Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Holz 
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Holz 
vorhandenen Schlittenwegen gestatten ein Heran 
bringen des Holzes, aus weiten Fernen, und es 
kommt vor, daß Holztransporte bis zu den Häfen 
zwei Jahre unterwegs sind. Der russische Aus 
fuhrhandel geht über Petersburg, Archangelsk, 
Wyborg, Pernau, Narwa und besonders Riga, weit 
aus dem bedeutendsten russischen Holzhandels 
platz, wo auch eine starke Ausfuhr von Eichen 
holz in Stämmen, Blöcken, Planken und Faß 
holz aus den Laubwäldern des südlichen Ruß 
lands, besonders der Gouvernements Kasan und 
Pensa besteht. Die hauptsächlichsten preußi 
schen Ostseeplätze für die Holzausfuhr sind 
Memel und Danzig, an zweiter Stelle auch 
Königsberg, Elbing und Stettin. Sie versenden 
sowohl das eigene H. der zum Teil sehr wald 
reichen preußischen Ostseeprovinzen, als auch 
die bedeutenden Zufuhren aus dem benachbarten 
Rußland und Polen. Neben dem Seetransport 
spielt auch die Zufuhr und Abfuhr auf den 
Flüssen (Oder, Netze, Warthe) und Kanälen eine 
große Rolle, so daß z. B. polnisches Bauholz 
von Halle zu beziehen ist, bis wohin es auf 
Wasserwegen gebracht wurde. — Die Oder 
führt den nicht mehr großen Überschuß der 
oberschlesischen Wälder in großen Langholz 
flößen, die meist mit Flaufen von kleinem Werk 
holz und Eichenholzblöcken beladen sind, ins 
Niederland und bis Stettin. In gleicher Weise 
trägt die Elbe die Hölzer aus der Sächsischen 
Schweiz und aus Böhmen abwärts, empfängt 
von der Saale aus Thüringen (in Naumburg 
und Kamburg finden Holzmessen statt), vom 
Harz und rechts aus den Gebieten der Spree 
und Havel weitere Beiträge und schafft nach 
Hamburg, was nicht unterwegs, z. B. an dem 
Knoten- und Holzhandelspunkt Riesa, schon an 
Eisenbahnen für den Landesbedarf abgegeben 
wird. Das sächsische Vogtland hat keine 
Wasserstraße für Langholz, sondern schafft alles 
mit der Eisenbahn abwärts, nachdem selbst die 
Scheitflößen auf der-Elster eingestellt sind und 
auch das Brennholz der Eisenbahn überwiesen 
worden ist. Das Erzgebirge und Vogtland 
verarbeiten übrigens ebenso wie die Thüringer 
Waldleute einen bedeutenden Teil ihres Holz 
zuwachses selbst und führen ihn in Form der 
mannigfaltigsten Holzwaren, als Kisten und 
Kasten, Schachteln, Rahmen für Schiefertafeln, 
Spielwaren, Zündholzstäbchen u. a. aus. Weiter 
hin bildet die Weser mit der Werra, Fulda, 
Ocker und Aller eine belebte Flandelsstraße 
für die Holzabfuhr Thüringens und Braun- 
schweigs nach Bremen, in viel größerem Maß 
stabe aber-der Rhein, der mit seinen Zuflüssen 
>n eine beträchtliche Zahl holzreicher Gebiete 
hineingreift. Baden, Württemberg und Bayern 
besitzen viele und schöne Laub- und Nadelwäl 
der, wie den Schwarzwald, Spessart, die 
bedeutenden Waldungen des Fichtelgebirges 
utid Böhmerwaldes, welche letztere ihren Ab 
zug nach der Donau nehmen, während die 
Hauptmasse durch den Main und Neckar in 
den Rhein geschafft wird. Das badische 
Murgtal, das durch den Murgfluß mit dem 
Rhein in Verbindung steht und sich durch seinen 
Reichtum schöner Hölzer auszeichnet, liefert 
e benfalls seinen Beitrag, wie auch von der an 
deren Seite durch Saar und Mosel schöne Höl 
zer auf die große Wasserstraße gelangen. 
