Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Lackierte Waren 
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Lämmerfelle 
Gelbholz, Kreuzbeeren, Waid, Querzitron und 
anderen gelben Pf.anzenfarbstoffen. Die billig 
sten derartigen Gelbfarben gehen unter dem 
Namen Schüttgelb. Sie erhalten, wenn sie 
wirklich durch Niederschlag mit Tonerde ge 
bildet sind, doch noch starke Zusätze von 
Kreide, sind aber oft nur durch Übergießen 
von Kreide oder Kalk mit einer Gelbbrühe her 
gestellt. Im letzteren Falle haftet die Farbe 
nur durch mechanische Aufsaugung an dem 
Grundstoff, so daß der Begriff einer Lackfarbe 
ganz verloren geht. Grüne Lacke sind in der 
Regel bloße Mischungen von blauen, aus Indig- 
karmin bestehenden, und gelben Niederschlägen, 
doch erhält man einen natürlichen grünen Lack 
aus Kaffeebohnen, die mit einer verdünnten 
Lösung von Kupfervitriol extrahiert werden. 
Durch vorsichtiges Versetzen des Auszuges mit 
Ätznatron wird ein Niederschlag erhalten, der, 
mit Essig besprengt und der Luft ausgesetzt, 
an Schönheit der Farbe noch gewinnt. Dieser 
Farbstoff ist also eigentlich nur ein mit dem 
Kaffeefarbstoff (Viridinsäure) geschöntes Kupfer 
oxydhydrat, dessen eigentlicher Platz unter den 
Kupferfarben sein würde. Jetzt werden auch 
viele solcher L. mit Teerfarbstoffen hergestellt. 
Lackierte Waren lassen sich unterscheiden in 
solche aus Blech, Holz, Papiermasse und Leder, 
und zwar sind es hauptsächlich diejenigen der 
ersten Klasse, die jetzt im Handel unter dem 
Namen Lackierwaren verstanden werden. Die 
Lackierkunst stammt aus Ostasien, wo sie na 
mentlich von den Japanern, daneben auch den 
Chinesen ausgeübt wird. Seit dem 16. Jahrhun 
dert brachten die Holländer, die früher den 
Handel mit Japan in Händen hatten, die japa 
nischen Lackwaren außerordentlich in Auf 
nahme, und die größte, im japanischen Palais 
zu Dresden befindliche Sammlung gewährt ein 
Urteil über die Schönheit und Mannigfaltigkeit 
dieser Erzeugnisse. In Europa verlegten sich 
zuerst die Engländer, danach Franzosen und 
Deutsche auf die Herstellung lackierter Waren, 
doch mußte diese Industrie bei mangelhafter 
Kenntnis der von den Japanern angewandten 
Stoffe und Zubereitungsarten ganz von vorn 
neu begründet werden. Nur allmählich gelang 
es, die Schönheit der japanischen Lackarbeiten 
zu erreichen, aber ihre Haltbarkeit ließ sich 
nicht nachahmen. Gibt es doch lackierte höl 
zerne Tassen, Teller, Teebrettchen usw., auf 
welchen siedendes Wasser keine Spur zurück 
läßt. Allerdings sind in den letzten Jahren auch 
viele L. von schlechter Beschaffenheit aus Japan 
eingeführt worden. Lackierte Waren aus Holz 
und Papiermasse, die das wichtigste Erzeugnis 
der Japaner und Chinesen bilden, gelangen 
außerdem nur von den Russen, wenngleich nicht 
in gleicher Güte, in den Handel. Auf Waren 
aus Eisen- oder anderem Blech lassen sich 
Lacke von geeigneter Beschaffenheit, besonders 
unter Zuhilfenahme von Asphalt, einer stärkeren 
Hitze aussetzen, und durch solches Aufbrennen 
in einem Heizofen entstehen viel dauerhaftere 
Überzüge. Aus diesem Grunde hat auch die 
Herstellung feinerer lackierter Blechwaren für 
den Massenverbrauch einen weit größeren Um 
fang und höhere Bedeutung gewonnen, als die 
von Holz und Papiermasse. Von besonderer 
Wichtigkeit ist die Güte des Lackes (s. Japan 
lack) und die Art des Auftragens, ln Japan 
erfolgt das Bemalen, um dem Staub, der die 
Glätte schädigt, zu entgehen, auf Kähnen mitten 
im Wasser oder in feuchten Arbeitsstuben. 
