Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Anthrarobin

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Anthrophore

Anthrarobin  (Desoxyalizarin,  lat.  Anthrarobinum),
  die  Leukoverbindung  des  Alizarins,  wird
durch  Behandlung  des  letzteren  mit  Ammoniak
und  Zinkstaub  und  nachfolgende  Fällung  mit
Salzsäure  als  gelblichweißes  Pulver  erhalten,
das  in  Wasser  unlöslich  ist,  sich  aber  in  Alkohol
und  noch  leichter  in  Alkalilauge  löst  und  in  gut
verschlossenen  Gefäßen,  an  trockenen  Orten
aufbewahrt  werden  muß.  Man  benutzt  es  äußerlich ­
  gegen  hartnäckige  Hautkrankheiten  an  Stelle
des  Chrysarobins,  vor  dem  es  den  Vorzug  hat,
keine  Hautentzündungen  zu  erzeugen.  Falls,
wie  meist  üblich,  das  käufliche  Alizarin  (Gelboder ­
  Blaustich)  zur  Darstellung  benutzt  wird,
enthält  das  Präparat  noch  die  Leukoverbindungen ­
  des  Anthra-  und  Flavopurpurins,  die  je- 1
doch  dieselbe  Wirkung  haben  wie  das  A.
Anthrazen  (lat.  Anthracenum,  frz.  Anthracfene,
engl.  Anthraceh),,  ein  im  Steinkohlenteer  enthaltener ­
  Kohlenwasserstoff,  C lt H 10 ,  der  in  großen ­
  Mengen  zur  Herstellung  des  künstlichen
Alizarins  verwendet  wird.  Zur  Gewinnung  des
A.  wird  der  über  270 0  C  übergehende  Teil  des
Steinkohlentecrs  (Green  oil)  gesondert  aufgefangen ­
  und  die  Destillation  bis  gegen  400 0  hin
fortgesetzt.  Beim  Erkalten  des  Destillats  scheidet ­
  sich  das  rohe  A.  als  kristallinische  Masse
1  (Green  grease)  ab  und  wird  durch  Pressen  von
dem  flüssigen  Teile  des  Destillates,  welcher  als
Schmieröl  Benutzung  findet,  getrennt.  Durch
wiederholte  Destillation  und  Behandlung  mit
Ligroin  weiter  gereinigt,  kommt  das  A.  als
hellgelbe  kristallinische  Masse  in  den  Handel.
Sie  ist  für  die  Alizarinfabriken  genügend  rein,'
enthält  60—900/0  reines  A.  und  wird  Rolianthrazen
  genannt;  Ganz  reines  A.bildet  glänzende, ­
  weiße,  blätterige  Kristalle  mit  blauer  Fluoreszenz, ­
  schmilzt  bei  213°  0,  fängt  aber  schon
früher  an,  sich  zu  verflüchtigen.  Bei  ungefähr
560°  sublimiert  die  ganze  Masse  unverändert.
In  Wasser  ist  das  A.  unlöslich,  in  kaltem  Alkohol ­
  wenig,  etwas  mehr  in  kochendem  Alkohol
löslich.  Die  Gehaltsprüfung  und  Wertbestimnaung
  erfolgt  durch  Überführung  des  A.  in  Anthrachinon.
  Die  Zahl  der  Stoffe,  welche  das
r ohe  A.  verunreinigen,  ist  ziemlich  groß.  Vor
allem  finden  sich  Melhylanthrazcn,  Fluor
 en,  Azenaphten,  Diphenyl,  Naphthalin,
khenanthren,  Karbazol,  Akridin,  Fluoranthen,
  Chrysen  und  Chrysogen.  Der  Gehalt ­
  an  A.  im'  Steinkohlenteer  beträgt  1  —  1  Vs 0 / 0 »
v on  dem  jedoch  gewöhnlich  nur  die  Hälfte  gewonnen ­
  wird.  Deutschland  führte  im  Jahre  1896
an  6ooo  t,  im  Jahre  1913  nur  noch  höchstens
■  ooo  t  A.  ein.
Anthrazenblau,  Hexaoxyanthrachinon,  entsteht
oeim  Schmelzen  von  Dinitroanthrachinon  mit
Schwefelsäure,  Borsäure  und  Schwefelsesqui-°
 x yd  als  ein  dunkles,  metallglänzendes  Pulver,
Welches  in  Alkohol  mit  roter,  gelb  fluoreszieren-"®
 r )  in  Natronlauge  mit  blauer,  in  konz.  Schwe-Hsäure
  mit  violettblaucr,  braunrot  fluoreszicr
 ender  Farbe  löslich  ist.  Der  Farbstoff  findet
"Wegen  seines  echten,  tiefblauen  Chromlacks  in
er  Wollfärberei  Anwendung.
Anthrazenbraun.  Dieser  bisweilen  fälschlich
“ y ch  Aliza  rinbraun  genannte  Farbstoff  ist  ein
^tioxyanthrachinon  (Anthragallol)  und  entsteht
61  der  Behandlung  von  Gallussäure  und  Benzoesäure ­

