Meerrettich
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Meerzwiebel
Arten und Formen, von denen die gemeine M.
(Mugil chelo) die bekannteste ist. Der bis 45 cm
lang werdende Fisch von heringsähnlicher Form,
silberglänzenden Schuppen und dunkleren Längs
streifen findet sich im ganzen Atlantischen Ozean
mit Nord- und Ostsee und Mittelrneer und wird
als vortrefflicher Speisefisch geschätzt.
Meerrettich (Mährrettig, Grän, Gren.Kren
(lat. Radix armoraciae, frz. Racine d’armoise,
engl. Börse radish root) ist die Wurzel yon
Cochlearia armoracia, eines beliebten, zu den
Kreuzblütlern gehörenden Küchengewächses,
das u. a. bei Rastatt, Bamberg, Erlangen, Würz
burg, Ulm und Jena, besonders aber im Spreewalde
angebaut wird. Im Herbste wird die Ware von
den Spreewalddürfetn nach Lübbenau gebracht
und dort von Aufkäufern aus Bayern, Böhmen
usw. abgenommen. Die langen walzenförmigen
Wui'zeln besitzen einen, besonders in frisch ge
riebenem Zustande hervortretenden scharfen Ge
ruch und Geschmack, der durch einen Gehalt
Von etwa 0,0s °/o Allyl- oder Butylseihföl hervor-
gerufen wird, aber beim Kochen und Trocknen
verloren geht. Besonders geschätzt wird eine
aromatisch riechende, weder zu scharfe noch zu
milde Ware. Die besten, fein und etwas süßlich
schmeckenden dicken Wurzeln haben eine glatte
gelblichweiße, die beizend scharfen dünnen Wur
zln eine mehr bläuliche, rissige und mit vielen
Einschnitten versehene Schale. M. wird im
Keller in Sandeinschlag aufbewahrt und findet
ausgedehnte Anwendung als Küchengewürz, hin
gegen nur noch beschränkte medizinische Ver
wendung.
Meerschaum (frz. Ecume de mer, engl. Tur-
kish tobacco-pipe-clay, Sea fram), ein seiner
chemischen Zusammensetzung nach dem Speck
stein, Talk und Serpentin nahestehendes Mineral
wepioHth), (j ag aus wasserhaltigem Magnesium-
s ‘likat, H 4 Mg 2 Si 3 O 10 , besteht, findet sich in Form
leiblich- oder grauweißer, feinerdiger, derber
Massen oder Knollen, die sich fettig anfühlen, an
der Zunge haften und vom Fingernagel geritzt
Werden. Die Härte beträgt 2, das spez. Gew. im
■ischen Zustande 2—2,5, doch schwimmen trok-
kcne Stücke wegen ihrer feinporigen Beschaffen-
? eit auf dem Wasser. Die wichtigsten Lager
mden sich bei Eskischehr in Kleinasien., von
0 aus die Rohware durch türkische Unter-
ehtner in Form von Klumpen, sog. Klötzen oder
le ren.förmigen, an den Kanten abgerundeten
Mcken nach Konstantinopel, Triest und Pest
er sandt wird. Daneben liefern noch Gruben
l| f Samos, Euböa und Negroponte, in der Krim
nd j n p or t U gal, bei Vallecas unweit Madrid, bei
. r ubschitz, Neudorf und Oslowan in Mähren
, ie erschaum, der aber dem türkischen an Güte
UnH Ste ht. Hauptstapelplätze sind Wien, Leipzig
h Ruhla. Die Kisten enthalten 60—200 Stücke,
u e bereits von der äußeren Kruste befreit
oberflächlich geglättet sind und von dein
; eenschaumschneidern sorgfältig geprüft und
j rt, ert werden müssen. Den Hauptanhalt bietet
,j e s s Pczifische Gewicht, da guter M. anfangs auf
u® Wasser schwimmt und nach einiger Zeit
auf ers * n kt, während andauerndes Schwimmen
Von H Snrße Porosität und das Vorhandensein
p- Hohlräumen, sofortiges Untersinken aber auf
Schlüsse fremder Mineralien hindeutet. Immer
