Laugenbäder, Einseifen, Walken und Aussetzen
an die Luft, unter Begießung oder zum Teil
auch ohne solche. Die böhmische Naturbleiche
dauert 80 bis 90 Tage, und das Rohleinen ver
liert dabei 20—30 0/0 seines ursprünglichen Ge
wichts. Durch konzentriertere und heißere
Laugen, sowie namentlich durch Hinzunehmen
von Chlorbädern läßt sich der Bleichprozeß bis
auf 6 Tage abkürzen. Das Stärken der Leinen
waren besteht darin, daß ein dünner, mit
weißem Wachs oder Paraffin und etwas Un-
schlitt gekochter, mit Ultramarin angebläuter
Stärkekleister auf dem Gewebe eingetrocknet
wird. LIierdurch wird die Dichte, Schwere
und der Griff des Stoffes künstlich ver
mehrt. Das Glätten der gestärkten Leinwand
geschieht durch Mangeln oder Kalandern,
entweder so, daß das Zeug auf glatte Rund
hölzer gewickelt und wie alle Wäsche gerollt
wird, oder so, daß man es einfach oder doppelt
durch eine Reihe von 2, 3 oder mehr geheizten
und stark aufeinandergepreßten Walzen gehen
läßt. Häufig wirken metallene mit Papierwalzen
zusammen, welche eine sehr milde Glättung er
zeugen; zuw r eilen wird der Stoff auch zugleich
auf dem Kalander geglänzt, indem eine glatte
Walze darauf wirkt, welche sich viel i'ascher
dreht, als das Zeug fortschreitet. Die alte Glätt
maschine, wie sie noch für die sogenannte
Glanzleinwand gebraucht wird, hat als Haupt
werkzeug ein poliertes rundes Stück von Achat,
Feuerstein oder Glas, das am unteren Ende
einer federnden Stange sitzt und damit auf dem
Zeuge hin und her geführt wird. Die appre
tierte Leinwand wird stückweise gelegt oder
gerollt, gepreßt und gebunden. Die vielen
Sortennamen sind zum Teil nur für den aus
wärtigen Absatz bestimmt, und zahlreiche be
liebt gewordene Lokalerzeugnisse werden nicht
selten in anderen Gegenden nachgemacht und
mit dem Ursprungsnamen ausgestattet, so daß
z. B, irländische L. auf dem Kontinent, Osna-
brücker in England, Bielefelder und hollän
dische in Böhmen und Schlesien hergestellt
werden. Die feinen irischen Hemdenleinen, die
besonders in Südamerika und den englischen
Kolonien Absatz finden, sind eine Nachahmung
der holländischen und Bielefelder Leinwand.
Andere Stoffe aus Leinengarn, die unter ihren
Namen besonders aufgeführt werden, sind Da
mast, Drell, Batist, Linon und Gazon.
Auch Leinenplüsch, der sich durch außer
ordentliche Haltbarkeit und einen schimmernden
Lüster auszeichnet, wird in großen Mengen
dargestellt. Zur Unterscheidung des L. von
Baumwolle bedient man sich meist der Schwe
felsäureprobe. Das Gewebe wird durch sorg
fältiges Waschen von der Appretur befreit, ge
trocknet, t—2 Minuten in englische Schwefel
säure getaucht und dann mit Wasser oder einer
Sodalösung unter Nachspülen mit Wasser aus
gewaschen, Die zu einer gallertartigen Masse
aufgelöste Baumwolle verschwindet bei rich
tig gewählter Behandlung in der Schwefelsäure,
Während die Leinenfäden unberührt bleiben und
gezählt werden können. Das sicherste Urteil
gewährt jedoch das Mikroskop. Die Leinfaser
lst zylindrisch mit sehr enger innerer Höhlung
t>nd zeigt in bestimmten Entfernungen knoten
artige Anschwellung wie ein Strohhalm, bei
starker Vergrößerung Längsstreifung, die Baum
wolle dagegen ist bandartig plattgedrückt mit
verdickten Seitenrändern und vielfach schrauben
artig um sich selbst gedreht. Zur Bestimmung
der Feinheit des Gewebes dient der Faden
zähler, eine Lupe besonderer Einrichtung,,
welche auf das Gewebe gesetzt wird.
