Kammersäure
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Kampfer
von Zitronenöl mit Kamillen, gewonnen. — 3. Rö- |
misches K.' (lat. Oleum chamomillae romanae,
frz. Essence de camomille romaine, engl. Oil of
belgian. chamomile), eine ebenfalls blaue, zu
weilen auch grünliche, im Alter bräunlich wer
dende, aber leicht bewegliche Flüssigkeit, wird
in Menge bis zu I °/o gewonnen. Alle drei Öle
werden medizinisch, das römische auch als Zusatz
bei der Bereitung gewisser aromatischer Liköre
benutzt,
Kammersäure, die rohe englische Schwefel
säure, wie sie aus den Bietkammern kommt, ent
hält etwa so°/o Schwefelsäure und dient zur Her
stellung von Superphosphaten und einigen chemi
schen Präparaten.
Kammfett, ursprünglich das aus dem Ober
halse (Kamm) der Pferde auf Abdeckereien aus
geschmolzene Fett, wird heutzutage in beson
deren Anstalten durch Dämpfen der gevierteilten
Pferdekadaver in geschlossenen Zylindern ge
wonnen. Das hierbei als oberste Schicht er
haltene helle und geruchlose Fett, das in der
Kälte butterartig wird, findet als Maschinen
schmiere, zum Einfetten der Wolle sowie zur
Darstellung einer ganz weichen Kaliseife für die
Tuchfabrikation Verwendung.
Kampfer (Kampher, lat. Camphora, frz.
Camphre du Jäpon, engl. Camphor) ist der Haupt
bestandteil des Kampferöls, das sich in dem
Stamm sowie auch den Zweigen und Blättern des
Kampferbaumes (Laurus camphora L. oder
Cinnamomum camphora Nees et Ebcrm.), einer
besonders in China, Japan und auf der Insel For
mosa verbreiteten Laurinee vorfindet. — Zur
Gewinnung unterwirft man die Kampferholzspäne
(ships) einer ziemlich einfachen Destillation mit
Wasser, schöpft das auf dem Destillate schwim
mende Gemisch von festem K. und Kampferöl
ab und filtriert es durch Stroh, wobei der feste
Anteil, der Rohkampfer, zurückbleibt. Er wird
aus Formosa in 50—60 kg enthaltenden, mit
dicken Bleifolien ausgeschlagenen Kisten, aus
Japan in sog. Tubbs, d. h. mit geflochtenen
Matten umkleideten Holzbottichen von etwa 80kg
Inhalt eingeführti kommt aber auch in Bambus |
verpackt als Röhren-K. in den Handel. Zur Be
seitigung beigemengter Fremdstoffe muß der
Rohkampfer einer Reinigung unterworfen wer
den, die früher nur in Europa und Amerika vor
genommen wurde, jetzt aber zum großen Teil
in Japan erfolgt. Die Raffination in Europa (z. B.
Hamburg) geschieht in der Weise, daß der Roh
kampfer mit Kohle, Kalk oder Eisenfeile ge
mischt und in Glaskolben (Bombolas) rasch auf
120—190 0 C erwärmt wird, um das Wasser aus
zutreiben. Hierauf wird die Temperatur 24 Stun
den lang auf 204 0 gehalten und nach beendeter
Sublimation das Glas durch Absprengen ent
fernt. Man erhält so oben konvexe, unten kon
kave, in der Mitte mit einem Loch versehene
Brote von 3—5 kg Gewicht. In Amerika wird
der Rohkampfer aus eisernen Retorten sublimiert
und das erhaltene feine Pulver in Scheiben ge
preßt. In Japan bedient man sich zur Sublima
tion zum Teil irdener Gefäße, in Kobe auf Nip
pon , nach dem Beyerschen Verfahren eigen
artiger Stahlretorten, —- Der raffinierte K.
stellt weiße, durchscheinende Massen dar von
eigenartigem Geruch und brennend bitterem.
