Vogelexkrementen bestehen.
Guarana (lat. Pasta guarana, frz. Guarana,
engl. Guarana paste), eine aus Brasilien eingeführte
Paste, die von den Eingeborenen am
Amazonenstrome aus den Samen von Paullinia
sorbiiis, einem zu den Sapindazeen gehörigen
Baume, bereitet wird, gelangt teils zum
Verkauf und wird teils im Ursprungslande selbst
verbraucht. Die gerösteten, gestoßenen und mit
etwas Wasser zu einem Teige gekneteten Samen
werden in längliche oder spindelförmig gerollte
Kuchen geformt, an der Sonne oder im Rauche
der Hütten getrocknet und bilden eine harte, rotbraune,
etwas fettglänzende, mit helleren Samenbruchstückchen
durchsetzte Masse. Geringeren
Sorten soll Maniokmehl beigemischt sein.
Die bis zu s °/o Koffein enthaltende Masse quillt
im Wasser auf, riecht eigentümlich, altem sauren
Brote ähnlich, schmeckt adstringierend und gelinde
bitter und wird von den Indianern als anregendes
Heilmittel benutzt. Offizineil findet
sie gegen Migräne Anwendung.
Quaviroba, die süßen Beeren der im tropischen
Amerika heimischen Abbevillea-Arten,
strauchartiger Gewächse aus der Familie der
Myrtazeen, bilden im Ursprungslande ein beliebtes
Obst.
Guignets Grün, eine in Wasser unlösliche,
schön grüne Maler- und Anstrichfarbe aus
wasserhaltigem bcrsaurem Chromoxyd, wird als
Ersatz für das giftige Schweinfurtergrün empfohlen.
Guineagrün, ein dunkelgrünes, glanzloses, in
Wasser und in Alkohol lösliches Pulver, das
Seide und Wolle im sauren Bade grün färbt,
besteht aus dem Natronsalze der Diäthyldibenzyldiamidotriphenylkarbinoldisulfosäure.
Guineapfeffer nennt man hauptsächlich den
Kayennepfeffer und gewisse Formen des spa
nischen Pfeffers, bisweilen auch Paradieskörner
oder Kardamomen. Ursprünglich hießen so die
brennend scharfen Samen einer in Afrika hei
mischen Habzelia, die vor dem eigentlichen
Pfeffer in Europa gebräuchlich waren und nach
denen ein Teil der afrikanischen Westküste den
Namen Pfefferküste erhalten hat.
Gummiarabikum, Mimosengummi (lat. G.
arabicum seu mimosae, frz. Gorame arabique,
engl. Arabic gum), das seit dem Altertum be
kannte Klebmittel, kam niemals aus Arabien,
sondern aus Afrika, wo es von verschiedenen
Akazien, besonders Acacia Verek, A. arabica und
gummifera gewonnen wird. Während der Som
mermonate bis zum Beginn der Regenzeit im
Oktober füllen sich die Hölzer mit dem Gummisafte,
der in der folgenden Zeit der heißen
Winde durch Rindenrisse ausfließt und erhärtet.
Mit der 'Häufigkeit der Winde steigt die Aus
beute. Das für pharmazeutische Zwecke besonders
geeignete Kordofan Sudangummi, das
in Form grünlichweißer, stark rissiger und leicht
zerbröckelnder kugeliger Stücke in den Handel
gelangt, stammt aus der Gegend des weißen Nils
und des Atbara. Während der Abschneidung
des Sudans vom Handelsverkehr fand das in
Kadariff, der Umgegend von Kassala, gesammelte
Gezirehgummi, weniger kugelige, mehr bläu
lichweiße Stücke, über Massaua vielfach Eingang.
Als Ersatzmittel dienen ostindische Sorten, Mogadore-G.
(aus Marokko) und besonders Senegalgummi,
das an den Ufern des Senegal am
Rande der Sahara von Eingeborenen gesammelt
und auf französischen Schiffen nach Bordeaux
und Marseille gebracht wird. Die kugel- bis
walzenförmigen Stücke mit rauher, von netz
förmigen Rißlinien durchzogener Oberfläche zeigen
glänzenden Bruch, blaßgelbliche bis dunkel
braune Farbe und säuerlichen Geschmack und
lösen sich in kaltem Wasser langsam unter
Hinterlassung eines Rückstandes. Wegen seiner
hygroskopischen Eigenschaft eignet das Senegal-G.
sich nicht zum Pulvern, da es hierbei leicht
zusammenballt; seine Anwendbarkeit ist überhaupt
begrenzter als die des eigentlichen G. und
beschränkt sich auf wenige technische Zwecke.
Alle Sorten von G. und seinen Ersatzmitteln,
deren schwer zu unterscheidende Bezeichnungen
von den Erzeugungsländern oder Ausfuhrhäfen
entnommen sind, kommen immer „in sortis", d. h.
aus großen und kleinen, hellen und dunklen
Stücken gemengt in den Handel und werden erst
vom Drogisten durch Auslesen (G. electum) oder
Sieben geschieden. Die beste Sorte, G. albissimum,
besteht aus den ganz farblosen und weißen
Stücken, während die zweite Sorte, G. electum,
die noch ausgelesenen besseren, aber doch
schwach gelblich oder rötlich gefärbten Stücke
enthält. Bisweilen werden auch gefärbte Stücke
durch Bleichen mit schwefliger Säure, nachfolgendem
Neutralisieren mit Bariumkarbonat
und Filtrieren über frisch gefällte Tonerde in
G. albisstmum verwandelt. Gepulvert in den
Handel kommendes G. ist oft stark verunreinigt,
,— In chemischer Hinsicht besteht das Gummi