Unterstützt durch den Formenreichtum, den das 
Prägen und Drücken schaffen kann, und 
durch die Freiheit der Maltechnik, welche alle 
Verzierungen durchzuführen gestattet, leistet 
dieser Industriezweig jetzt ganz Hervorragen 
des, und seine Erzeugnisse sind nicht allein 
Luxusgegenstände, sondern ebensowohl in den 
gewöhnlichen Hauswirtschaften zu finden. Die 
deutschen Waren sind bei sauberer Ausführung 
so billig, daß sie schon längst einen bedeuten 
den Ausfuhrartikel bilden. 
Lackmoid (Resorzinblau), ein in der Maß 
analyse viel benutzter Indikator, entsteht beim 
Erhitzen von Resorzin mit salpetrigsaurem Na 
tron in Form dunkelblau violetter, glänzender 
Körnchen, deren wäßrige blauviolette Lösung 
durch Salzsäure rot wird. In Alkohol löst sich 
der Farbstoff mit blauer Farbe und dunkel 
grüner Fluoreszenz. 
Lackmus (lat. Lacca musica, frz. Tournesol, 
engl. Litmus), ein verschiedenen Arten von 
Flechten, z. B. Roccella tinctoria, Leca- 
nora tartarea u. a., entstammender blauer 
Farbstoff, wird in folgender Weise hergestellt; 
Die zu Pulver gemahlenen Flechten werden in 
Kübeln mit Pottasche, Kalk und einem ammo 
niakhaltigen Stoffe, früher faulem Urin, zu 
einem weichen Teige gemischt, den man der 
Gärung überläßt, und darauf etwa vier Wochen, 
lang durch Zusatz neuer Ammoniakmengen in 
weichem Zustande erhalten. Sobald die anfangs 
purpurrote Masse blau geworden ist, reibt man 
sie durch Haarsiebe, mischt mit Kreidepulver 
oder Gips und formt sie zu kleinen Würfeln, 
die man im Schatten trocknet. L. enthält eine 
Reihe verschiedener Farbstoffe, von denen das 
Azolithmin der wichtigste ist. Es färbt sich 
mit Säuren rot, mit Alkalien blau, und wird 
ebenso wie der mit verdünntem Alkohol her 
gestellte Auszug, die Lackmustinktur und 
das Lackmuspapier, als Indikator benutzt. 
Die Tinktur muß im Dunkeln und in nur mit 
Watte lose verschlossenen Flaschen aufbewahrt 
werden. 
Lactarin, ein aus getrocknetem und gepulver 
tem Kasein bestehendes Farbenverdickungs 
mittel in Zeugdruckereien, wird für den Ge 
brauch mit verdünntem Salmiakgeist zu einer 
gummischleimartigen Masse gelöst. 
Ladanum (lat. Gummi ladanum, frz. und engl. 
Ladanum), nicht zu verwechseln mit Lauda- 
num (s. Opium), ist eine harzige, grüne Aus 
schwitzung, die an den Blättern und Zweig 
spitzen mehrerer zur Gattung Cistus gehöriger 
Strauchgewächse auftritt und abgeschabt wird. 
Die angenehm storaxartig riechende Masse 
diente früher zu Parfümerien, Räucherungen 
und als Zusatz zu Pflastern, ist aber jetzt ganz 
außer Gebrauch gekommen. 
Lämmerlelle. Die Felle junger Schafe kommen 
in zwei Formen, nämlich mit oder ohne Wolle, 
in den Handel und werden in letzter Form zu 
Leder, namentlich Handschuhleder, in ersterer 
zu Pelzwerk verarbeitet. Als wichtigste Arten
	        
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