Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Amidol

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Ammoniakgummi

Amidol,  das  schwefelsaure  oder  salzsaure  Salz
des  Diamidophenols,  wird  als  photographischer
Entwickler  angewandt.
Ammonal  (Phenalgin),  ein  Gemisch  von  Anlif
  ehr  in.  Doppeltkohlensaurem  Natrium  und  Ammonium, ­
  welches  als  Fiebermittel  benutzt  wird.
Neuerdings  ist  auch  ein  aus  95  °/o  Ammoniaksalpeter ­
  und  50/0  Aluminiumpulver  bestehender
Sicherheitssprengstoff  mit  diesem  Namen  belegt
worden.
Ammoniak,  die  bekannteste  Verbindung  des
Stickstoffs  mit  Wasserstoff,  NH S ,  welche  3  Atome
Wasserstoff  (17,6%)  auf  1  Atom  Stickstoff  (82,40/0)
enthält,  findet  sich  als  Fäulnisprodukt  organischer ­
  'Stickstoffverbindungen  spurenweise,  aber
weit  verbreitet  in  der  Atmosphäre,  in  den  oberen
Bodenschichten  und  in  den  Wasserläufen.  Es
entsteht  aus  seinen  Elementen  beim  Durchschlagen ­
  des  elektrischen  Funkens  durch  ein
Gemisch  von  Wasserstoff  und  Stickstoff.  Zur
technischen  Gewinnung  des  A.  ging  man  früher
von  stickstoffhaltigen  organischen  Stoffen,  wie
Kamelmist  oder  fauligem  Urin,  aus,  welche  man
der  trocknen  Destillation  unterwarf.  Heutzutage ­
  wird  die  Hauptmenge  als  Nebenprodukt
der  Gasanstalten  gewonnen  und  sammelt  sich
ip  dem  vorgelegten  Waschwasser  (Gaswasser)
au.  Geringere  Mengen  erhält  man  aus  den
Hochofengasen,  ferner  den  Destillationsprodukten ­
  bei  der  Steinkohlenverkokung,  aus  der  Rübenmelasse ­
  und  Schlempe  sowie  durch  trockne
Destillation  von  Torf,  Moorerde,  Seeschlick
und  andern,  an  organischen  Stoffen  reichen
Schlammassen.  Von  größter  Bedeutung  sind  die
Versuche  zur  direkten  Verwertung  des  atmosphärischen ­
  Stickstoffs,  die  kurz  vor  dem  Kriege
zu  der  glänzenden  Synthese  von  Haber  geführt ­
  haben.  Durch  Erhitzen  von  1  Volum  Stickstoff ­
  und  3  Volum  Wasserstoff  bei  500 0  und
einem  Druck  von  500  Atmosphären  bei  Gegenwart ­
  von  Uransalzen  oder  ähnlichen  Katalysatoren ­
  in  Stahlzylindern  wird  Ammoniak  hergestellt, ­
  und  zwar  in  Mengen  von  Hunderttausenden ­
  von  Tonnen,  die  Deutschland  voraussichtlich ­
  von  der  Einfuhr  des  Chilesalpeters  unabhängig ­
  machen  werden.  Große  Mengen  von
Ammoniak  werden  weiter  nach  dem  Kalkstickstoffverfahren ­
  (s.  d.)  sowie  aus  Nitriden ­
  hergestellt,  die  bei  Behandlung  mit  Wasser
A.  abspalten.  Äluminiumnitrid  entsteht  bei
der  Erhitzung  eines  Tonerdekohlengemisches  in
Stickstoff  auf  1600—1700 0 .  Die  deutsche  Erzeugung ­
  von  Ammoniumsulfat,  die  1913  auf
550000  t  geschätzt  wurde  (Verbrauch  460000  t),
wird  nach  dem  Kriege  eine  beträchtliche  Zunahme ­
  erfahren.  —  Das  reine  A.  ist  ein  farbloses, ­
  höchst  stechend  riechendes  und  zu  Tränen
reizendes  Gas,  welches  bei  einem  Drucke  von
6,5  Atmosphären  bei  10 0  oder  einfach  bei  Abkühlung ­
  auf  —40 0  flüssig  Wird.  Dieses  verflüssigte ­
  A.  kommt  in  verschraubten,  schmiedeeisernen, ­
  zylindrischen  Flaschen  zum  Verkehr
und  dient  zur  Erzeugung  niedriger  Temperaturen ­
  in  Eismaschinen  und  Kühlräumen.  Die
Hauptmenge  des  A.  wird  in  Form  seiner  wäßrigen ­
  Lösung  benutzt.  Wasser  nimmt  das  Ammoniakgas ­
  mit  großer  Begierde  auf  und  verschluckt ­
  bei  20°  das  74ofache,  bei  0°  sogar  das
I  i  sofache  seines  Volums  A.,  doch  findet  hierbei

