Leder
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häufigsten Eichenrinde (Lohe) und nächst dieser
Fichtenrinde, während heutzutage vielfach die
ausländischen Gerbmaterialien (s. d.): Gambir,
Algarobilla, Knoppern, Valonen, Myrobalanen,
Hemlockrinde und Quebracho, Dividivi u, a.
bevorzugt werden. Das sorgfältig zerkleinerte
Gerbmaterial wird entweder direkt mit den
Häuten zusammengebracht, wie z. B. bei der
Bereitung von Sohlleder, oder man legt die
Häute in einen aus dem Gerbmateriale bereiteten
wäßrigen Auszug (Gerben in Lohbrühe).
Bei dem ersteren Verfahren werden die Häute,
die Fleischseite nach unten, in mit Zement ausgekleideten
gemauerten Gruben oder in den
Boden versenkten wasserdichten Eichenholzkasten
(Versetzgruben, Lohgruben) abwechselnd
mit Lohe übereinandergeschichtet (Einsetzen
in Gruben) und darauf, mit Wasser
bedeckt, acht bis zehn Wochen sich selbst
überlassen. Auf diesen „ersten Satz“ folgt der
3—4 Monate dauernde zweite Satz, bei dem
die Häute mit der Narbenseite nach unten
in einer anderen Grube mit frischer Lohe zusammengebracht
werden, und zwar so, daß diejenigen,
welche zuerst oben gelegen haben,
nunmehr zu unterst kommen. Ein vier bis fünf
Monate dauernder dritter Satz wird mit weniger
Lohe gemacht. Bei sehr starken Häuten
genügt aber auch dies noch nicht, vielmehr
muß hier dieselbe Behandlung noch ein- bis
zweimal wiederholt werden. Die Gerbung des
L. ist vollendet, wenn beim Durchschneiden die
Schnittfläche kaffeebraun aussieht, und wenn in
der Mitte derselben kein weißer durchscheinender
Streifen mehr bemerkbar ist. Die zur vollständigen
Durchgerbung nötige Menge von
Lohe wird auf das vier- bis sechsfache Gewicht
der trocknen Haut angegeben, die Haut selbst
gewinnt bei ihrer Umwandlung in L. etwa ein
Drittel des Gewichts. Bei dem Gerben mit Lohbrühe
wendet man zuerst nur eine sehr
schwache Lösung an, damit nicht durch oberflächliche
Durchgerbung das Eindringen des
Gerbstoffes in das Innere erschwert wird. Erst
nach und nach bringt man die Häute in stärkere
und zuletzt in ganz konzentrierte Lohbrühe,
in der sie durch besondere Vorrichtungen
(rotierende Trommeln und Fässer) in
Bewegung gehalten werden. Man nennt dieses
Verfahren auch Schnellgerberei, da hierzu
nur sieben bis acht, und selbst bei schwereren
Häuten nicht mehr als elf bis dreizehn Wochen
nötig sind. Eine weitere Beschleunigung, allerdings
auf Kosten der Güte, hat man noch dadurch
zu erreichen gesucht, daß man das Eindringen
der Lohbrühe mittels Druckes oder auch
mit Hilfe des luftleeren Raumes bewerkstelligte.
Alle lohgaren L. haben stets eine mehr oder
weniger gelbbraune bis rötlichbraune Farbe, das
Hemlockleder sieht sogar mehr rot als braun
aus. Weiße L. erhält man nach dem Verfahren
der Weißgerberei, bei dem man die zugerichteten
Blößen mehrere Male durch eine lauwarme
Alaunbriihe zieht, sie dann einen Tag
lang zusammengefaltet liegen läßt und schließlich
zum Trocknen aufhängt. Die Alaunbrühe
wird durch Auflösen von Alaun und Kochsalz in
Wasser dargestellt und enthält dementsprechend
Chloraluminium. An Stelle des Alauns kann man
auch schwefelsaure oder .essigsaure Tönerde
benutzen und in letzterem Falle das Kochsalz
fortlassen. Bei Herstellung der besseren Sorten
weißgaren Leders setzt man dem Kochsalzalaunbade
Weizenmehl und Eigelb zu (Gerben in
der Nahrung) und läßt die Häute in dieser
Mischling einen Tag lang liegen. Sie erhalten
hierdurch nach dem Trocknen einen höheren
Grad von Geschmeidigkeit. Weißgar gegerbt
werden zumeist Rindshäute für Sattlerzwecke,
Schaffelle zu Schuhfutter und Häute für Glacehandschuhe.
Gerade für letztere benutzt man
neben Alaun auch Eidotter. Die dritte Art der
Gerberei, die Sämischgerberei, wird hauptsächlich
zur Herstellung von sogenanntem Wildleder
in Anwendung gebracht, zu welchem besonders
Hirsch-, Reh-, Renntier- und Elen-, bisweilen
auch Schaf- und Ziegenfelle verarbeitet
werden. Da solches L. im Wasser seine Gerbung
und seine Eigentümlichkeiten nicht verliert,
nennt man es auch Waschleder. Die
zugerichteten Blößen werden zunächst gewalkt,
gut ausgewunden und mit Tran oder einem
anderen Fette eingerieben, darauf zusammengerollt
und abermals gewalkt. Dieses Einfetten
und Walken wird so oft wiederholt, bis die
Felle die nötige Menge von Fett und Öl aufgenommen
haben. Schließlich unterwirft man
sie noch einer Art Gärung und entfernt das
oberflächlich anhängende, durch die Gärung
teilweise veränderte Fett mittels einer Pottaschelösung.
Bei der Zurichtung der dickeren
Felle für die Sämischgerberei wird die Narbe
meistens mit abgestoßen, so daß der Unterschied
zwischen Narben- und Fleischseite wegfällt.
Derartiges L. erlangt demzufolge eine
wollige Beschaffenheit und große Weichheit.
Die beschriebenen Gerbverfahren kommen in
zahlreichen verschiedenen Abänderungen zur
Anwendung, wodurch besondere Sorten von L.
entstehen, wie z. B. Saffian, Juchten, ungarisches
Weißleder usw. Von dem metallgaren
L. scheint sich am meisten das Chromleder
eingebürgert zu haben, welches vollständig
wasserfest, sehr geschmeidig, dauerhaft und
billiger als lohgares L. ist. Man erhält es entweder
nach dem Einbad verfahren mit Hilfe
einer basischen Chromoxydsalzlösung (Chromalaun
und Soda oder Kaliumdichromat und
Schwefelsäure mit einem Reduktionsmittel) oder
nach dem Zweibadverfahren, bei dem die
Häute zunächst in ein Bad von Kaliumdichromat
und Schwfefelsäure und darauf in eine
Lösung von Natriumthiosulfat und Salzsäure
kommen. Von neuen Methoden sei noch die
Formaldehydgerbung und die Behandlung
mit einer Lösung von sulfiertem Naphtolpech
erwähnt. — Bevor das fertig gegerbte L. io
den Handel gebracht wird, muß es je nach
dem Zweck, zu dem es bestimmt ist, noch verschiedenartig
zugerichtet werden. — Sohlleder
wird meist in Bürden von fünf oder sechs
Häuten gepackt und so von den bedeutendsten
Erzeugungsplätzen Malmedy, Trier, Luxemburg;
Siegen, Eschwege, Berlin und Hannover in de 11
Handel gebracht. Doch wird es auch von verschiedenen
Herstellern zunächst geklopft odef
gewalzt und dann in Rollen gepackt. Das ebenfalls
zu Sohlen verarbeitete, glatt gestoßen«