Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Hai-Thao

Hanf

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fischtran  dient  zur  Verfälschung  des  Lebertrans ­
  (s.  d,).  Das  Fleisch  wird  als  Viehfutter
sowie  zur  Herstellung  von  Düngemitteln  (Haifischguano) ­
  benutzt.
Hai-Thao,  eine  aus  Kotschinchina  stammende
getrocknete  Meeresalge,  die  als  Appreturmittel
für  Baumwollengetf'ebe  benutzt  wird,  kommt  in
Form  grober,  glatter  Fasern  von  30  cm  Länge
in  den  Handel.  Die  Masse  löst  sich  in  kochendem ­
  Wasser  zu  einer  schleimigen  Flüssigkeit,
die  zur  Erzeugung  eines  geschmeidigen  und
dabei  kernigen  Griffs,  jedoch  nur  für  feine  Gewebe, ­
  benutzt  wird.  Für  steife  und  schwere
Appretur  ist  sie  nicht  geeignet.
Halwa  (Halva),  ein  Backwerk  aus  Honig
öder  Zucker,  Sesamöl  und  Mehl  oder  Grieß,
wird  in  großen  Mengen  von  der  Türkei  ausgeführt. ­

Hamamelis.  Von  dein  in  Nordamerika  heimischen ­
  Strauche,  Hamamelis  virginiana  L.,
kommen  die  Blätter  und  die  Rinde  in  den  Handel. ­
  —  Die  Hamamelisblätter  (lat.  Folia  hamamelidis,
  frz.  Feuilles  de  hamamelis,  engl.  Hamamelis ­
  leaves)  haben  eine  herzförmige  oder
abgerundete  Gestalt,  eine  Länge  von  10—15  cm
und  einen  herben  Geschmack  und  enthalten  bis
etwa  250/0  Extraktstoffe.  —  Die  Hamamelisrinde
  (lat,  Cortex  hamamelidis,  frz.  Ecorce  de
hamamelis,  engl.  Hamamelis  bark)  bildet  rötlichbraune, ­
  oft  noch  mit  einer  silbergrauen
Korkschicht  bedeckte  röhren-  oder  bandförmige
Stücke  von  faseriger  Struktur  und  zusammenziehendem ­
  Geschmack.  Als  wichtigste  Bestandteile ­
  sind  Fett,  Gerbstoff,  Glykose  und  Extraktstoffe ­
  vorhanden.  —  Blätter  wie  Rinde  werden
gegen  Ruhr,  Diarrhöe,  innerliche  Blutungen  usw.
angewandt.  Aus  den  Blättern  wird  außerdem
ein  Fluidextrakt  (lat.  Extractum  Hamamelidis ­
  fluidum),  aus  der  Rinde  durch  Destillation
das  in  England  und  Amerika  gegen  Blutungen
vielfach  benutzte  Hazalium  hergestellt.
Hamburger  Masse,  eine  zum  Anstrich  von
Akkumulatorenlagern  benutzte  Lösung  von
60  Teilen  Äsphaltbitumen  in  40  Teilen  Schwefelkohlenstoff, ­
  ist  wegen  ihrer  großen  Feuergefährlichkeit ­
  mit  großer  Vorsicht  zu  handhaben.
Hanf  (frz.  Chanvre,  engl.  Hemp).  Die  besonders ­
  durch  ihre  Faser,  in  zweiter  Linie  ihren
Ölgehalt  überaus  wertvolle  Hanfpflanze,  Cannabis ­
  sativa,  gedeiht  unter  den  verschiedensten ­
  Breitegraden  und  Bodenverhältnissen  und
wird  daher  sowohl  auf  den  Ebenen  Persiens,
Indiens  und  Arabiens,  wie  in  ganz  Afrika,  Amerika ­
  und  Europa  bis  nach  Archangelsk  hinauf
angebaut.  Die  Pflanze  ist  wie  der  nahe  verwandte ­
  Hopfen  und  die  Nessel  zweihäusig  und
kommt  somit  sowohl  in  einer  männlichen,
schwächer  entwickelten  (Hanfhahn,  Sommerhanf, ­
  fälschlich  Femmel),  wie  auch  in  einer
kräftigeren,  weiblichen  Torrn  vor.  Hauptsächlich ­
  die  letztere  findet  technische  Verwendung.
Die  Art  des  Anbaus  und  der  Ernte  richtet  sich
danach,  ob  die  Faser-  oder  Ölgewinnung  die
Hauptsache  ist.  Im  ersteren  Falle  sät  man  sehr
dicht  und  zieht  noch  vor  der  Reife  im  zarteren
Zustande,  während  man  im  letzteren  Falle  die
Samen  erst  reifen  läßt.  Zur  Gewinnung  der
Faser  werden  die  Pflanzen  wie  Flachs  auf  dem
Felde  oder  in  Wasser  geröstet,  gebrochen,  darauf ­

