Amidol
18
Ammoniakgummi
Amidol, das schwefelsaure oder salzsaure Salz
des Diamidophenols, wird als photographischer
Entwickler angewandt.
Ammonal (Phenalgin), ein Gemisch von Anlif
ehr in. Doppeltkohlensaurem Natrium und Ammonium,
welches als Fiebermittel benutzt wird.
Neuerdings ist auch ein aus 95 °/o Ammoniaksalpeter
und 50/0 Aluminiumpulver bestehender
Sicherheitssprengstoff mit diesem Namen belegt
worden.
Ammoniak, die bekannteste Verbindung des
Stickstoffs mit Wasserstoff, NH S , welche 3 Atome
Wasserstoff (17,6%) auf 1 Atom Stickstoff (82,40/0)
enthält, findet sich als Fäulnisprodukt organischer
'Stickstoffverbindungen spurenweise, aber
weit verbreitet in der Atmosphäre, in den oberen
Bodenschichten und in den Wasserläufen. Es
entsteht aus seinen Elementen beim Durchschlagen
des elektrischen Funkens durch ein
Gemisch von Wasserstoff und Stickstoff. Zur
technischen Gewinnung des A. ging man früher
von stickstoffhaltigen organischen Stoffen, wie
Kamelmist oder fauligem Urin, aus, welche man
der trocknen Destillation unterwarf. Heutzutage
wird die Hauptmenge als Nebenprodukt
der Gasanstalten gewonnen und sammelt sich
ip dem vorgelegten Waschwasser (Gaswasser)
au. Geringere Mengen erhält man aus den
Hochofengasen, ferner den Destillationsprodukten
bei der Steinkohlenverkokung, aus der Rübenmelasse
und Schlempe sowie durch trockne
Destillation von Torf, Moorerde, Seeschlick
und andern, an organischen Stoffen reichen
Schlammassen. Von größter Bedeutung sind die
Versuche zur direkten Verwertung des atmosphärischen
Stickstoffs, die kurz vor dem Kriege
zu der glänzenden Synthese von Haber geführt
haben. Durch Erhitzen von 1 Volum Stickstoff
und 3 Volum Wasserstoff bei 500 0 und
einem Druck von 500 Atmosphären bei Gegenwart
von Uransalzen oder ähnlichen Katalysatoren
in Stahlzylindern wird Ammoniak hergestellt,
und zwar in Mengen von Hunderttausenden
von Tonnen, die Deutschland voraussichtlich
von der Einfuhr des Chilesalpeters unabhängig
machen werden. Große Mengen von
Ammoniak werden weiter nach dem Kalkstickstoffverfahren
(s. d.) sowie aus Nitriden
hergestellt, die bei Behandlung mit Wasser
A. abspalten. Äluminiumnitrid entsteht bei
der Erhitzung eines Tonerdekohlengemisches in
Stickstoff auf 1600—1700 0 . Die deutsche Erzeugung
von Ammoniumsulfat, die 1913 auf
550000 t geschätzt wurde (Verbrauch 460000 t),
wird nach dem Kriege eine beträchtliche Zunahme
erfahren. — Das reine A. ist ein farbloses,
höchst stechend riechendes und zu Tränen
reizendes Gas, welches bei einem Drucke von
6,5 Atmosphären bei 10 0 oder einfach bei Abkühlung
auf —40 0 flüssig Wird. Dieses verflüssigte
A. kommt in verschraubten, schmiedeeisernen,
zylindrischen Flaschen zum Verkehr
und dient zur Erzeugung niedriger Temperaturen
in Eismaschinen und Kühlräumen. Die
Hauptmenge des A. wird in Form seiner wäßrigen
Lösung benutzt. Wasser nimmt das Ammoniakgas
mit großer Begierde auf und verschluckt
bei 20° das 74ofache, bei 0° sogar das
I i sofache seines Volums A., doch findet hierbei
nicht allein eine mechanische Lösung, sondern
gleichzeitig eine chemische Verbindung statt.