Mannheim bildet den Hauptstapelplatz für die 
zusammenkommenden Hölzer, ein anderer ist 
Kastell bei Mainz. Hier werden aus den klei 
neren Flößen die großen sog. Holländerflöße 
zusammengebaut, die alljährlich den Rhein hin 
unter nach Holland fahren, und nach denen die 
stärksten und schönsten Stämme von Fichten, 
Tannen und Eichen geradezu Holländerholz 
genannt werden. Die großen Holländerflöße be 
stehen aus mehreren Tausend aneinander be 
festigter und 9—ii dm hoch übereinander ge 
packter Großbäume, haben einen Hauptteil, das 
Steifstück von 150—240 m Länge, einige vorauf- 
gehende Nebenflöße und verschiedene Seiten 
anhänge. Mehrere hundert Ruderer und andere 
Dienstleute bemannen ein solches Floß, das mit 
Wohnungen, Küche und Viehställen versehen ist 
und Bretter, Latten und 'Böttcherholz als Oblast 
trägt. Der Hauptstapel- und Zerlegeplatz für 
diese schwimmenden Inseln ist Dordrecht. In 
neuerer Zeit sind diese Holztransporte seltener 
geworden, da die Fichten- und Tannenstämme, 
wenn sie nicht eine außergewöhnliche Größe 
besitzen, von Schweden und Norwegen wohlfeiler 
geliefert werden. Ohne Nadelholz kann aber das 
stets gesuchte und teure Eichenholz nicht ver 
floßt werden. — Die Donau nimmt die Holz 
transporte auf, die ihr aus Bayern, namentlich 
von den Hauptstapelplätzen Deggendorf, Regens 
burg und Kehlheim auf Isar, Iller und Inn zu 
geführt werden und meist nur bis Wien gehen. 
Aus dem südlichen Ungarn, aus Slavonien, 
Rumänien und Galizien wird Fichtenholz 
in großen Massen zu Resonanzböden sowie na 
mentlich Faßholz (Stabholz) mit der Bahn nach 
Deutschland, Italien und Frankreich gebracht. 
Österreich selbst ist in allen Teilen, mit Aus 
nahme von Dalmatien und Istrien, reich an Wal 
dungen, ja es kommt vor (in den Alpen, Kar 
pathen, Siebenbürgen), daß das H. wegen Un 
zulänglichkeit oder Mangel an Abzugsstraßen gar 
nicht zu verwerten, ist. — Die wichtigsten 
Plätze für den deutschen Holzhandel sind Danzig, 
Memel, Stettin, Königsberg, die Hansestädte 
(besonders für nordische und überseeische Höl 
zer) und die Orte an den flößbaren Strömen: 
Rhein, Donau, Elbe, Weser, Weichsel mit Neben 
flüssen sowie neuerdings auch Eisenbahnstatio 
nen in der Nähe größerer Waldungen oder an 
den Linien nach Österreich und Polen. Für die 
Holzarten des Handels gibt es zahlreiche örtliche 
Bezeichnungen und Gebräuche in bezug auf Ab 
nahme im Walde, Beförderung aus dem Walde 
sowie Lagerung und Verfrachtung, besonders 
beim Verflößen. Die Flöße werden zuerst im 
Kleinen zusammengefügt und dann mit zuneh 
mendem Fahrwasser und wachsender Strombreite 
zu größeren Flößen vereinigt. Auf nicht flöß 
baren Flüssen werden die einzelnen Flolzstücke 
ins Wasser geworfen und von selbst weiter be 
fördert, bisweilen auch durch Stauvorrichtungen 
nach Bedarf festgehalten. Derart geschwemmtes 
H. erleidet durch das Liegen im Wasser eine 
gewisse Wertminderung und wird auf den Floß 
höfen entsprechend billiger verkauft. Die für 
manche Zwecke erforderlichen, möglichst langen 
und ganz reinen Dielen kommen jetzt fast nur 
noch aus Schweden und Norwegen, zum ge
	        
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