Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Magnesia

Magnesiumkarbonat

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Magnesia  (Talkerde,  Bittererde,  Magnesiumoxyd), ­
  die  Sauerstoffverbindung  des  in  der
Natur  nicht  gediegen  verkommender!  leichten
Metalls  Magnesium  (s.  d.),  MgO,  findet  sich  unverbunden ­
  nur  sehr  selten  in  der  Natur,  näm'.ich
als  Periklas  und  in  Verbindung  mit  Wasser
{Magnesiahydrat,  Magnesiumhydroxyd)  als
Bruzit.  Sie  entsteht  beim  Verbrennen  von
Magnesium  an  der  Luft  und  beim  Glühen  der
meisten  Magnesiumsalze,  wie  des  Karbonats,  Nitrats ­
  und  auch  des  Sulfats.  Die  reine  M.  wird
gewöhnlich  durch  Glühen  der  kohlensauren
Magnesia  (s.  d.),  und  zwar  sowohl  der  künstlich ­
  dargestellten  M.  alba  als  auch  des  natürlichen ­
  Magnesits  dargestellt.  Im  ersteren  Falle
erhält  man  ein  weißes,  äußerst  lockeres  und
leichtes  Pulver,  das  geruchlos  und  geschmacklos ­
  ist,  sich  in  Wasser  nur  spurenweise  löst  und
nur  im  elektrischen  Ofen  schmilzt.  Dieses  Erzeugnis ­
  führt  im  Handel  den  Namen  gebrannte
M.  (lat.  Magnesia  usta,  frz.  Magnösie  calcinöe,
engl.  Magnesia  levis)  und  findet  ebenso  wie  das
Magnesiahydrat  (Magnesiumhydroxyd,  lat.
Magnesium  hydricum)  in  der  Pharmazie  als
Gegengift  bei  Arsenikvergiftung  und  als  gelindes
Abführmittel  Anwendung.  Man  muß  es  in  gut
verschlossenen  Gefäßen  aufbewahren.  Die  durch
Glühen  des  Magnesits  erhaltene,  weniger  lockere
M.  wird  in  der  Technik  zur  Herstellung  von
Magnesiazement  (s.  d.)  und  als  Mittel  zur  Vermeidung ­
  des  Kesselsteins  benutzt.
Magnesiamixtur,  ein  zum  Nachweis  und  zur
Bestimmung  der  Phosphorsäure  viel  benutztes
Reagens,  besteht  aus  einer  Lösung  von  11  g  Magnesiumchlorid ­
  und  14  g  Ammoniumchlorid  in
130  g  Wasser,  der  70  g  Salmiakgeist  zugesetzt
worden  sind.
Magnesiazement.  Mit  diesem  Namen  belegt
man  eine  Masse,  die  durch  Zusammenpressen
von  gebranntem  Magnesit  mit  einer  konzentrierten ­
  Lösung  von  Chlormagnesium  (30 0  B.)  dargestellt
  wird,  nach  kurzer  Zeit  eine  feste,  harte
Beschaffenheit  annimmt  und  schon  nach  24  Stunden ­
  die  höchste  Festigkeit  erreicht.  Der  Magnesit
darf  für  diesen  Zweck  nicht  bei  zu  hoher  Temperatur ­
  gebrannt  sein.  Die  Erhärtung  beruht  auf
der  Bildung  von  Magnesiumoxychlorid,  ähnlich ­
  wie  bei  der  Sorelschen  Masse,  welche ­
  aus  Zinkoxychlorid  besteht.  Aus  M.  werden,
meist  unter  Zusatz  von  Füllmaterial  und  Farbstoffen, ­
  verschiedene  Gebrauchsgegenstände,  wie
Tischplatten,  Fußbodenplatten  u.  dgl.  hergestellt
und  unter  dem  Namen  Kajalithwaren  (s.  d.)  in
den  Handel  gebracht.  Auch  hat  man  daraus
Mühlsteine  zum  Entschälen  des  Getreides  sowie,
mit  Schmirgelpulver  gemengt,  Schleifscheiben
verfertigt.  Die  aus  M.  hergestellten  Gegenstände
sollen  eine  Druckfestigkeit  von  500—1510  kg  für
den,  Quadratzentimeter  besitzen.
Magnesit  (Bitterspat,  Magnesitspat,Talkspat), ­
  ein  aus  Magnesiurakarbonat  bestehendes
Mineral,  bildet  dichte,  derbe,  oft  nierenförmige
Massen  von  kryptokristallinischer  Struktur  und
erscheint  gewöhnlich  schneeweiß,  seltener  ge-*mbt.
  Er  ist  unschmelzbar,  verliert  aber  beim
Glühen  seine  Kohlensäure.  Seine  Härte  beträgt
4~4*/a,  sein  spez.  Gew.  2,9—3,1.  Die  Hauptmger
  von  abbauwürdigem  M.  finden  sich  bei
•t  rankenstein  und  Baumgarten  in  Schlesien,  bei
Mercks  Warenlexikon.

