Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Anakuhuiteh olz 
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Angelikaöl 
occidentale. Sie sind graubraun bis schwarz 
braun und nierenförmig und enthalten einen 
ähnlichen scharfen Saft. Beide Sorten unter 
scheiden sich dadurch, daß der Saft der west 
indischen A. auf der Hand blasenziehend wirkt, 
derjenige der ostindischen dieselbe nur rötet 
und Pusteln hervorbringt. Außer dem scharfen 
Stoffe, dem Kardol, enthalten die A. noch eine 
eigentümliche Säure, die Anakardsäure. Beide 
Arten von A. werden als hautreizende Amulette 
getragen, was unbedenklich ist, solange die 
Schale nicht entfernt wird. Bei unvorsichtiger 
Anwendung der geöffneten Früchte dagegen 
können sehr bösartige, weitergreifende Ge 
schwüre entstehen. 
Anakuhuiteholz (lat. Lignum anaeuhuitae, frz. 
Bois de Anacuite, engl. Ariacuite wood), ein 
sehr bald wieder der Vergessenheit anheimge 
fallener Artikel des Drogenhandels, das Stamm 
holz eines mexikanischen Baumes, der Cordia 
Boissieri, sollte gegen Lungenschwindsucht 
helfen. 
Analgen (Labordin), ein weißes, geschmack 
loses Pulver, welches sich in chemischer Hin 
sicht vom Oxychinolin ableitet; F.P.:2o8°. Die 
in Wasser unlösliche, in Äther lösliche Substanz 
wird gegen Fieber, neuralgische Leiden und 
i neuerdings vor allem gegen Malaria angewandt, 
Ananas (frz. Ananas, Pomme de pin, engl. 
Pine-apple), die bekannte, wegen ihres feinen 
Aromas hochgeschätzte Frucht der im tropischen 
Amerika heimischen Bromclia Ananas, wird 
dort auch auf Feldern angebaut und bei uns in 
Treibhäusern vielfach gezogen. Von Westindien 
und Brasilien aus wird A. sowohl im frischen 
Zustande als auch in Scheiben geschnitten und 
in Zucker eingemacht (in Brasilien Macachis 
genannt) nach Europa versandt. Auch aus Sin- 
gapore kommt jetzt A. nach Hamburg. Der 
Verkauf der frischen Früchte geschieht allgemein 
nach dem Gewichte. 
Ananasäther (Ananascssenz), ein Kunst 
aroma, besteht aus einer Auflösung verschie 
dener zusammengesetzter Äther in Feinsprit und 
wird in konzentrierter Form auch Ananasöl 
genannt. Vgl. Fruchtäther. 
Ananasfaser (Ananashanf, frz. Chanvre 
d’ananas, engl. Ananas hemp) wird sowohl aus 
den Blättern der gewöhnlichen Ananaspflanze, 
als auch aus denen verschiedener andrer Arten 
abgesondert und je nach dem Grade ihrer Fein 
heit zu Seilen, Tauen oder auch zu feinen Ge 
il weben verarbeitet. Zur Herstellung der „Pinas" 
genannten Tücher werden auf den Philippinen 
die jungen Sprößlinge, um die Fruchtbildung zu 
verhindern, im Schatten großgezogen. 
Anchovis (K räuteranchovis) nennt man die 
Sprotten (Breitlinge), kleine, den Sardellen 
ähnliche Fischchen (Clupea spratlus) von 10 
; iS cm Länge, die ohne weitere Vorbereitung 
p't Kopf und Eingeweiden in eine viel Salz, 
Pfeffer, Senfkörner und Lorbeerblätter enthal 
tende Brühe eingelegt werden. Die besten, sog, 
echten A. kommen aus Christiania. Sie unter- 
‘esen manchen Verfälschungen, besonders durch 
Heringe, die an dem größeren Kopf, der 
r'jtnankeren Gestalt und den viel weniger schar 
en Kielschuppen erkannt werden. Die franzö 
sischen A. sind Sardellen (s. d.). Anchovy- 
Paste ist Sardellenbutter. 