  mit  konz.  Schwefelsäure,  oder  von
Phtalsäure  mit  Zinnsalz  als  ein  braunes,  in  Wasser
unlösliches  F’ulver  vom  Schmelzpunkte  310 0 ,
welches  sich  in  Alkohol,  Äther  und  Eisessig  mit
bräunlichgelber,  in  Natronlauge  mit  grüner,  in
konz.  Schwefelsäure  mit  bräunlichroter  Farbe
löst.  A.  kommt  meist  in  Form  einer  Paste  in
den  Handel;  welche  als  echtester  brauner  Beizenfarbstoff, ­
  zum  Färben  und  Drucken  von  Wolle
und  Baumwolle,  Anwendung  findet.
Anthrazenfarbstoffe.  Unter  diesem  Namen
fassen  Möhlau  und  Bücherer  zu  der  6.  Klasse
der  Teerfarben  eine  große  Zahl  von  Verbindungen ­
  zusammen,  welche  alle  vom  Anthrachinon,
C c H 4 (CO) 2  C g H,|,  abgeleitet  werden  können.  Je
nach  dem  Eintritt  von  Hydroxyl-,  Amino-  oder
anderen  Gruppen  unterscheidet  man  folgende
sechs  Abteilungen:  I.  Oxyanthrachinonfarbstoffe
enthalten  2—6  Hydroxylgruppen  und  zerfallen
demnach  in  Di-,  Tri-  bis  Hexaoxyanthrachinonfarbstoffe.
  Der  wichtigste  Dioxyanthrachinonfarbstoff,
  das  Alizarin  und  die  von  ihm
abgeleiteten  Alizarinfarbstoffe,  sind  in  besonderen ­
  Abschnitten  besprochen.  Ein  weiteres  Glied
dieser  Gruppe,  das  Purpuroxanthin,  bildet
einen  Bestandteil  des  natürlichen  Krapps  (s.  d.).
Von  den  Trioxy  anthrachinonf  a  r  b  s  t  o  f  f  e  n
seien  angeführt  das  Anthragallol,  s.  unter  Anthrazenbraun, ­
  das  Purpurin,  Iso-  und  Flavopurpurin
  (s.  Alizarin);  Ein  Tetra-O.  ist  Alizarinbordeaux
  (s.  d.)  und  das  von  ihm  abgeleitete ­
  Alizaringrün  (s,  d.);  ein  Penta-O.
das  Alizarinzyanin  (s.  d.)  und  sein  Chinolinderivat, ­
  das  Alizarinindigblau,  ein  Plexa-O.
das  Rufigallol  und  sein  Chinon,  das  Anthrazenblau ­
  (s.  d.).  II.  Aminooxyanthrachinonfarbstoffe
  entstehen  bei  der  Einwirkung  von  Ammoniak ­
  auf  Polyoxyanthrachinone.  Zu  ihnen
gehören  Alizarinzy  anin  G,  Alizarinsaphirol
  B,  Alizarinirisol  und  Alizarinviridin.
III.  Arylaminoanthrachinonfarbstoffe  leiten  sich
von  den  Gliedern  der  vorigen  Reihe  ab  durch
Eintritt  verschiedener  Substituenten  wie  Halogen,
Schwefelsäure-,  Salpetrigsäure-Rest.,  indieAmi-|
  nogruppe.  So  ist  das  Alizarinblau  GG  ein
brorniertes  Diarainooxyanthrach'.non,  in  welchem ­
  ein  Wasserstoffatom  der  Aminogruppe
durch  den  Rest  SO ä HC 6 H 3 .  CH 3  ersetzt  ist.
Das  Alizarinzyaningrün  enthält  diesen  Rest
zweimal.  IV.  Dihydroanthrachinonazine  entstehen
bei  der  Kalischmelze  von  Aminoanthrachinon,
wobei  sich  2  Moleküle  der  letzteren  zu  einem
vereinigen.  Als  wichtigster  Vertreter  ist  das  Indanthren ­
  (s.  d.)  von  der  Formel  C 6 H 4 .(CO) 2 .
C 0 H 2 .(NH),  O e H 2 ,(CO) ä .C (i H 4  anzuführen.  V.  Benzantlirenfarbstoffe.
  VI.  Anthrachinonpyridonfarb-Stoffe
  werden  aus  Bromanthrachinon  durch  Einwirkung ­
  von  Methylamin,  nachfolgendes  Azetylieren
  und  Kondensieren  hergestcllt.  Sie  führen ­
  die  Namen  Algolrot,  Algolgrün,  -blau,  -braun
und  dienen  zur  Herstellung  sehr  echter  Färbungen. ­

Anthrazit,  eine  aus  mehr  als  90  0/0  Kohlenstoff
bestehende  Steinkohle,  welche  in  besonderen
Feuerungen  verbrannt,  nicht  aber  zur  Herstellung ­
  von  Gas  und  Koks  benutzt  werden  kann,
Anthrophore,  elastische  Stäbchen  aus  einer
kautschuküberzogenen  Kupferspirale,  welche  von
C,  Stephan-Dresden  hergestellt  werden  und  zur
            
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