Moll
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Morcheln
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Milchzucker besteht und daneben geringe Men
gen löslicher Eiweißstoffe enthält. Man ver
wendet die M. zur Darstellung von Milchzucker
und Molkenpastillen, zum Kurgebrauch und zum
Verfüttern. Das durch Auf kochen daraus ab
geschiedene Molkeneiweiß dient zur Berei
tung von Zigerkäse.
Moll (frz. Molleton, engl. Molton, Multon):
Darunter versteht man ein weiches langhaariges
Gewebe aus guter Mittelwolle, das entweder
leinwand- oder köperartig gewebt, auf beiden
oder nur einer Seite gerauht und mit einem
Schnitt geschoren ist. In der Dichtheit und
Walke steht das Zeug zwischen Flanell und
Fries, indem es lockerer als dieser und dichter
als jener ist. M. wird wie Flanell zu warmhalten
den Unterkleidern verwandt. Die Farbe ist
meist weiß, zuweilen auch grau, blau, rot und
grün. Doppelte M. haben auf jeder Seite eine
besondere Färbung. — Neuerdings wird häufig
auch baumwollener M, hergestellt und be
sonders zu Unterröcken für Frauen viel ver
braucht. Er bildet eine Art dicken baumwollenen
Barchent, der auf beiden Seiten stark gerauht
ist und dadurch eine langhaarige weiche Ober
fläche erhalten hat.
Mollplaste sind Mischungen aus borsäure
haltigem Leim mit Pflastermasse und medizinisch
wirksamen Stoffen, die von Helfenberg in den
Handel gebracht werden.
Molybdän, ein ziemlich seltenes Schwer
metall, Mo = 96, findet sich in der Natur nicht
in freiem Zustande, sondern nur in Form wenig
verbreiteter Mineralien, besonders des Molyb
dänglanzes (Schwefel-M.) und des Gelbblei
erzes oder Wulfenits (molybdänsaures Blei).
Das Metall entsteht beim Glühen der Oxyde
°der Chloride im Wasserstoffstrom, hat aber
keine technische Bedeutung und wird daher im
großen nicht dargestellt. Für die Praxis kommen
lediglich die Molybdänsäure und ihr Ammo-
Utumsalz in Betracht. — Die Molybdänsäure,
MoOg, wird durch Erhitzen von Molybdänglanz
a n der Luft erhalten und bildet ein weißes, ge
ruchloses, in Wasser schwer lösliches Kristall-
Pulver, das sich in Ammoniak löst und mit ihm
uas Ammoniummolybdat (molybdänsaures
Vrnmonium), (NH 4 ) 2 Mo0 4 , ein weißes, inWas-
Ser lösliches, kristallisiertes Salz liefert. Die
richtigste Eigenschaft der Molybdänsäure ist die
Bildung eines gelben Niederschlages mit Phos-
Pnorsäure, die zur quantitativen Bestimmung der
..uosphorsäure benutzt wird und einen erheb-
uchen Verbrauch des Ammoniummolybdats zur
ro'ge hat. Außerdem dient das Salz neuerdings
?rr Herstellung feuersicherer Gewebe und zu
Pesinfektionszwecken sowie zum Blaufärben von
‘Opferglasuren.
Monazitsand, ein in Südamerika, Australien
Un d im Ural vorkommendes monazithaltiges Ge
menge verschiedener Mineralien, bildet das Aus-
^ungsmaterial zur Gewinnung der für Glüh-
strümpfe erforderlichen seltenen Erden. Er ent-
‘ lalt neben 50—60% Oxyden der Zer- und Yt-
‘mrngruppe 2 V° Thoroxyd, welches durch Zer-
otzung mit konzentrierter Schwefelsäure und
“ouhenge Fällung mit Oxalsäure erhalten wird.
Monesia (lat. Monesia, Extractum monesiae,
1 Extrait de Monesie, engl. Extract of Mo
nesia), ein wäßriges Extrakt der aus Bra
silien stammenden und dort Buranham genann
ten Monesiarinde, Cortex monesia, wurde
einige Jahre lang medizinisch als adstringierendes
Mittel verwandt, ist aber jetzt außer Gebrauch
gekommen. M. bildet eine feste, spröde, braune
Masse von zusammenziehendem Geschmack, die
neben Gerbsäure, Gallussäure und Glyzyrrhizin
einige Bitterstoffe: Monesin und Hivurahein
enthält.
Montanin ist ein neueres Anstrichmittel, das
in Eiskellern, Brauereien und Brennereien zum
Schutze feuchter Wände gegen Schimmelwuche
rung (Hausschwamm) aufgetragen wird und aus
einer 30 0/0 igen Auflösung von Kieselfluorwasser
stoffsäure in Wasser besteht.
Montanwachs nennt man einen dem Zeresin
ähnlichen Stoff, der durch Extraktion von Braun
kohle mit Benzin gewonnen und durch nach
folgende Destillation mit überhitztem Wasser
dampf weiter gereinigt wird. Es schmilzt bei
80 0 und dient als guter Ersatz des Zeresins und
Paraffins zur Herstellung von Kerzen.
Morcheln (frz. Morilles, engl. Morils) sind
außerordentlich geschätzte Pilze der Gattung
Morchella, die zahlreiche Arten bildet. Die
größte Bedeutung besitzt die echte Speise
morchel (M. esculenta) mit rundlich-eiför
migem, gelbbraunem bis dunkelbraunem Hut
und hohlem, daumendickem Stiel von weißer
bis schmutzig fleischrötlicher Farbe. Charakte
ristisch für diesen Pilz, der im April und Mai,
seltener im Herbste, auf schwerem, sandig-leh
migem Boden in Wäldern und Gebüschen, auf
Bergwiesen und Feldern vorkommt, ist die
eigentümliche Zeichnung der Hutoberfläche, die
durch zahlreiche Rippen oder Leisten in netz
förmige, vertiefte Felder abgeteilt ist. Der
Speisemorchel durchaus ähnlich sind die Käpp-
chen-M. (M. mitra), die Glocken-M. (M. pa-
tula) und die Spitz-M. (M. conica) mit spitzem,
kegelförmigem Hut und etwas länglicher ge
streckten Feldern. Die gewöhnlich im Handel
als M. bezeichnete Pilzart führt diesen Namen
mit Unrecht. Es ist vielmehr die eine besondere
Gattung, Helvella, bildende Lorchel, auch
Früh-, Stein- oder Speiselorchel genannt, die auf
dickem, weißem bis violettem Stiel den dunkel
braunen, unregelmäßig faltigen und runzeligen,
aber nicht in Felder geteilten Hut trägt.
Nach dem Aufweichen in Wasser und dem Aus
breiten des Hutes bietet die Erkennung der cha
rakteristischen Felder und damit die Unter
scheidung der Lorchel von der echten M. auch
im getrockneten Zustande keine Schwierigkeit
dar, und das ist insofern von großer Bedeutung,
als die Lorchel zweifellos giftig ist. Sie
enthält einen äußerst giftigen Stoff, die Hel-
vellasäure, die blutkörperlösend wirkt und
heftige Verdauungsbeschwerden, Störungen der
Nierentätigkeit, ja selbst den Tod herbeizuführen
vermag. Allerdings unterliegt der Grad der
Giftigkeit je nach dem Standorte und den Jahr
gängen großen Schwankungen, aber man sollte
trotzdem nie unterlassen, die Lorchel vor dem
Genuß zu entgiften. Es gelingt dies, da die
Helvellasäure in heißem Wasser löslich ist,
durch mehrfaches Abkochen und Auspressen der
frischen Lorcheln, auch starkes Salzen scheint