Anda-Assu, die Samen einer brasilianischen 
Euphorbiazee (Anda Gomesii), kommen in 
neuerer Zeit in den Drogenhandel und dienen 
zur Herstellung eines dem Rizinusöl ähnlich 
wirkenden fetten Öls (Andaöl, frz. Huile de 
Anda, engl. Oil of Anda), welches bei -)- 8° C 
erstarrt und ein spez. Gew. von 0,918 sowie 
schwachgelbe Farbe besitzt. 
Andaquieswachs, die Ausscheidung einer be 
sonderen Bienenart aus dem Gebiete des Ori 
noko und Amazonenstromes, schmilzt bei 77° C. 
Andorn (Gottvergessenkraut, weißer 
Dorant, Marobelkraut, Marien nessel 
kraut, lat. Herba marrubii albi, frz. Plante 
fleurie de marrube blanc, engl. Horchound), die 
zu Beginn der Blütezeit gesammelten und ge 
trockneten oberen Blätter und Blüten von Mar- 
rubium album, s. M. vulgare, einer in ganz 
Mitteleuropa wild wachsenden Labiate mit hohlem, 
fast vierkantigem Stengel, der mit grauweißem 
Filz überzogen ist und rundliche, gegen den 
Blattstiel hin verschmälerte, grob gekerbte, runz 
lige Blätter .trägt. Die letzteren sind oberseits 
graugrün und weichhaarig, unten weißfilzig. Die 
Blüten sitzen zu Quirlen vereinigt in den Blatt 
winkeln. ‘Das getrocknete Kraut hat einen nur 
schwachen Geruch, aber bitteren Geschmack 
und wird medizinisch verwendet. Es enthält 
etwas ätherisches 01 und einen Bitterstoff, das 
Marrubiin. Verwechslungen mit den Blät 
tern von Nepeta Cataria, den Ballota- und Sta- 
chysarten können an einem abweichenden Ge 
ruch und dem Fehlen der Runzeln erkannt 
werden. 
Anemonenkampfer (P u 1 s at i 11 e nkampfer), 
ein in verschiedenen Arten der Gattungen Ane 
mone und Ranunculus enthaltener, durch De- 
j stillation mit Wasser gewinnbarer, scharfer, die 
I Augen zum Tränen reizender Stoff, welcher aus 
| weißen Kristallen besteht und beim Umkristalli 
sieren aus Chloroform in das geruchlose Ane- 
monin» und die amorphe I soanemonsäure 
zerfällt. 
Anethol, p-Methoxypropenylbenzol (lat. Ane- 
tholum, frz. Anethol), der sauerstoffhaltige 
Hauptbestandteil und Geruchsträger des Anis-, 
Sternanis- und Fenchelöls, wird jetzt im großen 
fabrikmäßig dargestellt. Es bildet schneeweiße, 
nach Anis riechende Kristalle vom spez. Gew. 
0,984—0,986 bei 25 0 C, die bei 22—23 0 Cschmel 
zen, bei 233—234 0 sieden und in Alkohol und 
in Äther löslich sind. 
Angelikaöl (lat. Oleum angelicae, frz. Essence 
d’angdlique, engl. Angelica oil), ein schwach 
gelb gefärbtes ätherisches öl von sehr starkem 
aromatischen Geruch und brennendem Ge 
schmack, wird aus der Angclikawurzel durch 
Destillation mit Wasserdampf gewonnen und 
hauptsächlich zur Bereitung aromatischer Liköre 
benutzt. Auch aus dem Samen gewinnt man ein 
Öl (0,7—1,50/0), das jedoch einen etwas andern 
Geruch besitzt. Das beste A. stammt aus den 
Angelikawurzeln des .sächsischen Erzgebirges, 
dann folgt das aus Thüringer Wurzeln und das 
aus den Wurzeln des Harzes. Das spez. Gew. 
liegt zwischen 0,853 und 0,918. Ein aus japani 
schen Wurzeln gewonnenes Öl besitzt ein spez.
	        
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