Leinöl (lat. Oleum lini, frz. Huile de lin,
engl. Linseed-oil), das fette trocknende öl aus
den Leinsamen (s. d.) ist wie diese selbst ein
wichtiger Handelsartikel. Die zur Ölgewinnung
bestimmten Körner, der sog. Schlaglein,
stammen hauptsächlich von den zur Faserge
winnung gebauten Pflanzen, haben also, da
diese immer vor völliger Reife gezogen werden,,
nicht den vollen Ölgehalt, wie die zur Aussaat
gezogenen reifen Körner, der Saatlein, von
welcher höherwertigen Sorte nur das zu alt
gewordene oder sonst verdorbene Gut noch
dem Schlaglein zufällt. Die Gewinnung des Öls
geschieht mit den gewöhnlichen Mitteln der
älteren oder neueren Ölmüllerei und besteht
hauptsächlich im Zerkleinern der Samen auf
Stampf- oder Walzwerken, oder zwischen Mühl
steinen, und Auspressen des so erhaltenen Pul
vers in Säcken mittels Keil-, Schrauben- oder
hydraulischen Pressen. In der Regel wird warm
gepreßt, indem man das Mahlgut über Feuer
oder mit Dampf auf Platten bis gegen 90 0 0
erhitzt, dabei fleißig wendet und dann gleich in
die Presse gibt. In der Hitze gerinnt das Samen
eiweiß und das Wasser verdampft, das Öl läuft
daher dünnflüssiger und reiner und zugleich in
größerer Menge ab, als wenn keine Hitze an
gewandt würde. Die Ausbeute beträgt 25 bis
27 0/0, während bei dem in einigen Gegenden,
besonders Rußland, Polen, Sachsen, bevorzug
ten Kaltpressen nur 20—22 0/0 Öl gewonnen
werden. Das Verfahren der Extraktion wird
bei Leinsamen nur selten angewandt. Reines
kalt gepreßtes L. hat ein spez. Gew. von 0,930 bis
0,940 und erstarrt bei —16 0 . Die häufigste und
wichtigste Verwendung des Öles ist die zu Fir
nissen (s. d.), zu denen aber nur altes Öl, das
bei ein- bis zweijährigem Lagern den größten
Teil seiner schleimigen Bestandteile ausgeschie
den hat, benutzt werden soll. Als Verfälschungs
mittel hat man Rüb-, Senf-, Hanf-, Baumwoll-
samenöl, Fischtran, Mineralöl, Harzöl, Ölsäure
(Olein), Fettsäuren aus Wollfett, Aleuritesöl
usw. beobachtet. Ihr Nachweis ist meist nur
auf chemischem Wege möglich, jedoch liefert
oft schon ein Probesieden auf Firnis wertvollen
Aufschluß. Eine Reinigung von schleimigen
Teilen wird durch Schütteln mit heißem Wasser,
heißer Kochsalzlösung, Eisenvitriol, Vermischen
mit Schnee, Durchfrierenlassen und Wiederaul
tauen bewirkt, während längeres Aussetzen an
Licht und Sonne das öl heller macht. — Minder
wichtige Anwendungen des L. sind noch die Be
reitung von Schmierseife, Buchdruckerschwärze
und Arzneimitteln, wie Schwefelbalsam und
Brandsalbe. Frisch geschlagenes Leinöl bildet
in einigen Gegmden Deutschlands, besonders
der Mark Brandenburg, ein geschätztes Speise
öl. Zu Leuchtzwecken ist es, als stark rußend,
nicht zu gebrauchen. — Die Preßrückstände
bilden als Leinc-lkuchen ein wertvolles Vieh