  meist  unter  Stampfen  oder  in  Kollergängen
bearbeitet  (Boken)  und  schließlich  geschwungen
und  gehechelt.  Die  feineren  Fasern  bilden  den
Spinn-  oder  Brechhanf,  die  stärker  verholzten ­
  den  Seilerhanf.  Die  durch  Boken  und  Ausschütteln ­
  von  Schäbe  möglichst  befreite  Ware,
wie  sie  meist  in  den  Handel  kommt,  wird  als
Reinhanf,  oder  wenn  die  Bastschicht  völlig
abgezogen  ist,  als  Schleiß-  oder  Pellhanf
bezeichnet.  Die  Hanffaser  erreicht  bei  einer
Dicke  von  0,02  mm  eine  Länge  von  über  2  m
und  besitzt  ein  ziemlich  breites  Lumen  sowie
Längsstreifen  und  Quetschungen,  an  denen  sie
unter  dem  Mikroskope  leicht  erkannt  wird.  Mit
Jod  und  Schwefelsäure  färbt  sie  sich  blau  und
quillt  in  Kupferoxydammoniak  stark  auf.  Der
H.  wird  nach  Länge,  Feinheitsgrad,  Farbe  und
Reinheit  in  viele  Handelssorten:  ganz-,  halb-,
mittelreinen,  Ausschuß-,  kurzen  und  langen,
Strähn-,  Spinn-  und  Schusterhanf  unterschieden.
Auch  das  Werg  ist  Handelsware  und  dient  zum
Kalfatern.  Am  höchsten  schätzt  man  der  Farbe
nach  den  silber-  oder  perlgrauen,  danach  den
grünlichen  oder  gelblichen,  während  der  braune
H.  für  überröstet  gehalten  wird.  Dumpfig  riechende ­
  Ware  ist  verdorben.  H.  bildet  die  wichtigste ­
  Faser  für  Seile,  Taue  und'grobe,  aber  sehr
feste  Gewebe  und  wird  besonders  für  Fischerei
(Netze)  und  Schiffahrt  in  ungeheuren  Mengen
verbraucht.  Die  Verarbeitung  zu  Garn,  Zwirn
und  Bindfaden  erfolgt  wie  beim  Flachs.  Auch
Papier  wird  aus  H.  hergestellt,  jedoch  besteht
das  sog.  Hanfpapier  der  Geldscheine  jetzt
meist  aus  Flachs.  Als  wichtigste  Ausfuhrländer
kommen  vor  allem  Rußland  und  Italien,  neuerdings ­
  auch  Nordamerika  und  Neuseeland  in  Betracht. ­
  Für  den  deutschen  Bedarf  liefert  aber
auch  das  Rheinland  eine  vorzügliche  Spinnfaser.
Während  des  Krieges  hat  man  den  Anbau,  der
von  21000  ha  im  Jahre  1870  auf  3500  ha  (1905)
gesunken  war,  besonders  auf  Moorboden  erheblich ­
  gesteigert  und  berechnet,  daß  Deutschland ­
  bei  Anbau  von  50000  ha  die  Juteeinfuhr
entbehren  könne.  —  Die  Hanfsamen  (lat.
Semen  cannabis,  Fructus  Cannabis,  frz.  Graines
de  chanvre,  engl.  Hemp  seed)  werden  zum  Teil
zur  Aussaat,  zum  Teil  zur  Ölgewinnung  benutzt.
Der  für  erstere  bestimmte  sog.  Säehanf  soll
von  bester  Beschaffenheit  und  nicht  älter  als
ein  Jahr  sein,  weil  bei  dem  hohen  Ölgehalt
sonst  leicht  ein  die  Keimkraft  schwächendes
Ranzigwerden  eintritt.  Alle  zur  Saat  ungeeigneten ­
  Körner  bilden  die  2.  Sorte,  die  Schlagsaat, ­
  die  wie  andere  Ölfrüchte  ausgepreßt  wird.
—  Das  Hanföl  (lat.  Oleum  cannabis,  frz.  Huile
de  chanvre,  engl.  Hemp  oil),  das  in  größter
Menge  aus  Rußland  kommt,  besitzt  eine  grünliche ­
  oder  bräunlichgelbe  Farbe,  milden  und
faden  Geschmack  und  starken  Hanfgeruch.  Es
hat  ein  spez.  Gew.  von  0,927  und  erstarrt  erst
bei  -—27  °.  Es  eignet  sich  nicht  zu  Speisezwecken, ­
  kann  aber  im  raffinierten  Zustande  als
Brennöl  benutzt  werden.  Am  meisten  benutzt
man  es  zur  Herstellung  von  Schmierseife  sowie ­
  als  trocknendes  Öl  zur  Bereitung  geringer
Firnissorten.  —  Die  Hanfpreßkuchen  dienen
als  Futter  für  Pferde  und  Schafe.  Außer  zur
Ölgewinnung  finden  die  Samen  in  geröstetem
Zustande  sowie  als  Suppe  zur  menschlichen
            
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