Die entstehende Flüssigkeit, der Salmiakgeist
(lat. Liquor ammonii caustici, frz. Ammoniaque
caustique oder liquide, engl. Spirit of ammoniak
salt) wird daher als die Lösung eines Hydroxydes,
des Ammoniumhydroxydes, NH 4 . OH, aufgefaßt,
welche sich den Alkalihydroxyden, Kali
und Natron, in chemischer Hinsicht völlig identisch
verhält und wie diese mit Säuren Salze
(s. Ammoniaksalze) bildet. Auf diese Eigenschaft
deuten Bezeichnungen wie Ätzammoniak,
Ammoniumoxydhydrat und kaustischesA.
Zum Unterschied von den sog. fixen Alkalien,
Kali und Natron, wird es wohl auch flüchtiges
A. genannt. Um aus dem Gaswasser, welches
im Grunde genommen bereits einen rohen
Salmiakgeist darstellt, reinere Produkte zu
gewinnen, bindet man das A. an Säuren, indem
man es z. B. mit Schwefelsäure eindampft, setzt
es später durch Erhitzen mit den stärkeren Basen,
Natron oder auch Kalk in Freiheit und
fängt es wieder in Wasser, auf. Nach dem Reinheitsgrade
unterscheidet man rohen Salmiakgeist
(Liquor ammonii caustici crudus), eine
gelbliche, brenzlich riechende Flüssigkeit für
technische Verwendung, und reinen S. (purissimus)
für Arzneizwecke und chemische Laboratorien,
der farblos sein muß und nach dem Neutralisieren
mit Säuren keinen Geruch mehr zeigen
darf. Der A.-Gehalt der Lösungen wird
meist mit Hilfe von Aräometern bestimmt. Bei
den gangbarsten Handelssorten entspricht das
spez. Gew. 0,960 einem Gehalte von 10 0/0 A.,
0,925 einem solchen von 20 0/0, 0,940 von 250/0
und 0,890 von 32 0/0. Die stärkste Sorte wird nur
für Kühlmaschinen benutzt und in Eisentrommeln,
die anderen werden in Gläsballonen versandt.
Salmiakgeist muß an kühlen Orten und
gut verschlossen aufbewahrt werden, da er sonst
verdunstet und überdies Kohlensäure anzieht.
A. findet in der Medizin innerlich in sehr starker
Verdünnung (konz, A. wirkt tödlich) zur
Vermehrung der Schweißsekretion und der Expektoration,
äußerlich als Reizmittel zu Einreibungen
gegen Insektenstiche und als Riechmittel
(Totenwecker) Anwendung. Die Technik
benutzt es in der Färberei, Kattundruckerei,
zur Bereitung von Orseille und Aramoniumsaizen.
Ein mit Ammoniakgas gesättigter Alkohol.
Alkoholisches Ammoniak (lat. Liquor ammonii
spirituosus Dzondii, frz. Solution alcoolique
d’ammoniaque, engl. Spirit of Ammonia)
wird zu Einreibungen verordnet.
Ammoniakgummi (Ammonisches Gummi,
Oschakgummi, Armenisches Gummi, lat.
Gummi ammoniacum, Resina aramoniacum, frz.
Gomme, Resine ammonique, engl. Ammoniac),
ein Gummiharz, besteht aus dem eingetrockneten
Milchsäfte einer in Persien und der Tartarei
wachsenden Doldenpflanzc, Dorema Ammoniacum.
Die Ware wird fast ausschließlich über
Bombay ausgeführt, wo man sie in zwei verschiedene
Qualitäten, in A. in Körnern oder
Tränen (Ammoniacum in granis) und in A. in
größeren Stücken (Ammoniacum in massis),
sortiert. Die Körner sind grauweiß, die Klumpen
braun, mit weißlichen oder gelblichen Stellen,
an den Rändern durchscheinend, auf dem