hinterher kühlendem Geschmack. In Wasser ist
er nur sehr wenig löslich (1: 1200), verleiht aber
trotzdem der Lösung einen ausgesprochenen Ge
ruch und Geschmack nach K Von den gebrauch
liebsten anderen Lösungsmitteln: Alkohol, Äther,
Chloroform, fetten und ätherischen Ölen wird
er leicht aufgenommen. Beim Zerreiben im
Mörser backt er zusammen, läßt sich aber nach
dem Befeuchten mit Alkohol oder Äther unter
Vermeidung starken Druckes pulverisieren. K.
verbrennt mit heller, rußender Flamme, schmilzt
bei 175° und piedet bei 204 0 , verdampft aber
schon bei gewöhnlicher Temperatur merklich.
Infolgedessen geraten Kampferstückchen, auf
Wasser geworfen, in eine lebhafte rotierende
Bewegung, die jedoch nach Zusatz von etwas
Fett oder öl aufhört. Verfälscht wird der
K. ab und zu mit Pflanzenfetten, Paraffin und
auch dem sog. Kunstkampfer (Pinenhydrochlo-
rid). Erstere würden beim Erwärmen des K. in
einer Porzellanschale Zurückbleiben, letzterer läßt
sich durch das in ihm enthaltene Chlor nach-
weisen. — 9 / 10 des gesamten K. werden auf For
mosa gewonnen, von wo 1912 über 4 Millionen
Kilogramm, nach Deutschland allein 1,1 Million
Kilogramm, ausgeführt wurden. Die Preise sind
je nach der politischen Lage außerordentlichen
Schwankungen unterworfen. 1898 kosteten 100 kg
raffinierter K. 249 M., 1903 bereits 430 M.. 1906
sogar 1000 M., bis 1913 ein Sturz aut 350 M. ein
trat. Zur Vermeidung dieser Schwankungen sind
in Indien, Kalifornien und Deutsch-Ostafrika Kul
turen angelegt worden, doch hat der Plantagen
kampfer auf den Welthandel noch keinen Ein
fluß ausgeübt. — Die Verwendung des K. ist
eine sehr mannigfache. Pharmazeutisch wird er
teils äußerlich, hauptsächlich in Form des Kamp
ferspiritus, teils innerlich als Erregungsmittel
in Pulverform oder subkutan in Form von
Kampferöl (ein Teil K. in neun Teilen Olivenöl
gelöst) angewandt. Technisch benutzt man ihn
als Mottenmittel sowie in großen Mengen zur
Herstellung von Zelluloid und rauchschwachem
Schießpulver. Die Aufbewahrung hat wegen
| seiner Flüchtigkeit und seines durchdringenden
Geruches in gut verschließbaren Gefäßen aus
Glas oder Blech an einem kühlen Ort zu er
folgen. — Neuerdings wird der K. auch in
größerem Maßstabe künstlich gewonnen, wobei
das Terpentinöl als Ausgangsmaterial dient. Durch
Einwirkung von Salzsäuredampf führt man zu
nächst das Pinen (C 10 H le ) des Terpentinöls in
sein kristallinisches Chlorhydrat über, wandelt
dieses nach verschiedenen Verfahren, z. B. durch
Einträgen in eine Schmelze von Phenol und Kali
in das isomere Kamphen um und oxydiert letzteres
zu Kampfer (C 10 Hi e O). Der künstliche oder
synthetische K. kommt in Pulverform, Perl
form oderTafeln in den Handel und unterscheidet
sich von dem natürlichen nur durch seine opti
sche Inaktivität und sein Verhalten gegen Va
nillinsalzsäure. Der plötzliche Preissturz ließ
die synthetische Darstellung in Europa nicht
lohnend erscheinen, die daher in Frankreich
durch einen Einfuhrzoll von 4—6 Fr. für 100 kg
geschützt werden sollte und in Deutschland erst
während des Krieges hohe Bedeutung gewann. —'
Außer dem gewöhnlichen K. gibt es noch zwei
andere natürliche Kampferarten, den Borneo-