Hrubschitz  in  Mähren  und  Kraubat  in  Steiermark, ­
  bei  Baidissero  in  Oberitalien,  ferner  in
Pennsylvanien,  Griechenland,  Kleinasien  und  Ostindien. ­
  Seine  Hauptverwendung  findet  der  M.,
der  in  ganzen  Stücken  wie  auch  gemahlen  in
den  Handel  kommt,  zur  Entwicklung  von  Kohlensäure ­
  für  die  Herstellung  von  kohlensaurem
Wasser.  Außerdem  dient  er  zur  Herstellung
von  feuerfesten  Tiegeln,  zur  Ausfütterung  von
Flußeisenöfen  usw.
Magnesium,  das  in  der  Magnesia  (s.  d.)  und
ihren  Verbindungen  enthaltene  metallische  Element, ­
  kann  durch  Glühen  eines  Gemisches  von
entwässertem  Magnesiumchlorid  und  Flußspat
mit  Natrium  gewonnen  werden,  wird  aber  zurzeit
fabrikmäßig  nur  durch  Elektrolyse  von  Magnesiumchlorid ­
  oder  von  Karnallit  hergestellt.  Das
M.  ist  silberweiß,  glänzend  und  hart,  läßt  sich
aber  in  der  Hitze  hämmern,  zu  Blech  auswalzen
und  zu  Band  oder  Draht  ziehen.  Das  spez.  Gew.
beträgt  1,743.  Bei  beginnender  Rotglut,  gegen,
8oo°,  schmilzt  es,  verwandelt  sich  bei  Weißglut
(etwauoo 0 )  in  Dampfform  und  verbrennt  unter
intensiver  Lichtentwicldung  zu  einem  weißen
Pulver  von  Magnesiumoxyd,  ln  trockener  Luft
ist  das  Metall  unveränderlich,  überzieht  sich  aber
in  feuchter  Atmosphäre  mit  einer  weißen  Oxydschicht ­
  und  zersetzt  siedendes  Wasser  unter
Wasserstoffentwicklung.  Von  Säuren  wird  es
rasch  gelöst.  Magnesiumband  und  Magnesiumpulver ­
  (Blitzlicht)  finden  Anwendung  bei
photographischen  Aufnahmen  in  dunklen  Räumen,
ferner  als  Reduktionsmittel  in  chemischen  Laboratorien, ­
  als  Magnesiumfackeln  in  der  Feuerwerkerei ­
  und  zur  Herstellung  der  Legierung
Magnalium  (s.  Aluminium).
Magnesiumbenzoat  (benzoesaure  Magnesia, ­
  Magnesium  benzoicum)  wird  durch  Einträgen ­
  von  Magnesia  usta  in  eine  Lösung  von
Benzoesäure  dargestellt  als  ein  weißes  kristallinisches ­
  Pulver,  das  beschränkte  medizinische
Anwendung  findet.
Magnesiumchlorid  (Chlormagnesium,  lat.
Magnesium  chloratum,  Magnesia  muriatica,  frz.
Chloride  de  magnösium,  engl.  Chloride  of  magnesium)
  bildet  einen  Bestandteil  mehrerer  natürlich ­
  vorkommender  Abraumsalze.  So  findet  es
sich  im  Gemisch  mit  Kaliumchlorid  als  Karnallit, ­
  mit  Magnesium-  und  Kaliumsulfat  als
Kainit  und  mit  Magnesiumborat  als  Borazit.
M.  wird  meist  als  Nebenprodukt  der  Staßfurter
Kaligewinnung  erhalten  und  bildet  in  reinem
Zustande  weiße  Kristalle  mit  sechs  Molekülen
Kristallwasser  von  der  Formel  MgCl 2  +  6H 2 0.
Es  dient  zur  Darstellung  von  Magnesiazement,
zum  Imprägnieren  von  Holz,  zur  Desinfektion
von  Aborten  (Süvernsche  Masse)  und  in  beschränktem ­
  Maße  zu  medizinischen  Zwecken.
Magnesiumkarbonat  {kohlensaure  Magnesia, ­
  lat.  Magnesium  carbonicum,  frz.  Hydrocarbonate
  de  magnösie,  engl.  Light  cärbonate  of
magnesia),  MgCOg,  findet  sich  in  reinem  Zustande ­
  als  Magnesit  sowie  in  eihgen  verwandten
Mineralien  vor.  Die  offizineile  Magnesia  alba,
ein  Gemisch  von  M.  mit  Magnesiumhydroxyd  und
Wasser,  wird  aus  dem  Bikarbonat  dargestellt
und  findet  als  Magenpulver  gegen  Sodbrennen,
und  zu  Zahnpulver  Anwendung.

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