nicht  allein  eine  mechanische  Lösung,  sondern
gleichzeitig  eine  chemische  Verbindung  statt.
Die  entstehende  Flüssigkeit,  der  Salmiakgeist
(lat.  Liquor  ammonii  caustici,  frz.  Ammoniaque
caustique  oder  liquide,  engl.  Spirit  of  ammoniak
salt)  wird  daher  als  die  Lösung  eines  Hydroxydes, ­
  des  Ammoniumhydroxydes,  NH 4 .  OH,  aufgefaßt, ­
  welche  sich  den  Alkalihydroxyden,  Kali
und  Natron,  in  chemischer  Hinsicht  völlig  identisch ­
  verhält  und  wie  diese  mit  Säuren  Salze
(s.  Ammoniaksalze)  bildet.  Auf  diese  Eigenschaft
deuten  Bezeichnungen  wie  Ätzammoniak,
Ammoniumoxydhydrat  und  kaustischesA.
Zum  Unterschied  von  den  sog.  fixen  Alkalien,
Kali  und  Natron,  wird  es  wohl  auch  flüchtiges ­
  A.  genannt.  Um  aus  dem  Gaswasser,  welches ­
  im  Grunde  genommen  bereits  einen  rohen
Salmiakgeist  darstellt,  reinere  Produkte  zu
gewinnen,  bindet  man  das  A.  an  Säuren,  indem
man  es  z.  B.  mit  Schwefelsäure  eindampft,  setzt
es  später  durch  Erhitzen  mit  den  stärkeren  Basen, ­
  Natron  oder  auch  Kalk  in  Freiheit  und
fängt  es  wieder  in  Wasser,  auf.  Nach  dem  Reinheitsgrade ­
  unterscheidet  man  rohen  Salmiakgeist ­
  (Liquor  ammonii  caustici  crudus),  eine
gelbliche,  brenzlich  riechende  Flüssigkeit  für
technische  Verwendung,  und  reinen  S.  (purissimus)
  für  Arzneizwecke  und  chemische  Laboratorien, ­
  der  farblos  sein  muß  und  nach  dem  Neutralisieren ­
  mit  Säuren  keinen  Geruch  mehr  zeigen ­
  darf.  Der  A.-Gehalt  der  Lösungen  wird
meist  mit  Hilfe  von  Aräometern  bestimmt.  Bei
den  gangbarsten  Handelssorten  entspricht  das
spez.  Gew.  0,960  einem  Gehalte  von  10  0/0  A.,
0,925  einem  solchen  von  20  0/0,  0,940  von  250/0
und  0,890  von  32  0/0.  Die  stärkste  Sorte  wird  nur
für  Kühlmaschinen  benutzt  und  in  Eisentrommeln, ­
  die  anderen  werden  in  Gläsballonen  versandt. ­
  Salmiakgeist  muß  an  kühlen  Orten  und
gut  verschlossen  aufbewahrt  werden,  da  er  sonst
verdunstet  und  überdies  Kohlensäure  anzieht.
A.  findet  in  der  Medizin  innerlich  in  sehr  starker ­
  Verdünnung  (konz,  A.  wirkt  tödlich)  zur
Vermehrung  der  Schweißsekretion  und  der  Expektoration, ­
  äußerlich  als  Reizmittel  zu  Einreibungen ­
  gegen  Insektenstiche  und  als  Riechmittel ­
  (Totenwecker)  Anwendung.  Die  Technik ­
  benutzt  es  in  der  Färberei,  Kattundruckerei,
zur  Bereitung  von  Orseille  und  Aramoniumsaizen.
  Ein  mit  Ammoniakgas  gesättigter  Alkohol.
Alkoholisches  Ammoniak  (lat.  Liquor  ammonii ­
  spirituosus  Dzondii,  frz.  Solution  alcoolique
  d’ammoniaque,  engl.  Spirit  of  Ammonia)
  wird  zu  Einreibungen  verordnet.
Ammoniakgummi  (Ammonisches  Gummi,
Oschakgummi,  Armenisches  Gummi,  lat.
Gummi  ammoniacum,  Resina  aramoniacum,  frz.
Gomme,  Resine  ammonique,  engl.  Ammoniac),
ein  Gummiharz,  besteht  aus  dem  eingetrockneten ­
  Milchsäfte  einer  in  Persien  und  der  Tartarei
wachsenden  Doldenpflanzc,  Dorema  Ammoniacum. ­
  Die  Ware  wird  fast  ausschließlich  über
Bombay  ausgeführt,  wo  man  sie  in  zwei  verschiedene ­
  Qualitäten,  in  A.  in  Körnern  oder
Tränen  (Ammoniacum  in  granis)  und  in  A.  in
größeren  Stücken  (Ammoniacum  in  massis),
sortiert.  Die  Körner  sind  grauweiß,  die  Klumpen ­
  braun,  mit  weißlichen  oder  gelblichen  Stellen, ­
  an  den  Rändern  durchscheinend,  auf  dem
            
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