hin bleibt der Ankauf der Blöcke für den Meer
schaumverarbeiter eine unsichere Sache, da sich
! beim Verarbeiten noch mancher Ausschuß er
gibt. Kleine, weniger in die Augen fallende
Fehler, wie Pünktchen, Adern, Wolken, sind stets
vorhanden und lassen sich fast an jedem fertigen
Stück auffinden, ja, werden sogar als Zeichen der
' Echtheit angesehen, da künstlich hergestellte
Massen derartige Naturfehler nicht haben. Die
Verarbeitung erfolgt in der Weise, daß man den
M., zunächst in Wasser legt, wodurch er weich
wird und sich mit dem Messer schneiden oder
auf der Drehbank bearbeiten läßt. Die fertig
I geformten Stücke werden dann getrocknet, eine
; Zeitlang in geschmolzenen Nierentalg getaucht;
und nach dem Herausnehmen und Erkalten ab-
| geschabt und mit erweichtem Schachtelhalm
oder Tripel poliert. Bisweilen taucht man sie
auch noch in geschmolzenes Wachs und reibt
i mit Flanell ab. Die bei der Verarbeitung ent
stehenden Abfälle finden zur Herstellung der
! sog. Massa (Masseköpfe) oder unechter Meer
schaumwaren Verwertung. Sie werden zu diesem
I Zwecke fein, gemahlen, mit Wasser geschlämmt
jurid gekocht und darauf mit, etwas Pfeifenton
i vermischt. Der in Kasten gegossene Brei trock-
| net unter starkem Schwinden zu Ejlöcken („Guß“),
| die durch künstliche Wärme noch weiter, aber
1 nicht völlig ausgetrocknet und dann wie M.
I verarbeitet werden. Für noch geringere Waren
wird der Teig in Formen gegossen und gebrannt.
|Zur Unterscheidung des echten M. von Nach-
(ahmungen, dient die Strichprobe mit einer Gold-
joder Silbermünze, wobei nur der unechte einen
|grauen Sprich, wie mit Bleistift, annimmt. M.
I bildet hauptsächlich das Ausgangsmaterial für
| Zigarrenspitzen und Pfeifenköpfe, daneben auch
|für Figuren und andere kleine Kunstgegehstände.
| Hauptsitze der Industrie sind Wien, Budapest,
Ruhla (bei Eisenach), Lemgo, Nürnberg, Essen,
I Paris, Turin und Genua.
| Meerzwiebel (lat. Radix seu Bulbus scillae,
'frz. Bulbe de scille, engl. Squill) besteht aus den
(zerschnittenen und getrockneten. Zwiebeln eines
|zu den lilienartigen Pflanzen gehörigen Zwie
belgewächses (Urginea maritima), das massen
haft auf den sandigen Küsten des Mittelländi-
tschen Meeres wächst^ und dessen eirunde, bis zu
\2 kg schwere, aus dicken, saftigen Schuppen zu
sammengesetzte und außen mit trockenen brau-
jnen Häuten umgebene Zwiebel zu medizinischem
I Gebrauch dient. Die nicht selten in Töpfen als
(Zierpflanzen gezogenen blaublühenden Szillen ge-:
(hören anderen Arten an, die Urginea maritima
(hat einen Schopf mit weißlichen Blüten. Im
(Handel findet sich die Droge frisch und ge
trocknet, in die einzelnen Dickschuppen zerlegt.
•Frische Zwiebeln, die über Triest in den Verkehr
'kommen, lassen sidi im Keller in Sand konser
vieren, sind aber nicht lange haltbar. Die zer
schnittene Wurzel riecht und schmeckt scharf
und bitter und besteht aus gebogenen, hornartig
(durchscheinenden Stücken. Als wirksame Stoffe
(enthält die M. Szillipikrin, Szillitoxin, SziJ-
(lin und Szillain, welche sämtlich giftig wirken.
(Aus getrockneter M. werden wäßrige und alko
holische Extrakte hergestellt. Durch Mazerieren
mit Essig erhält man den Meerzwiebelessig
'(lat. Acetum scillae, frz. Vinaigre de scille, engl.