Kampferöl
197
Kaninchenhaar
kampfer and den Ngaikampfer. Ersterer,
auch Sumatra-K. genannt, findet sich als kri
stallinische bräunliche Masse in Höhlungen und
Rissen der älteren Stämme von Dryobalanops
aromatica, eines zu der Familie der Diptero-
karpazeen gehörigen Baumes, der auf Sumatra
und Borneo vorkommt, aber sehr selten ge
worden ist. der Borneokampfer wird in seiner
Heimat zu religiösen Zeremonien gebraucht und
gelangt nur als seltenes und kostbares Samm-
iungsprodukt nach Europa. Sein Geruch ist zu
gleich kampfer- und pfefferartig, an Ambra
erinnernd. Künstlichen Borneokampfer, Borneol
(s. d.), erhält man durch Reduktion des Japan
kampfers. Der Ngai- oder Blumea-K. stammt
von der in Indien und China heimischen Kom
posite Blumea balsamifera und wird ausschließ
lich in den Ursprungsländern, zu Tusche und
medizinisch verwandt.
Kampferöl, japanisches oder natürliches
(lat. Oleum camphorae), nicht zu verwechseln
mit dem Kampferöl- der Arzneibücher (Oleum
camphoratum), wird bei der Gewinnung des
Japankampfers erhalten und wurde früher an
Ort und Stelle meist als Leuchtmaterial ver
braucht. Jetzt gelangt dieses sog. Kampferrohöl,
eine gelbliche bis bräunliche stark nach Kampfer
riechende Flüssigkeit, entweder als solches in den
Handel oder wird in Japan selbst durch fraktio
nierte Destillation in Kampfer, Kampferweißül und
Kampferrotöl getrennt. Letzteres besteht in der
Hauptsache aus Safrol, während das Kampfer
weißöl fast ganz aus Terpenen besteht und inf olge
seiner Ähnlichkeit mit Terpentinöl häufig an
dessen Stelle Verwendung findet. Das nach Eu
ropa -gelangende Kampferöl wird besonders auf
Kampfer und Safrol verarbeitet, wobei als Neben
erzeugnisse leichtes Kampferöl, schweres Kamp
feröl und blaues Kampferöl erhalten werden. Das
leichte Kampferöl enthält hauptsächlich Terpene
und dient als Ersatz des Terpentinöls in der
Lackfabrikation sowie zum Parfümieren ge
wöhnlicher Seife. Das schwere Kampferöl, wel
ches besonders Safrol, Eugenol, Zineol und
Terpineol enthält, wird ebenfalls zum Parfü
mieren von Seifen und als Schmiermittel be
nutzt, und das blaue K. schließlich, das aus
Sesquiterpenalkoholen besteht, findet als Binde
mittel für gewöhnliche Seifenparfüms Verwen
dung.
Kamptulikon, eine in England aus gepulver
ten Abfällen der Korkschneiderei mit geringen
Mengen von Kautschuk hergestellte Masse, ist
durch das ähnliche, aber billigere Linoleum
(s. d.) verdrängt.
Kanadabalsam (lat. Terebinthina canadensis,
Ralsamum canadense, frz.Baume de canada, engl.
Canada turpentine, Balsam of canada), aine dick
flüssige, zähklebrige, durchsichtige und fast farb
lose Flüssigkeit von terpentinartigem Gerüche,
'st das Plarz von Abies balsamea, der Bal
samtanne Kanadas. Es wird in Amerika medi
zinisch, bei uns zur Einhüllung mikroskopischer
Präparate und in der Porzellanmalerei gebraucht
' s - Terpentin).
Kanadol, derjenige Teil des Rohpetroleums,
Welcher bei etwa 6o°C siedet und ein zwischen
°>6so und 0,700 liegendes spez. Gew. hat, besteht
aus einem Gemenge mehrerer Kohlenwasser
stoffe der Äthanreihe.
Kanariennüsse werden die walnußartigen
Früchte des über Neuguinea verbreiteten Baumes
Canarium polyphyllum genannt, welche sich wegen
ihres Fettgehaltes von 68 °/o und des hohen
Proteingehaltes von 6i°/o der Preßrückstände
zur technischen Verwertung eignen. Das Fett
hat folgende Kennzahlen: Erstarrungspunkt 19
bis 2o°, Schmelzpunkt 30 0 , V. Z. 200,2, Jodzahl
59.7. R- M. Z. 4,4.
Kanariensamen (Kanariensaat, Kanarien-
hirse, Glanz, lat. Semen canarienSe, frz. Se-
mences de Canarie, engl. Canary seedt, die Samen
des kanarischen Glanzgrases (Phalaris ca-
nariensis), das auf den Kanarischen Inseln
heimisch ist, aber auch in Südeuropa wild wächst
und kultiviert wird, sind von strohgelber Farbe
und länglicher, beiderseits zugespitzter Form.
In Deutschland wird die Frucht im Thürin
gischen, namentlich in der Erfurter Gegend, an
gebaut und nur als - Vogelfutter verwertet. In
der Technik benutzt man den aus K.-Mehl be
reiteten Kleister zum Schlichten feiner Baumwoll-
waren, wozu er besser als Weizenmehl ge
eignet sein soll.
Kanarienwein (Kanariensekt) nennt man
die Weine von den südkanarischen Inseln Ka
nada, Teneriffa, Palma, Lanzerote, Fuerterentura,
Gömera und Ferro, die bei hohem Alkoholgehalt
süßen würzigen Geschmack besitzen,
Kanarin (Canarin, Persulfozyangelb), ein
in Wasser und Alkohol unlösliches, orangegelbes
Pulver. Pseudoschwefelzyan, das durch Be
handlung von Rhodankalium mit Chlor oder Sal
petersäure erhalten wird, findet im Zeugdruck
Anwendung.
Kanaster (vom spanischen Canasta, der Korb)
wird meist jeder gute Varinastabak genannt,
obgleich die Bezeichnung eigentlich nur der
feinsten Sorte, die in Körben versandt wird, zu
kommt. Die aus amerikanischem Rohr gefloch
tenen Körbe werden unter dem Namen Kana
sterkörbe häufig auch für Zucker und andere
Waren benutzt.
Kandagang, eine ostindische Bastfaser, von
Hibiscus eriocarpus.
Kanevas nennt man verschiedene Arten von
leinenen, halbleinenen und baumwollenen Ge
weben. Leinener K. oder Kanevasleinen ist
entweder starkes Hemdenleinen oder gewöhn
liche und mit starkem Glanze appretierte Futter
leinwand. Ebenso bezeichnet man weiß gestreiften
Vorhangzwillich und andere dichte Baumwoll
stoffe mit Streifen, Rippen und kleinen Mustern
sowie endlich die offenen gegitterten Gewebe,
welche zu Fliegenfenstern, leichtem K'eiderfutter
und als Stickereigrund (Stramin) benutzt werden.
Kaninchenhaar, ein wichtiger Stoff für die
Hutmacherei, wird entweder von den Fellein
abgeschoren oder abgebeizt. Hauptsächlich die
ser Haare wegen züchtet man die weißen an go-
rischen Kaninchen oder Seidenhasen, von
denen jeder 300—250 g reine Haare im Jahr
liefern kann. Die Haare werden den Tieren
im Sommer monatlich, im Winter nur einmal
ausgekämmt oder gerupft und bilden ein außer
ordentlich weiches, federndes und wärmendes
Material, das entweder für sich oder im Gemisch